Wie geht´s Deutschland? – eine Anmerkung

Gestern lief im ZDF die Reportage von Marietta Slomka zu Lebenssituationen in Deutschland. Gezeigt wurde u. a. eine 70-jährige Renterin, die in sehr beengten Wohnverhältnissen (25 qm) lebt und die einen Job braucht, um überhaupt um die Runden zu kommen. Ihr angespartes Vermögen war schon aufgebraucht, Freunde haben ihr finanziell geholfen. Jetzt hat sie sich um eine Anstellung beworben. Gleichzeitig mit ihr wollte ein über 80-jähriger Mann diesen Job. Gezeigt wurde dann, dass die Frau angestellt wurde und wie froh sie war, diesen Minijob erhalten zu haben. Herzlichen Glückwunsch dazu! Aber was ist mit dem Mann weiter geschehen? Darüber gab es leider keine Auskunft.

Meine Gedanken dazu: Durch diese Personalisierung wurde sehr deutlich, wie bedrängend Altersarmut ist, wie erniedrigend und beschämend es empfunden wird, staatliche Unterstützung zu erbitten (und sich dabei manchmal auch herablassend behandeln lassen zu müssen), wie sehr ältere Menschen auf den Zuverdienst angewiesen sind. Grund dafür sind oft unterbrochene Arbeitsverhältnisse (etwa durch Erziehungszeiten oder Arbeitslosigkeit) und auch ein geringes Einkommen, welches zu geringeren Renten führt (und die Lebenshaltungskosten, etwa die Mieten, bleiben gleich).

Sicher sind die Reaktionen der anwesenden Politiker berechtigt, die aber naturgemäß eher eine langfristige Perspektive auftun: höhere Löhne, stabilere Arbeitsverhältnisse etc. Die jetzt schon bestehende Altersarmut können sie nur schwer verhindern. Ich meine, dass es nichts Ehrenrühriges an sich hat, wenn Frauen und Männer die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen. Sie haben ja durch ihre Arbeit und auch durch die Kindererziehung viel für unsere Gesellschaft und den Staat getan. So haben sie jetzt auch einen Anspruch darauf, dass sich der Staat um sie kümmert. So müssen wir alle wohl einen Prozess des Umdenkens in Gang bringen; wir müssen die Senioren im Blick haben und ermutigen, Hilfe zu verlangen; wir müssen uns wohl auch mehr im nachbarschaftlichen Verhältnis engagieren, um die schlimmsten Folgen der Altersarmut zu lindern, etwa Isolation und die Vereinsamung oder auch Krankheit.

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