Eine Wintergeschichte

Ein alter Mann sah eine Frau weinend im Schnee sitzen: Besorgt ging er zu ihr fragte, ob ihr etwas fehle.

„Ach“, sagte die Frau „ich weine über mich und mein Leben und über das was ich schon alles verloren habe: meine Schönheit, die verblüht ist; meine Lebendigkeit, die immer mehr nachlässt und über meinen verstorbenen geliebten Mann. Gott ist grausam! Er hat mir die Erinnerung gegeben und so denke ich immer wieder an den Frühling meines Lebens zurück. So sehe ich beständig, was ich nicht mehr habe.“

Der alte Mann hatte die Klagen der Frau genau gehört. Er blickte jedoch lächelnd auf das mit Schnee bedeckte Feld vor ihnen. Die Frau folgte seinem Blick und seinem Lächeln und fragte ihn, was er denn da sehe und was ihn so erheitere.

„Eine Wiese voller Frühlingsblumen sehe ich“, antwortete der Mann. „Gott war so gnädig, als er mir die Gabe der Erinnerung gab. Er wusste, dass ich mich im Winter wieder an den Frühling erinnern kann.“

 

 

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