Studie zu den Arbeitsbedingungen von Pflegenden

Die Hans-Böckler-Stiftung hat eine neue Studie herausgegeben. Frau Prof. Dr. Hildegard Theobald von der Universität Vechta vergleicht darin die Arbeitsbedingungen für Pflegende in Deutschand, Schweden und Japan.

Die Altenpflege wird in allen drei Ländern wegen des demografischen Wandels immer bedeutungsvoller. Umso erstaunlicher ist es, dass sowohl die Qualifikation der Arbeitskräfte, deren Arbeitssituation sowie deren gesellschaftliches Ansehen überall weit verbesserungsfähig ist.

In allen drei Ländern liegt die Quote der Teilzeitjobs in der ambulanten Pflege bei mindestens 60 % (in Deutschland: 70%). Davon sind Helferinnen und Helfer sowie Ungelernte betroffen. Im stationären Bereich sind in Deutschland und Schweden zwischen 40 und 50 % in Vollzeit beschäftigt. In Deutschland beträgt der Anteil der Alten- und Krankenpflegekräfte im stationären Bereich lediglich 33%.

Frau Prof. Theobald hat auch die Arbeitsbelastungen untersucht. Vor allem der Zeitdruck macht 54% der Beschäftigten in Deutschland zu schaffen; in Japan und Schweden sind es dagegen „nur“ 35 bzw. 37%. Auch bei den wöchentlichen Überstunden ist Deutschland im ambulanten Bereich Spitzenreiter: 52% (gegenüber 28 [Japan] und 13 [Schweden]). Noch schlimmer im stationären Sektor: 73 – 53 – 40%. Der Grund: eine dünne Personaldecke, festgelegte Aufgabenkomplexe, enge Zeitkorridore.

Immer wichtiger wird bei uns in Deutschland die Rolle der Menschen mit Migrationshintergrund. Was die Qualifikation und das Arbeitszeitarrangement angeht, gibt es keine nennenswerten Unterschiede zu deutschen Beschäftigten. Anders bei den Arbeitsbedingungen: 41% der Migrantinnen und Migranten machen Überstunden, bei den sonstigen sind es 18%.  In Arbeitsbesprechungen werden Migrantinnen und Migranten deutlich weniger einbezogen. Sowohl von den Vorgesetzten wie auch von den Familien erfahren sie wenig Wertschätzung, von ausländerfeindlichen Kommentaren berichten 15%.

Japan hat den höchsten Anteil an Männern in der Pflege. Dies liegt zum einen an der höheren Qualifikation, zum anderen daran, dass es dort mehr Vollzeitjobs gibt.

Frau Prof. Theobald plädiert als Resümee dafür, dass alle Pflegekräfte eine Ausbildung, am Besten berufsbegleitend, erhalten. Außerdem seien familienfreundlichere und flexiblere Vollzeit- und Teilzeitarrangements sowie eine bessere Kinderbetreuung notwendig. Personalengpässe müssten beseitigt werden und Arbeitgeber müssten der Benachteiligung von ungelernten Migrantinnen und Migranten (etwa bei den täglichen Besprechungen) entgegenwirken.

Wer die Studie nachlesen will, findet sie unter https://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_383.pdf

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