Bericht vom besinnlichen Vormittag „Zwischen Herbergssuche und Flucht“

Am vergangenen Freitag haben sich ca. 15 Frauen und Männer zu einem besinnlichen Vormittag im Kloster Zangberg getroffen. „Zwischen Herbergssuche und Flucht: die Geburt Jesu“ war unser Thema.

Zunächst haben wir uns die räumlichen Distanzen angeschaut: ca. 170 km von Nazareth nach Bethlehem, mindestens 200 km von Bethlehem nach Ägypten, ca. 300 km von Ägypten nach Nazareth (wenn man den östlichsten Punkt nimmt). Das alles zu Fuß mit einem ungeborenen/ dann neugeborenen Kind – bergauf, bergab, auf Feldwegen, z. T. allein, z. T. in Gesellschaft. Auch die Gefühle bei diesen Reisen waren sehr unterschiedlich: von Freude und Hoffnung bis Angst und Unsicherheit.

Natürlich geht es bei den Erzählungen im Lukasevangelium und im Matthäusevangelium nicht um historische Berichte. Es war ja keiner dabei. Es geht in den Hl. Schriften nie um geschichtliche Fakten, sondern um die Theologie, um die Frage: wer war dieser Jesus eigentlich. So betont Matthäus den königlichen Aspekt, der sich mit David und Bethlehem verbindet und beginnt sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu. Darin spielt Josef die wichtigere Rolle als Nachkomme des David. Er bekommt von Gott durch den Engel die Handlungsanweisungen, Maria zu sich zu nehmen bzw. zu fliehen. Lukas betont, dass sich Jesus den Unbedeutenden, Schwachen, Kleinen zugehörig fühlt und siedelt die Geschichte in Nazareth an, einem unbedeutenden Dorf mit grade mal 200 Einwohnern. Hier ist Maria wichtiger.

Die äußeren Wege von Josef und Maria waren uns Anlass, die  Wege unseres eigenen Lebens anzuschauen. Manche waren nur wenige Kilometer von daheim weggezogen, andere oft und weit. Innerlich jedoch waren bei jeder/m die Wege groß von der Kindheit über die Jugend mit den Lebensträumen, manche Krisen und Schwierigkeiten im Erwachsenenalter bis hin zu Neuaufbrüchen im Alter. Da mussten wir oft Pfad-sucher und Pfad-finder sein mit aller Unsicherheit, mit Ängsten und Zweifeln und auch dem Vertrauen, dass es einen Weg gibt.

Schließlich haben wir noch darüber nachgedacht, wie diese vielen Bewegungen rund um die Geburt das Leben Jesu geprägt haben könnten. Er war ja viel unterwegs (äußerlich), aber auch innerlich, in seinen Botchaften, gab es Wege. Die Reise nach Bethlehem hat ihn in Kontakt gebracht mit seiner Herkunft aus einer königlichen Familie, mit seiner königlichen Prägung. Die Flucht nach Ägypten hat ihn an die Wurzeln seines Volkes und seines Glaubens geführt, zum Rettergott, zum Befreiergott aus dem Sklavenhaus.

Was sind denn unsere je eigenen Wurzeln – familiär, als Volk, im Glauben? Diese Fragen haben wir mit nach Hause genommen zum Nachdenken über die Herkunft und als Wegweiser und Bestärkung für die Zukunft.

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