Gedanken zum Weihnachtsfest 2018

Ich habe in den letzten Tagen zwei sehr bemerkenswerte Aussagen über „Weihnachten heute“ gelesen, die recht gegensätzlich sind. Heribert Prantl spricht von einem Familienfest im Biedermeier-Stil mit viel Sehnsucht nach Großfamilie und Harmonie, das zumindest in der Sehnsucht vieler beheimatet ist. Auf der anderen Seite steht die Aussage einer verwitweten Frau, die an Weihnachten lieber für sich allein ist, weil da die Trauer über den Tod des Mannes am meisten spürbar ist und sie ihre Großfamilie nicht mit ihrer Trauer belasten möchte.

Weihnachten also ein Fest zwischen Sehnsucht und Realität. In beidem spiegelt sich die biblische Überlieferung wieder (wobei weder Lukas noch Matthäus Augenzeugen waren und es sich somit nicht um historische Fakten handelt, sondern um theologische Aussagen).

Matthäus (Kap 1 und 2) stellt Jesus als den Nachkommen Davids dar, mithin als Königssohn in aller Herrlichkeit. In das Haus des Josef in Bethlehem kommen Sterndeuter aus dem Osten zu Besuch und huldigen ihm mit ihren Geschenken von Gold, Weihrauch und Myrrhe. Als Nachkomme in der Königsdynastie ist Jesus auch von Verfolgung und Tod bedroht und muss nach Ägypten ins Exil fliehen.

Lukas (Kap 2) betont die Armseligkeit der Geburt in einem Stall, weil für die aus Nazareth Dahergereisten kein Platz in der Herberge war. Hier kommen nicht „Könige“, sondern Hirten, die damals am Rande der Gesellschaft lebten. So wird deutlich, dass Jesus von Anfang an sich mit den Außenseitern verbunden fühlte, dass ihnen die Botschaft vom Heil Gottes gilt.

In der Volksfrömmigkeit haben wir diese beiden sehr unterschiedlichen neutestamentlichen Stränge zusammengeflochten. Damit ermöglichen wir uns das Bild einer heilen, intakten Welt voller Glanz und Gloria und Heimeligkeit und zugleich die Identifikation mit den Hirten in ihrer Armseligkeit, die – äußerlich gesehen – früher durchaus gegeben war, heute vielleicht mehr innerlich.

Schwierig wird es immer dann, wenn diese Vorstellung auf die Wirklichkeit trifft: auf die heute von Verfolgung Bedrohten, auf die Menschen am Rand unserer heutigen Gesellschaft, auf die „Mühseligen und Beladenen“, auf die, welche keine intakte Familie aufweisen. Schwierig wird es für die, welche diesen Gegensatz nicht verdrängen, sondern wahrnehmen und sich zu Herzen gehen lassen. Schwierig ist es für die, welche eine Sehnsucht im Herzen haben nach einem Leben, das von Fülle gekennzeichnet ist (auch ein Jesus-Wort) und gleichzeitig spüren, wie weit ihr eigenes Leben davon entfernt ist.

Was also sollen wir tun? Diese Frage stellen die Menschen im 3. Kapitel  des Lukasevangelium dem Johannes. Eine Predigt, die ich neulich gehört habe, hat mir gezeigt, dass die Antworten des Johannes gar nicht so schwer sind: es sind ganz naheliegende, einfache Dinge, auf die Johannes verweist. Eigentlich sind es Selbstverständlichkeiten. Aber auch daran können wir uns orientieren und auf die heutigen, auf unsere Verhältnisse umlegen.

 

 

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