Monthly Archives: März 2019

3. Impuls zur Fastenzeit 2019

Gebrechlichkeit

„Gebrechlichkeit“ ist ein altes, aus der Mode gekommenes Wort. Es ist keines der Worte, die man gerne verwendet – schon gar nicht für sich selbst. Es ist gleichwohl eine Erscheinung, die viele, vor allem ältere, Menschen trifft. Es beschreibt das allmähliche Nachlassen der Kräfte, den fortschreitenden Abbau körperlicher Fähigkeiten, das Zunehmen von Beschwerden und Krankheiten. Also klassisch defizitorientiert. Und völlig inkompatibel mit unserem Lifestyle. Deshalb ist Gebrechlichkeit auch schambesetzt und wird weitgehend tabuisiert. Wie schwer tut man sich also, die eigene Gebrechlichkeit anzunehmen oder gar zu zeigen. Das fängt bei Kleinigkeiten an: dem Hörgerät. Schlimmer ist, wenn man auf einen Hacklstecken oder Rollator angewiesen ist. Schlimmer unter zweierlei Hinsicht: einmal, weil man diese Not hat und zum zweiten, weil man sie öffentlich dokumentieren muss (wenn man sich nicht gänzlich zurückzieht in die Einsamkeit).

Ich will und kann nichts beschönigen. Das Nachlassen der Kräfte und die Zunahme der Hilfsbedürftigkeit sind schlimm und ein massiver Einschnitt ins bisherige selbstbestimmte Leben. Aber wir können wenigstens gesellschaftlich und kirchlich gesehen die zweite Stigmatisierung erleichtern, nämlich dass man sich schämen muss, wenn man nicht mehr so kann. Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn ich in meiner früheren Gemeinde erst einen, dann zwei, schließlich drei Rollatoren vor der Kirche gesehen habe. Sie waren ein Zeichen, dass die Besitzer zu uns als Gemeinde dazugehören. Oder wenn Menschen mit einer Einschränkung ehrenamtlich oder auch hauptamtlich tätig sind und ihre Behinderung nicht verstecken. Es braucht solche Zeichen, weil sie eine Ermutigung darstellen für die Menschen mit ähnlichem Schicksal. Wir brauchen diese Zeichen auch für die „Gesunden und Fitten“, denen es vielleicht mal ähnlich gehen wird. Wir brauchen diese Zeichen als Gemeinde, weil dadurch sichtbar wird, dass Leben lebbar ist auch wenn es ein gebrochenes, mit Einschränkungen behaftetes Leben ist.

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„Einsam? Zweisam? Gemeinsam!“ – Wettbewerb der bagso und des Seniorenministeriums

Heute und morgen findet in Berlin ein Fachkongress statt, der sich mit dem Thema der Einsamkeit von Senioren beschäftigt. Dabei stellen sich Initiativen vor, die sich dafür engagieren, der Einsamkeit von Senioren zu begegnen. Auch ich habe mich an diesem Wettbewerb mit dem Projekt „Zusammen ist man weniger allein“ (siehe Bild nebenan) beteiligt. Bei meinem Projekt  sind ja Verwitwete angesprochen, die sich zusammentun, um der Einsamkeit in ihrer Lebenslage zu entkommen.

In der Pressemitteilung der bagso heißt es:
In ihrer Rede zur Eröffnung des Fachkongresses unterstrich Bundesseniorenministerin Dr. Franziska Giffeydie wachsende Bedeutung des Phänomens: „Wir wollen uns um die Menschen kümmern, die einsam sind oder von Einsamkeit bedroht sind. Jede und jeder einzelne kann das im eigenen Lebensumfeld tun: in der Nachbarschaft und sogar in der eigenen Familie. Einsamkeit vorzubeugen, ist aber auch eine Aufgabe der Gesellschaft. Es ist nicht gut, wenn es dem Zufall überlassen bleibt, ob sich jemand kümmert. Wir brauchen gute Ideen und Angebote, die funktionieren und wirken“, sagte die Bundesseniorenministerin.

„Schicksalsschläge wie Tod, Erkrankung, aber auch Armut steigern das Risiko sozialer Isolation und Vereinsamung bei älteren Menschen. Weil Einsamkeit viele Gesichter und viele Gründe hat, gibt es nicht eine Lösung, sondern viele. Wie vielfältig das Engagement, die Ideen und die Lösungswege sind, beweist unser Wettbewerb. Dass wir dieses Engagement sichtbar machen und würdigen, zeigt: Wir kümmern uns um die Kümmerer. Sie sind Impulsgeber und Vorbild für andere. Ihr Engagement macht unsere Gesellschaft besser. Im Kleinen wie im Großen.“

Der BAGSO-Vorsitzende Franz Müntefering betonte: „Ich bin beeindruckt von der Vielfältigkeit des Engagements und der Ideen, sei es in der Stadt oder auf dem Land, im Wohnviertel oder mit mobilen Angeboten. Bei allem spürt man, mit wieviel Herzblut und Kompetenz sich die Projekte und Initiativen – insbesondere auch im ehrenamtlichen Bereich – für Ältere engagieren.“

Den Wettbewerb führte das Bundesseniorenministerium gemeinsam mit der BAGSO durch. Es gab insgesamt 601 Bewerbungen in fünf Kategorien. Eine sechsköpfige Jury aus Kommunen, Wissenschaft und Politik wählte die 15 Sieger in einer gemeinsamen Sitzung aus.

Alle Informationen zum Wettbewerb und zu den Preisträgern finden Interessierte unter www.bmfsfj.bund.de sowie www.bagso.de

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Fragen – Fragen – Fragen: ein religiöser Vormittag

Alle Menschen ab der Lebensmitte lade ich ein zu einem religiösen Vormittag im Kloster Zangberg. Ich habe ihn unter den Titel gestellt: „Fragen – Fragen – Fragen“.

An diesem Vormittag soll Raum sein für alles, was Sie bewegt, was Sie wissen wollen, wo Sie  niemanden fragen wollten (weil es vielleicht zu unbedeutend scheint). Das können Fragen aus der Bibel sein, Fragen zur Kirche, zum Kirchenjahr und seinen Bräuchen etc. Es können Wissensfragen sein und auch ganz persönliche Unsicherheiten und Zweifel. Ich werde vielleicht nicht alles beantworten können (denn ich bin ja nicht allwissend), aber zumindest werden wir das versuchen. Es ist also auch für mich ein Stück gespannte Erwartung dabei, was wir im gemeinsamen Gespräch herausfinden werden.

Dieser Vormittag findet statt am kommenden Mittwoch, den 20. März 2019 von 9 – 11 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht nötig, Unkosten fallen keine an.

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2. Impuls zur Fastenzeit 2019

Krisen

In jedem menschlichen Leben gibt es kleinere und größere Krisen. Sie stellen das bisherige Leben mindestens in Frage. Manchmal werfen sie aber auch das ganze Leben über den Haufen, sodass ein einfaches „weiter so!“ mit einigen wenigen Veränderungen nicht möglich ist. Es gibt viele Auslöser für Krisen: der Verlust eines Menschen oder von Besitz, der Verlust von Lebensträumen oder einer Lebensperspektive, eine Krankheit oder dass bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr funktionieren. Manchmal sind es auch Ereignisse, die von außen auf einen treffen: ein Unfall, Gewalterfahrungen, eine Nachricht …

Immer wieder werden solche Krisen auch zum Stoff für Literatur, seien es die griechischen Dramen, seien es biblische Geschichten oder auch in der modernen zeitgenössischen Literatur. Auch die Märchen erzählen immer wieder von Krisen und ihrer Bewältigung, etwa wenn Menschen ihre Identität finden im Durchleben und Durchleiden einer Krise. Sie zeigen auf, was schon im Wort „Krise“ steckt, das aus dem Griechischen kommt: es ist eine Phase, an der sich scheidet und entscheidet, wie das Leben in Zukunft gehen kann.

Allerdings gelingt eine Krisenbewältigung nur unter Risiko: das bisher Gültige muss aufgegeben  und Neues entwickelt werden. Ob es funktionieren wird, bleibt erstmal offen. So ist Mut erforderlich und auch Zuversicht. Auch Ausdauer und Hartnäckigkeit sind gefordert. Natürlich auch eine Antwort auf die Fragen: „Wie will ich in Zukunft leben? Was soll in Zukunft ein größeres Gewicht bekommen? Was wird zu einem zentralen Wert in meinem Leben werden?“

Die erste Lesung des kommenden Sonntags deutet eine solch existenzielle Krise an (Gen 15). Das zu erkennen, ist ein wenig schwer, weil der Text sehr verdichtet ist. Abram hatte alles Gewohnte verlassen: seine Heimat, seinen von den Vätern übernommenen „Kinder“glauben, auch die bisherigen Verheißungen sind nicht eingetroffen. Das Bild dafür ist die Dunkelheit und die Angst, die Abram befallen. So ist auch bei heutigen Menschen in der Krise die Sicht auf das Leben dunkel und voller Angst. Bei Abram gehen dieses Dunkel und die Angst auch nicht sehr schnell weg. Erst spät werden seine Lebensträume wahr. Er braucht Ausdauer, Zuversicht, Mut und Hartnäckigkeit, bis aus „Abram“ der uns bekannte „Abraham“ wird. Aber gerade damit kann er Mut machen, weiterzugehen in der Krise, bis es am Ende doch eine Lösung gibt.

 

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„Wenn die Seele krank ist – Psychotherapie im höheren Alter“: eine Broschüre der bagso

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen bagso gibt eine Broschüre in  aktualisierter Fassung heraus. Unter dem Titel „Wenn die Seele krank ist – Psychotherapie im  höheren Alter“ möchte sie Mut machen, sich auch noch im fortgeschrittenen Alter eine Therapie zu gönnen, wenn es schwer zu lösende Fragen gibt und gleichzeitig den Wunsch, besser damit leben zu können. Denn immerhin leiden etwa ein Viertel der über 60-Jährigen unter seelischen Problemen. Obwohl die Älteren in ihrem Leben schon viele Strategien entwickelt haben, um mit schweren Lebenssituationen fertig zu werden, wie Frau Prof. Lehr betont, ist manchmal auch professionelle Hilfe notwendig. Auf ihrer Homepage schreibt die bagso:

Es ist ein auch heute noch weit verbreitetes Vorurteil, dass Psychotherapie bei älteren Menschen nicht sinnvoll ist, da sie keine Aussicht auf Erfolg hat. Dabei ist erwiesen, dass sie sehr gute Erfolge erzielt und erheblich zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt.

Die 52-seitige Broschüre, die zusammen mit der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung erarbeitet wurde und 2018 in einer aktualisierten 4. Auflage erschienen ist, beschreibt die häufigsten psychischen Erkrankungen und gibt einen Einblick in therapeutische Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere für ältere Menschen. Sie ist gedacht als Ratgeber für Ältere, aber auch für Angehörige und Hausärzte.

Die Broschüre kann auch in größerer Stückzahl kostenfrei bestellt werden unter www.bagso.de

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Fortbildung für Seniorenclubleiterinnen im Frühjahr 2019

Die Abteilung Seniorenseelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat in München lädt wieder alle Seniorenclubleiterinnen ein zu einer Fortbildung. Diesmal werden wir Anregungen bekommen, wie mit geringem Aufwand ein Höchstmaß an Unterhaltung, Freude, Erinnern und Anregung zum Weiterdenken erreicht werden kann. In unserer Gegend findet diese Fortbildung statt am Donnerstag, den 4. April 2019 von 14.00 – 17.00 Uhr in Altmühldorf. Hier die Einladung dazu:

Mini-Impulse mit Megawirkung
Wer mit Gruppen arbeitet weiß, wie wichtig der gemeinsame Austausch ist. Zu welchen Themen und wie Menschen in Kontakt kommen, hängt auch von den Methoden ab. Und es braucht oft nur eine kleine Prise Veränderung, um eine erstaunliche Wirkung zu erzielen. Bei der Frühjahrsfortbildung dreht sich deshalb alles um Mini-Impulse und Kommunikation.

Ablauf:
 Theorie und Praxis der Mini-Impulse:
*Mini-Impulse und Übungen für Seniorengruppen
*Faktoren, die zum Austausch anregen
*Grundlagen aus Biografiearbeit und Kommunikation
 Kaffeepause zum kollegialen AustauschIhr Nutzen
 Sie wissen, warum und wie welche Faktoren den Austausch in Gruppen befördern
 Sie kennen Grundlagen aus Kommunikation und Biografiearbeit zum Thema Austausch in Gruppen
 Sie lernen Mini-Impulse und unkomplizierte Übungen für (Groß-)Gruppen kennen
 Sie erhalten Kursmaterial zur Weiterarbeit mit Ihren Zielgruppen

Der Nachmittag ist für Ehrenamtliche kostenfrei, andere Teilnehmer zahlen 7 € für das Material, für Kaffee und Kuchen.

Es ist eine Anmeldung nötig – entweder über mich oder direkt in München unter 089/ 2137-4300 oder seniorenpastoral@eomuc.de

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1. Impuls zur Fastenzeit 2019

Gewalt

In den letzten Wochen haben kirchlich Engagierte mit großem Interesse verfolgt, wie im Vatikan über den Missbrauch von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern durch Priester und Bischöfe diskutiert wurde. Wir erfahren tagtäglich von Gewalttaten in unserem Land und überall auf der Welt. Wir erfahren sicher nur einen verschwindend kleinen Bruchteil dessen, was tatsächlich geschieht. „Gewalt hat viele Gesichter“ – so hat es mir mal eine Frau in einem sehr bewegenden Gespräch erzählt. Sie hatte als Kind unter Beschimpfungen, Schlägen, Essensentzug durch ihre Eltern gelitten. Immer dann, wenn etwas unter dem Einsatz von Machtmitteln gegen den Willen oder gegen das Wohl eines anderen Menschen geschieht, spricht die Weltgesundheitsorganisation WHO von Gewalt. Man unterscheidet zwischen körperlicher Gewalt, seelischer Gewalt und struktureller Gewalt (gerade davon haben wir in den letzten Wochen viel und doch zu wenig gehört)

Bei einer Gewalttat sind gleich mehrere Werte berührt: die Unversehrtheit des Menschen, das Selbstbestimmungsrecht des Menschen, das Sicherheitsbedürfnis, das Vertrauen (vor allem, wenn die Gewalt durch nahestehende Menschen geschieht), die Lebensfreude und eine grundsätzlich positive Sicht auf das Leben und die Menschen…

Was hilft den Opfern von Gewalt? In der Situation braucht es jemanden, der einschreitet und die Gewalt unterbindet – etwa die Watschn eines Vaters gegen das Kind. Dann aber auch jemanden, der die Gewalt bezeugt. Carolin Emcke hat ein sehr lesenswertes Buch dazu geschrieben: „Weil es sagbar ist.“ Sie beschreibt darin, wie wichtig es für Opfer ist, dass jemand die Erinnerung an die Gewalt bewahrt und dafür einsteht, um dem Opfer zu glauben. Auch Doris Wagner hat das in ihrem bemerkenswerten Gespräch mit Kardinal Schönborn betont, wie wichtig es ist, dass ihr geglaubt wird und dass jemand dafür Zeugnis ablegt.

Das griechische Wort „Martyria“ bedeutet: „Zeugnis ablegen“. Martyria = „Zeugnis ablegen“ ist eine der wichtigsten kirchlichen Vollzüge (neben der Koinonia (= Gemeinschaft), der Diakonie und der Liturgie). Unter diesem Aspekt können wir (ob als Kirche oder als Einzelne) noch viel mehr tun als bisher. Zeugnis ablegen heißt zunächst ja: Augen und Ohren offen haben für das, was geschieht. Und dann auch den Mund aufzumachen an der Seite derer, die Gewalt erlitten haben. Das wäre der eigentliche Ort von christlicher Kirche.

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