2. Impuls zur Fastenzeit 2019

Krisen

In jedem menschlichen Leben gibt es kleinere und größere Krisen. Sie stellen das bisherige Leben mindestens in Frage. Manchmal werfen sie aber auch das ganze Leben über den Haufen, sodass ein einfaches „weiter so!“ mit einigen wenigen Veränderungen nicht möglich ist. Es gibt viele Auslöser für Krisen: der Verlust eines Menschen oder von Besitz, der Verlust von Lebensträumen oder einer Lebensperspektive, eine Krankheit oder dass bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr funktionieren. Manchmal sind es auch Ereignisse, die von außen auf einen treffen: ein Unfall, Gewalterfahrungen, eine Nachricht …

Immer wieder werden solche Krisen auch zum Stoff für Literatur, seien es die griechischen Dramen, seien es biblische Geschichten oder auch in der modernen zeitgenössischen Literatur. Auch die Märchen erzählen immer wieder von Krisen und ihrer Bewältigung, etwa wenn Menschen ihre Identität finden im Durchleben und Durchleiden einer Krise. Sie zeigen auf, was schon im Wort „Krise“ steckt, das aus dem Griechischen kommt: es ist eine Phase, an der sich scheidet und entscheidet, wie das Leben in Zukunft gehen kann.

Allerdings gelingt eine Krisenbewältigung nur unter Risiko: das bisher Gültige muss aufgegeben  und Neues entwickelt werden. Ob es funktionieren wird, bleibt erstmal offen. So ist Mut erforderlich und auch Zuversicht. Auch Ausdauer und Hartnäckigkeit sind gefordert. Natürlich auch eine Antwort auf die Fragen: „Wie will ich in Zukunft leben? Was soll in Zukunft ein größeres Gewicht bekommen? Was wird zu einem zentralen Wert in meinem Leben werden?“

Die erste Lesung des kommenden Sonntags deutet eine solch existenzielle Krise an (Gen 15). Das zu erkennen, ist ein wenig schwer, weil der Text sehr verdichtet ist. Abram hatte alles Gewohnte verlassen: seine Heimat, seinen von den Vätern übernommenen „Kinder“glauben, auch die bisherigen Verheißungen sind nicht eingetroffen. Das Bild dafür ist die Dunkelheit und die Angst, die Abram befallen. So ist auch bei heutigen Menschen in der Krise die Sicht auf das Leben dunkel und voller Angst. Bei Abram gehen dieses Dunkel und die Angst auch nicht sehr schnell weg. Erst spät werden seine Lebensträume wahr. Er braucht Ausdauer, Zuversicht, Mut und Hartnäckigkeit, bis aus „Abram“ der uns bekannte „Abraham“ wird. Aber gerade damit kann er Mut machen, weiterzugehen in der Krise, bis es am Ende doch eine Lösung gibt.

 

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