Gedanken zum Marienmonat Mai

Morgen beginnt mit dem 1. Mai ein Monat, in dem Maria in den Blickpunkt gerückt wird. Aber welche Vorstellungen von Maria tauchen denn da auf?

Oft ist es die hörende, gehorchende, sich in den Dienst Gottes stellende junge Frau. Manchmal wirkt ihr Bild in den Liedern oder auch Gebeten ein wenig verkitscht. Nicht wirklich attraktiv und anschlussfähig an heutige Vorstellungen weiblichen Lebens. In den verschiedenen biblischen Vormittagen der Fastenzeit sind mir jedoch ganz andere Frauen – darunter auch Maria – begegnet: mutig, selbstbewusst, hartnäckig, beständig.

Maria spielt in den Evangelien nicht die große Rolle wie in der Volksfrömmigkeit. Die Volksfrömmigkeit wiederum erscheint mir sehr geprägt zu sein von der jeweiligen gesellschaftlichen Strömung, dem jeweiligen gesellschaftlichen Frauenbild. Da ist Maria dann die „reine Jungfrau“ oder die „Mutter des Herrn“ oder die gehorsame Dienerin, die alles ohne Widerspruch hinnimmt. So auch das Vor-Bild für die (priesterdominierte) gehorsame Kirche (in der die Frauen und die übrigen Nichtkleriker zu gehorchen haben).

Maria wird in ihrer Widerständigkeit kaum wahrgenommen: dass sie etwa Jesus bremsen und wieder nach Hause (weg von der Öffentlichkeit) holen wollte. Dass sie sich auch wieder zu einem eigenständigen Leben zurückgezogen hat und Jesus nicht auf seinen vielen Wegen nachgefolgt ist. Dass sie (außer bei Johannes) nicht unter dem Kreuz steht, aber dann (in der Apostelgeschichte zusammen mit anderen Frauen) bei den Jüngern zu finden ist.

Vielleicht kann der Mai 2019 dazu dienen, ein „modernes“ Marienbild zu entdecken. Spätestens seit dem Mittelalter machen es uns die Generationen von Gläubigen vor, ihr eigenes Leben im Spiegel Mariens zu sehen und zu deuten. Die eigene Suche hat also Tradition, die Veränderung der Vorstellungen ist lang geübter Brauch in der Kirche.

Maria entdecken als selbstbewusst lebende, eigenständige Frau – auch in der Auseinandersetzung mit Jesus – auch an prominenter Stelle in der Schar der männlichen Apostel – auch in Ergänzung anderer bedeutender Frauen im Gefolge Jesu (Maria von Magdala; Maria, die Mutter des Jakobus; Salome; Johanna; die Mutter der Söhne des Zebedäus).

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