Gedanken zum Pfingstfest 2019

Wir leben in bewegten Zeiten. Viele Veränderungen: gesellschaftlich, politisch, kirchlich, persönlich.

Anlässlich des Pfingstfestes frage ich mich, welcher „Geist“ darin spürbar wird. In der Politik wird grade durch den Rückzug von Andrea Nahles beklagt, dass Menschen fertig gemacht werden, dass man sie persönlich angreift, dass man die offene und sachliche Auseinandersetzung scheut. Gesellschaftlich macht sich auf den asozialen Medien ein Ton von Hass, Neid und Verachtung breit. Kirchlich erleben wir den Kampf von konservativ-bewahrenden Kräften, die sich der drängenden Probleme nicht stellen, sondern Fehler und Unrecht banalisieren oder ganz leugnen.

In all dem entdecke ich nicht den Geist, den Jesus uns als Beistand versprochen hat. Nichts von pfingstlichem Aufbruch, nichts von dem Drang zur Begegnung (statt dessen Abschottung nach innen und außen), nichts vom Mut zum Experiment und Risiko, der die Jünger am Pfingsttag ausgezeichnet hat.

Die Gegenbeispiele finden sich vielfach in den kleinen, meist unbeachteten Vorgängen: Patenschaften für Schwächere, Besuchsdienst bei den Senioren und den Kranken, das freundliche Lächeln im Vorübergehen…

Daneben gibt es auch große Anzeichen: dass sich junge Menschen (wieder) für Politik und Gesellschaft interessieren und für ihre Werte eintreten. Dass Menschen auch unter der Gefahr für die eigene Freiheit, ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen sich für andere einsetzen. Dass viele sehr zuverlässig ihren Beruf ausüben und darüber hinaus ihre „Geistesgaben“ in ihrer Umgebung einbringen.

So ist für mich Pfingsten ein Fest des „noch nicht“ und des „schon“. Noch nicht die verheißene Fülle, aber schon ein Anfang. Noch nicht das, was ich mir von einem „Eingreifen des Geistes Gottes“ verspreche (den es so eh nicht gibt), aber schon verwirklicht in einzelnen und gar nicht so wenigen Menschen. Noch nicht das, was man sich unter „Himmel“ oder „Paradies“ vorstellen mag, aber doch schon besser als das, was es vor 75 Jahren bei uns gab. Noch nicht das gute Leben für alle Menschen auf diesem Planeten, aber doch schon ein Bewusstsein, dass eine Verbesserung in unserer Hand liegen könnte.

So wünsche ich uns allen eine gehörige Portion Heiliger Geist, nicht nur am Pfingsttag, sondern dauerhaft!

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