Monthly Archives: Juli 2019

„Ich will dich doch erreichen“ – ein Buch über Demenz

Gerade lese ich ein Buch mit dem Titel „Ich will Dich doch erreichen“. Geschrieben hat es Rosmarie Maier, examinierte Altenpflegerin und Lehrerin für Pflegeberufe. Sie will mit diesem Buch „Hilfen für Angehörige und Pflegende“ (so der Untertitel) anbieten.

Das Besondere an diesem Buch ist der Blick auf „die vier Ebenen des Schmerzes“: der körperliche Schmerz, der seelische Schmerz, der soziale Schmerz und der spirituelle Schmerz. Unter dem spirituellen Schmerz versteht Rosmarie Maier den Verlust von Lebenssinn, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit, das Gefühl von Verlorenheit in der Welt, den Zusammenbruch des Selbstwertgefühls. Gerade auf diese Ebene legt die Autorin dann großes Gewicht und bringt immer wieder ausgesprochen religiöse Elemente mit ein (etwa das Lied: „Großer Gott, wir loben Dich“ oder „So nimm denn meine Hände“).

Als Hilfe für Pflegende und Angehörige betont sie, wie wichtig ihr es ist, sich mit ihrer eigenen spirituellen Seite zu verbinden im Kontakt mit demenzerkrankten Menschen. So schafft sie es, nicht nur die fortschreitenden Defizite zu sehen, sondern auch das sich entwickelnde Neue. „Es ist Begleitenden häufig verschlossen, dass es ebenso auch um ein Entdeckenlernen dessen geht, was neu entsteht und sich durch den und in dem Menschen mit Demenz offenbaren und wahrgenommen werden will. Dadurch geschieht heilsame Veränderung. Das stellt aus meiner Sicht eine sehr große Herausforderung dar: die Trauer und Belastung zu empfinden und zugleich wachsam und empfänglich zu bleiben für den sich verändernden Menschen mit Demenz.“ (S. 97)

Rosmarie Maier beschreibt in ihrem Buch immer wieder, wie sehr sie selber von demenzkranken Menschen in die Spiritualität hinein geleitet wurde – und das aus einer großen Distanzierung von der Prägung im katholischen Glauben heraus. Sie schildert anschaulich verschiedene Begegnungen und deutet sie auf den spirituellen Untergrund hin. Im letzten Teil gibt sie auch konkrete Anregungen, wie Demenzerkrankten ein geistliches Leben ermöglicht werden kann.

Das alles war für mich als Seelsorger bekannt und vertraut. Für mich überraschend war jedoch, wie stark die Autorin die Bedeutung des Körperkontkats betont – natürlich voller Respekt vor dem Demenzkranken. Der Körperkontakt etwa beim Handhalten oder bei der Berührung des Oberarmes unterstreicht ihrer Ansicht nach den Kontakt durch Blick oder Wort. Sie verstärkt ihre „Präsenz auch auf einer körperlichen Ebene“ (S. 130). Das kann ich mir auch vorstellen, auch wenn ich selbst dabei viel zurückhaltender bin. Den Unterschied macht wohl die eigene Persönlichkeit aus und die Art der Beziehung zwischen dem Demenzkranken und seinem Besucher/ Angehörigen/ der Pflegeperson/ dem Seelsorger. Gerade durch die familiäre Prägung kann ein Körperkontakt erschwert und belastet sein. Das beschreibt auch Frau Maier und ermutigt dennoch dazu, es auszuprobieren.

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„Endlich wieder Sommer“ – Lesung der Biografischen Schreibgruppe

Unter dem Titel „Endlich wieder Sommer“ veranstaltet die Biografische Schreibgruppe von Inge Finauer eine Lesung. Bei diesem Nachmittag gibt es Geschichten aus dem Buch „Gelebtes Leben – 99 biografische Geschichten“ sowie neue Erzählungen. Verfasst wurden sie alle von Menschen aus unserer Region und berichten vom Leben in früheren Zeiten. So werden bei den älteren Zuhörern eigene Erinnerungen geweckt und bei den jüngeren ein Staunen darüber, wie unterschiedlich das doch früher war.

Die Autorenlesung findet statt am Dienstag, den 23. Juli 2019 um 14.00 Uhr beim Holzmannwirt in Oberneukirchen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, der Unkostenbeitrag beträgt 3,00 €, das erwähnte Buch kann dort ebenfalls erworben werden.

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Besuch im Heimatmuseum Ampfing

Gestern waren wir im Heimatmuseum Ampfing. Wir: das waren Teilnehmer des Verwitwetenkreises „Zusammen ist man weniger allein“ in Neumarkt-St. Veit. Frau Gerlinde Aumann hat uns als Leiterin des Heimatmuseums mit ihren Mitarbeitenden freundlich begrüßt und uns als erstes einen Überblick auf die nun schon fast 20-jährige Geschichte des Museums gegeben. Wie mühsam waren die Anfänge mit Überzeugungsarbeit und dann auch mit Renovierungsarbeiten!

Frau Aumann hat sich dann speziell auf unsere Gruppe eingestellt und über Trauerriten von früher erzählt. Die begannen mit der Aufbahrung im eigenen Wohnhaus (was ich von München her, wo ich aufgewachsen war, gar nicht kannte). Auch über Beileidsbezeugungen am Grab oder die Trauerkleidung haben wir gesprochen – verwoben natürlich mit den je eigenen Erinnerungen. Sichtbar wurde der Wandel der Zeiten in den Sterbebildern. Früher wurden ganze Serien gedruckt, dann kam der Farbdruck dazu, dann Motive, die nicht ausgesprochen christlich waren.

Im Anschluss daran führte uns die Gruppe der Mitarbeiter durch die verschiedenen Räume. Wir konnten eine ganze Sammmlung alter Schreibmaschinen bestaunen, Kleidung anschauen und Spielzeug, etwa eine ganze Wand voll mit Puppenstuben oder Stofftieren. Immer wieder hat jemand gesagt: „Das kenne ich noch von früher!“ oder „Damit hab ich auch gespielt!“ Auch Schulmaterial wie Schiefertafel und Setzkasten haben wir gesehen. In einer Vitrine fand sich eine ganze Sammlung von Kaffee- und Mokkatassen, die man früher als Geschenk überreicht bekam.

Ein Raum war dem religiösen Brauchtum gewidmet mit Erstkommunion, Hochzeit, dem Jahreskreis von Weihnachten bis Erntedank. Natürlich gab es auch eine Küche mit den entsprechenden Geräten zu bestaunen. Am eindrücklichsten fand ich jedoch den alten „Kolonialwarenladen“, der noch in weiten Teilen originalgetreu zu sehen ist. Verschiedene Kassen und Waagen, Lebensmitteldosen,  Stoffe, Kurzwaren, Damenstrümpfe, Unterwäsche sowie ganze Topfserien.

So waren 2 1/2 Stunden schnell vergangenund wir sind voller Eindrücke, die die Erinnerung an eigene frühere Zeiten hervorgerufen haben, wieder heimgefahren.

Wer sich genauer informieren möchte: hier ist der Link dazu: http://www.isentaler-ampfing.de/media/84e5cba9de4b1207ffff9f30ffff8e64.pdf

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Gedanken zum Thema „Suizid“

Gestern hat ein Gericht zwei Ärzte freigesprochen vom Vorwurf, Patienten nicht geholfen zu haben, die ihr Leben nach großen und langandauernden Schmerzen freiwillig beendet hatten.

Ich habe gestern mal in die bundesdeutsche Statistik hineingeschaut. Ich wollte herausfinden, wie viele Menschen sich jährlich suizidieren. Dabei bin ich erschrocken. Denn die Statistiken zeigen, dass sich mit zunehmendem Alter immer mehr Menschen das Leben nehmen. Im Alter von 60 – 64 Jahren sind es ca. 15 Menschen pro 100 000 Einwohner. Diese Quote steigt dann an auf etwa das Doppelte im Alter von 85 – 89 Jahren und etwa genauso viele im Alter von über 90 Jahre. Diese Zahlen bewegen sich über die Jahre 2012, 2014 und 2016 auf annähernd gleichbleibendem Niveau.

Ich kann mir wohl vorstellen, dass unheilbare Krankheiten und/ oder starke dauerhafte Schmerzen den Wunsch, zu sterben, hervorrufen und verstärken. Zumal wenn sie – wie in der Presse über die konkreten Fälle berichtet wird – die Lebensqualität einschränken. Gerade das aber wirft bei mir Fragen auf: Was bedeutet „Lebensqualität“? Woran bemisst sie sich? Ist es möglich, dass sich diese Sichtweise verändert unter der Erfahrung von Einschränkungen?

Ich kann mir auch vorstellen, dass Schmerzen und unheilbare Krankheit nicht der einzige Grund für einen Suizid im hohen Alter ist. Vielleicht ist es auch die Erfahrung von Einsamkeit oder der Verlust eines Lebenssinnes oder das Gefühl, dem Leben keine schönen Seiten mehr abgewinnen zu können. Oder … oder … oder …

Dann lenke ich meinen Blick auch auf die Angehörigen und Freunde, Nachbarn etc. Was bedeutet ein Suizid für sie? Auch sie werden viele Fragen haben. Und Schuldgefühle. Und Ratlosigkeit. Haben wir was übersehen? Hätten wir was tun können? Was hatten wir für eine Beziehung, dass dieser Schritt erfolgt ist?

Als drittes blicke ich auf uns als Gesellschaft. Das Thema „Suizid“ ist weitgehend tabuisiert. Schambesetzt. Es ist schwer, darüber zu reden – ganz gleich, aus welcher Perspektive.

Wir spüren eine Grenze. Die Grenze des Sagbaren, die Grenze des Hörbaren, die Grenze des Spürbaren. Ich möchte einladen und bitten, sich tastend an diese Grenze heranzuwagen.

Vor Jahren habe ich mal ein Buch gelesen von Anne Christ-Friedrich: „Der verzweifelte Versuch, zu verändern.“ Dieses Buch betrachtet den Suizid aus der Perspektive eines Lösungsversuches und bringt so eine komplett andere Sichtweise ein. Der Mensch sucht eine Lösung für eine bestimmte Lebenssituation. Seine Strategie zur Veränderung hat „Erfolg“ – allerdings zu einem hohen Preis: dem Preis des Lebens. Vielleicht gäbe es andere Lösungsmöglichkeiten. Aber die kommen nicht (mehr) in den Blick.

Unter Umständen, vielleicht, möglicherweise (da bin ich jetzt sehr vorsichtig) eröffnen sich Perspektiven im tastenden, mutigen, sich den Grenzen anähernden Gespräch – persönlich, gesellschaftlich, kirchlich?

 

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Pflegebedürftige vor Hitzegefahren schützen – Tips des ZQP

Ich habe einen Hinweis des „Zentrums für Qualität in der Pflege“ (ZQP) bekommen, den ich angesichts der großen Hitze auch gerne weitergebe:

Heiße Sommertage können für ältere und pflegebedürftige Menschen besonders anstrengend und sogar gefährlich sein. Das liegt daran, dass sich der Körper im Alter schlechter an hohe Temperaturen anpasst. Schwere gesundheitliche Probleme können die Folge sein.

Weil ältere Menschen weniger Durst verspüren, trinken sie oftmals nicht genügend. Bei hohen Temperaturen kommt es dann schnell zu Flüssigkeits-Mangel. Das betrifft vor allem alleinlebende Personen und Menschen mit Demenz. Hinzu kommt, dass ältere Menschen mitunter nicht richtig schwitzen. Dadurch steigt die Körpertemperatur. In der Folge kann es zu Verwirrung, Fieber und starker Erschöpfung kommen (sogenannte Hitzeerschöpfung).

Aber auch vermehrtes Schwitzen, Trinken oder Wasserlassen – etwa aufgrund von Medikamenten – kann Verschiebungen im Wasser-Salz-Haushalt des Körpers auslösen.

Das kann zu vermehrter Schwäche, Schwindel oder Kreislauf-Problemen führen und sogar tödlich enden. Gezielte Maßnahmen helfen, pflegebedürftige Menschen vor gesundheitlichen Gefahren durch Hitze zu schützen.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat daher praktische Tipps zusammengestellt, die sich vor allem an pflegende Angehörige in der häuslichen Versorgung richten.

Ausführlichere Tips gibt es unter: www.pflege-praevention.de

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