Die Ernte der Lebensschätze

Gestern vormittag habe ich einen besinnlichen Vormittag in Niederbergkirchen angeboten unter dem Titel „Die Ernte der Lebensschätze“. Dagmar Thienel vom „Haus der Familie“ hatte uns wieder eine wunderbare Mitte gestaltet mit verschiedenen Früchten, Zapfen und sogar einem Vogelnest. Schon das allein hatte uns zum Nachdenken und zum Erinnern angeregt.

Ich selber hatte dann eine Schatzkiste dabei – zunächst verschlossen. Die Frauen und Männer vermuteten, dass etwas Wertvolles und Kostbares darin sei. Eine hatte dann auch den Mut, hineinzuschauen. Dabei die Überraschung und wohl auch ein bisschen Enttäuschung: die Schatzkiste war leer. Wir haben das verglichen mit dem Anfang des Lebens, wie es der Prophet Ezechiel im 16. Kapitel beschreibt: ein kleines Baby, nackt, bloß, hingeworfen und ausgesetzt in der Wüste. Nichts zu sehen und zu spüren von einem „Lebensschatz“.

Auf diesem Hintergrund wurde uns bewusst, was wir als Schatz mitbekommen haben: ein Willkommen, ein Gewünschtsein, ein Versorgtwerden mit Essen, Trinken, Sauberkeit. Später kamen dann Kindergarten (oder auch der Aufenthalt im Luftschutzkeller als negatives Beispiel) dazu – und die Schule. Darin verwirklichte sich für unser jetziges Leben, was im Buch Ezechiel Gott zu diesem kleinen Mädchen sagt: „Bleib am Leben!“ Gott versorgt dann dieses kleine Kind und kümmert sich darum, dass es groß wird und „strahlend schön“. zu

Es gibt im Leben aber auch die Erfahrung, dass man Schweres wie ein Stein aufgeladen bekommt: eine Krankheit, ein Unfall, ein Konflikt. Für andere Erfahrungen war eine Scherbe das passende Symbol: ein Verlust, eine Krise mit dem Zerbrechen von Lebensvorstellungen, das Zerbrechen von Beziehungen …

Einer der Teilnehmer hat uns darauf hingewiesen, dass es bestimmt auch Kostbares, Wertvolles, Schätze im Leben gibt, die wir noch gar nicht wahrgenommen haben. So haben wir unseren Blick auf die Kostbarkeiten des je eigenen Lebens gerichtet und dadurch den Horizont der anderen erweitert.

Wir haben dabei in die immer noch leere Schatzkiste die Schätze des eigenen Lebens hineingelegt: Herzen für gelungene Beziehungen (etwa in der Familie), eine Kerze für manchen Lichtblick in schwerer Stunde, auch Scherben und Steine. Das waren zwar schwere Erfahrungen, aber doch auch hilfreich zur neuen Ausrichtung, zum Überdenken von Werten, für die Erfahrung von Solidarität und Unterstützung. Auch der Glaube ist für die Teilnehmenden ein Schatz gewesen: der Glaube an einen liebenden Gott, der die Menschen begleitet mit seinem Segen. Und so ein Segen stand dann auch am Ende dieses intensiven und teilweise sehr persönlichen Vormittags.

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