5. Impuls zur Fastenzeit 2020

Für die Impulse zur Fastenzeit 2020 nehme ich die alttestamentlichen Lesungen des diesjährigen Lesejahres A her. Vielleicht ist das ein kleiner Ersatz für die wegen des Corona-virus ausfallenden Gottesdienste.

Die Lesung (1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b) regt sehr zum Nachdenken an.

Der erste Halbvers des 16. Kapitels ist in der heutigen Lesung weggelassen worden. Vielleicht weil er zu anstößig ist? Da heißt es nämlich, dass Gott den Saul „verworfen“ habe. Unmittelbar vorher heißt es im 15. Kapitel, dass Saul umgekehrt Gott verworfen habe, d.h. er hat sich gegen Gott verhalten.

Da bereut Gott, den Saul zum König gemacht zu haben (1 Sam 15,11). Und das heißt auch: Gott macht Fehler!

Ich stolpere über das Wort „verworfen“. Im Hebräischen heißt es: jemanden als unwürdig ansehen; etwas widerrufen. Saul widerruft sein Bekenntnis zu Gott und Gott widerruft das Königtum Sauls. Denn der hatte sich ein Denkmal setzen lassen für seine ruhmreichen Taten. Vielleicht ein Menetekel für alle, die sich was auf „ihre“ Taten einbilden, etwa wenn manche Politiker sagen: „Ich habe das und das gemacht!“ (und nicht der Stadtrat, der Landtag, der Bundestag etc.).

Gott „verwirft“ auch alle sieben Brüder Davids, d.h. in seinen Augen sind sie nicht für das Königsamt geeignet.

Nur der Jüngste, der Schafhirte, ist der Geeignete.

 

  • Wer eine Herde zusammenhalten kann, kann wohl auch ein Volk zusammenhalten.
  • Nur wer Bodenhaftung hat, ist für Führungsaufgaben geeignet. (Die Bodenhaftung ist ausgedrückt in seiner rotbraunen Haarfarbe, die im Hebräischen das Wort für „Erde = adamah“ enthält. Unsere Übersetzung sagt wenig glücklich und eher unserem „Schönheitsideal“ verpflichtet, er sei „blond“.)
  • Nur wer ein Herz hat, ist für eine Leitungsfunktion geeignet. Das hebräische Wort „leb“ umfasst emotionale, verstandesmäßige, moralische und spirituelle Qualitäten.

So wird unser heutiger Text auch zur Herrschaftskritik, zur Kritik an heutigen Herrschern, die eher spalten als zusammenhalten, die sich für die Größten halten, die kein „Herz“ für die Menschen dieser Welt (und nicht nur ihres Landes oder ihrer Klientel) haben.

 

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