Zur Gerechtigkeit Gottes

In der Lesung des kommenden Sonntag (Röm 5, 6-11) schreibt Paulus, dass wir gerettet sind, weil wir durch Jesus mit Gott versöhnt sind. Das findet nicht erst nach unserem jetzigen Leben statt, sondern bereits heute – hier und jetzt. Und zwar nicht deswegen, weil wir irgendwelche herausragenden Sachen gemacht haben, sondern „als wir noch Sünder waren“ (v8).

Für mich liegt darin eine große Entlastung. Wir müssen nicht (und können ja auch gar nicht) perfekt sein. Wir müssen uns noch nicht mal großartig anstrengen. Sondern wir leben bereits jetzt in der Güte und Barmherzigkeit Gottes und dürfen die auch genießen. Aus dem Bewusstsein heraus, dass wir jetzt schon erlöst sind, sind wir frei von allem Stress. Gott macht uns da (im Gegensatz zu manchen Menschen) keinen Druck. Und es stimmt ja auch: wir können uns das Himmelreich nicht verdienen. Es gibt ja immer etwas, was uns nicht so gelungen ist, wo wir hätten besser sein können, wo wir Fehler gemacht haben, manchmal sogar mit Absicht.

Die Erlösung ist eines der häufigsten Themen in meinen Glaubensgesprächen. In einem dieser Gespräche hat vor vielen Jahren mal ein Mann in einem Seniorenheim gesagt: „Gott gibt jedem das, was er am meisten braucht.“ Das ist bei vielen/ allen: Gnade, Gunst, Vergebung, Vollendung. Vielleicht auch Leidempfindlichkeit, Sensibilität für das, was man anderen angetan hat. Das wäre also keine „billige“ Gnade, eher ein schmerzhafter Prozess. Besonders dann, wenn es sich um schwerwiegende Taten handelt wie etwa Gewalt gegen andere.

Aber schon jetzt im Bewusstsein zu leben, dass wir durch Gott vollendet werden, könnte Freiheit schaffen, die man zum Lebensförderlichen für alle verwendet. Dann hätte man sich zwar nicht das Himmelreich verdient, aber jetzt schon ein kleines Stück „Himmel auf Erden“ geschaffen.

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