Alleinsein und das Bedürfnis nach Kontakt

Die Corona-Pandemie legt in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens offen, wo es Schwierigkeiten gibt, wo Konfliktpotenzial herrscht, wo Handlungsbedarf besteht.

Ein Bereich, der mir in meiner Arbeit als Seelsorger am häufigsten begegnet, ist das Bedürfnis nach Kontakt.

Manchmal führe ich sehr lange Telefongespräche, die meisten nicht einmal problembelastet. Es wird eine unglaubliche Lust und Freude am Gespräch spürbar, völlig unabhängig von irgendeinem „Thema“. Das wandert manchmal hin und her, von einem zum nächsten und dann zum dritten. Hauptsache: Reden können! Hauptsache: jemand hört mir zu! Hauptsache: Mein Alltag bekommt einen Farbtupfer!

Manchmal erfahre ich über andere, dass Menschen eine Sehnsucht haben nach Kontakt, nach Gespräch. Und wenn es „nur“ ein winzig kleiner Wortwechsel ist. Aber das ist dann schon viel mehr als das übliche Alleinsein.

Manchmal sind es ganz „banale“ Gespräche – und erst hinterher geht mir auf, dass es für mein Gegenüber gar nicht „banal“ war, sondern basal, grundlegend, existenziell.

Vielleicht wissen Sie jemanden in Ihrer Nachbarschaft, dem ein Besuch gut täte – und der selbst nicht in der Lage ist, auf andere Menschen zuzugehen. Vielleicht weil er/ sie mobilitätseingeschränkt ist. Oder weil er/ sie es nie gelernt hat. Oder weil … (Die Gründe sind ja eigentlich egal).

So, wie es Menschen gibt, die auf einen Kontakt warten, so gibt es auch Menschen, die zum Kontakt bereit sind. Etliche haben den Besuchsdienstkurs mitgemacht, den wir jedes Jahr im Herbst anbieten. Etliche tun es ohne eine solche Ausbildung. Die Kunst ist, die einen mit den anderen zusammen zu bringen. Dafür ist es schon hilfreich, Augen, Ohren und Herzen aufzumachen und die Umgebung wach wahrzunehmen. Oder (wenn Sie im Dekanat Mühldorf wohnen), Sie kontaktieren mich. Dann sehen wir weiter. Und finden einen Weg.

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