Propheten

Eine kleine Einführung

In unserem heutigen Sprachgebrauch sind Propheten Menschen, die die Zukunft voraussagen können. Das entspricht aber nicht dem biblischen Verständnis.

Im Ersten Testament gibt es mehrere Bezeichnungen für das, was „Prophet“ meint: der Mann Gottes – der Seher – der Prophet.

Meistens ist von Männern die Rede (kein Wunder bei der von Männern dominierten Welt damals), es gibt aber auch Frauen mit prophetischer Begabung (z. B. Hulda).

Sie alle eint, dass sie im Auftrag Gottes auftreten und eine Botschaft Gottes weitersagen. Oft (aber nicht immer) wird es mit der „Botenformel“ eingeleitet: „Das Wort des Herrn erging an …“

Der Inhalt der Botschaft ist sehr unterschiedlich. Mal ist es ein Trost, mal ist es eine Zusage, dann auch wieder Kritik oder Drohung.

Trost und Zusage richten sich oft an sog. „kleine Leute“, etwa Witwen oder Kinderlose. Drohungen betreffen immer wieder (neben den Herrschenden) auch das ganze Volk.

Propheten stehen immer in einer kritischen Distanz zu den Herrschenden. Sie haben meist die gesellschaftlichen und die politischen Verhältnisse im Blick. Da sehen sie auch Entwicklungen kommen – etwa dass der persische König Kyrus stark wird und dadurch die babylonische Gefangenschaft zu Ende geht.

Sie erleben soziale Ungerechtigkeiten und erkennen die Schieflage, in die die Gesellschaft gerät. So treten vor allem die Propheten Amos, Micha, Sacharja etc. als Mahner auf.

Die Form ihrer Botschaft ist ebenfalls sehr vielfältig. Mal sind es einfache Worte, mal sind es Geschichten, mal sind es Visionen und Träume, mal sind es Trostworte und dann auch wieder „Weherufe“. Und dann gibt es auch noch Zeichenhandlungen wie etwa die Hochzeit mit einer Dirne, eine Namensgebung, die Verwendung von Symbolen wie etwa ein Holzscheit.

Der Gott, den alle diese Propheten verkünden, ist immer ein Gott, der am Leben der Menschen interessiert ist. So legt Gott durch die Propheten immer den Finger in die Wunde, wenn Leben in Fülle gefährdet oder bedroht ist; weist Wege aus einer Sackgasse heraus, in die die politischen Führer das Volk geführt haben; gibt eine Perspektive in aussichtslosen Situationen (etwa dem Exil); führt auch die Propheten selbst durch Scheitern und Versagen hindurch und lässt sie neue Gotteserfahrungen machen, lässt sich selbst neu und anders erfahren.

Propheten sind übrigens nicht mit Johannes dem Täufer (der oft als letzter Prophet bezeichnet wird) ausgestorben. In der Urkirche gab es neben vielen anderen Aufgaben und Diensten eben auch die Propheten (1 Kor 12).

Vielleicht auch heute? Immerhin heißt es in Apg 2, 17 als Zitat von Joel 3, 1-5: Eure Söhne und Eure Töchter werden prophetisch reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und Eure Alten werden Träume haben.

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