Erntedank 2020

Jetzt steht wieder das Erntedankfest an. Oft wird es in einer eher traditionellen, von der bäuerlichen Lebenswelt geprägten Weise gefeiert mit einem Altar, der mit Obst, Gemüse, Blumen geschmückt ist.

Mir drängen sich jedoch auch andere Bilder auf: Menschen, die ihre Arbeit verloren haben im Zuge der Corona-Pandemie; Menschen, die ihre Gesundheit verloren haben; Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben (etwa im Flüchtlingslager Moria und vorher schon bei der Flucht); Menschen, deren Lebensgrundlage durch den Klimawandel bedroht ist; usw.

Wir feiern Erntedank ebenfalls im Zeichen des Klimawandels. Die Ernten fallen geringer aus wegen der langen Trockenheit auch in Deutschland. Und dennoch haben wir viel und ausreichend zu essen. Die Schließung großer Lebensmittelbetriebe macht sichtbar, wie fragil das ganze System ist – und wie verwoben unsere Wirtschaft ist mit anderen Ländern und den Arbeitskräften von dort. Auch im Pflegebereich konnten etliche Pflegerinnen nicht aus dem nahen Ausland einreisen, um hier in Deutschland die Senior*innen und die Pflegebedürftigen zu versorgen.

Dennoch feiern wir Erntedank – und das mit gutem Grund: Gerade diese ganzen Schattenseiten machen sichtbar, wie sehr wir global denken müssen. Wie sehr wir miteinander vernetzt sind im Lebenshinderlichen wie auch im Lebensförderlichen. Wie sehr wir eigentlich in der Verbindung untereinander die Grenzen überwinden könn(t)en.

„Danke“ sagen – etwa Gott – für das, was wir zum Leben haben, hat also auch die zweite Seite der Verantwortung. Und auch dafür hat uns Gott die ausreichenden Mittel gegeben mit unseren Talenten, mit unserem Verstand, mit unserem Herzen, das sich an den Menschen orientiert und nicht nur an Zahlen und Beträgen.

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