Category Archives: Allgemein

Zum 3. Advent 2017

In einem Buch von Verena Kast (Schöpferische Kraft entdecken – Vom Interesse und vom Sinn der Langeweile) habe ich folgenden Gedanken gefunden:

„… das Warten gibt uns zusätzlich ein Gefühl der langen Weile. Je länger wir warten, desto größer werden die Erwartungen an die Welt. Was wir erwarten, ist etwas ganz Entscheidendes, das die Endlichkeit des Menschen weit übersteigt. Wir erwarten etwas Grundsätzliches, das das eigene Leben von Grund auf verändert und es lebendiger, sinnvoller macht.“

 

 

Ich überlege, wie das mit dem Warten auf Weihnachten ist. Im Unterschied zu Simeon und Hanna warten wir heute nicht mehr auf etwas Unbestimmtes und Unterminiertes hin. Heutiges adventliches Warten hat ein konkret definiertes und zeitlich festgelegtes Ziel: Der heilige Abend am 24. Dezember (und vielleicht noch das Weihnachtsfest am 25. Dezember). Aber was wir da erwarten, ist wohl nicht „etwas ganz Grundsätzliches, das das eigene Leben von Grund auf verändert…“ Es wäre wohl auch etwas viel verlangt, wenn das Entscheidende grade in der Heiligen Nacht geschähe.

Die Heilige Nacht könnte uns aber (könnte uns vielleicht) darauf hinweisen, dass sich diese grundsätzliche Veränderung hin zu mehr Leben und Sinn durchaus ereignen kann. Aber wann? Aber wie? Aber durch wen angestoßen? Aber wie in seinen Anfängen spürbar?

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Eine Wintergeschichte

Ein alter Mann sah eine Frau weinend im Schnee sitzen: Besorgt ging er zu ihr fragte, ob ihr etwas fehle.

„Ach“, sagte die Frau „ich weine über mich und mein Leben und über das was ich schon alles verloren habe: meine Schönheit, die verblüht ist; meine Lebendigkeit, die immer mehr nachlässt und über meinen verstorbenen geliebten Mann. Gott ist grausam! Er hat mir die Erinnerung gegeben und so denke ich immer wieder an den Frühling meines Lebens zurück. So sehe ich beständig, was ich nicht mehr habe.“

Der alte Mann hatte die Klagen der Frau genau gehört. Er blickte jedoch lächelnd auf das mit Schnee bedeckte Feld vor ihnen. Die Frau folgte seinem Blick und seinem Lächeln und fragte ihn, was er denn da sehe und was ihn so erheitere.

„Eine Wiese voller Frühlingsblumen sehe ich“, antwortete der Mann. „Gott war so gnädig, als er mir die Gabe der Erinnerung gab. Er wusste, dass ich mich im Winter wieder an den Frühling erinnern kann.“

 

 

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Ausbildung zum Hospizbegleiter

Der Anna Hospizverein bildet wieder Menschen aus, die als Hospizbegleiter Menschen in ihrer schweren Lebenszeit unterstützen. Damit die Interessenten sich besser auf diese wichtige Aufgabe einstellen können,  veranstaltet der Hospizverein am 13. Dezember um 18.00 Uhr in den Geschäfträumen des Anna Hospizvereins in der Krankenhausstr. 1a EG einen Informationsabend.

Am 13. und 20. Januar 2018 findet dann ein Grundkurs statt, bei dem der Umgang mit Trauer, die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und auch Informationen über die hospizlichen und palliativen Strukturen in der Region vermittelt werden.

Wer weitere Informaritnen braucht oder sich anmelden will, kann dies unter der Nummer 08631/ 1857-150 beim Anna Hospizverein tun.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Zum 2. Advent 2017

Fast gleich alt wie Jesus – und doch eine Gestalt des Advent. Von ihm erfahren wir in den Lesungen nahezu ausschließlich in dieser Vorweihnachtszeit. Sehr bekannt ist auch die Darstellung von Matthias Grünewald mit dem überlangen ausgestreckten Finger. Mit diesem Fingerzeig öffnet er den Menschen die Augen und Ohren und das Herz für den anderen.

Johannes ist ein lebendiges Beispiel für einen Menschen, der sich selbst wichtig, aber nicht zu wichtig nimmt. Der was zu sagen hat und doch nicht das letzte Wort haben muss. Der in der Öffentlichkeit auftritt und dann auch wieder in den Hintergrund zurückzutreten vermag.

Vor allem ist Johannes einer, der etwas erwartet. Der etwas vom Leben erwartet, der etwas von Gott erwartet. Und zwar nichts Geringes: dass Gott in unsere Welt kommt und diese Welt „heil“ macht, heilt und heiligt. Er erwartet das auch noch, als seine ganz persönliche Welt alles andere als heil ist: voller Konflikte, voller Auseinandersetzungen, bis hinein ins Gefängnis und den Tod. Seine – Johannes´- Vorstellungen von „Heil“ waren wohl größer als es dieses Leben ist.

Matthias Grünewald zeigt das auch in seinem Isenheimer Altar. Der Johannes mit dem langen Zeigefinger deutet nämlich auf den Gekreuzigten. Das entspricht zwar nicht den biblischen Zeugnissen, trifft aber die theologische Aussage: im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung (wie die Kirche am Karfreitag singt). Und auch in manchen Krippendarstellungen finden wir schon das Kreuz im „Herrgottswinkel“ des Stalles zu Bethlehem.

Damit will ich nicht das Leiden glorifizieren. Man muss den Finger in die Wunde legen, es gehört angeprangert und bekämpft. Die Kraft dazu kann jedoch daraus kommen, dass man weiter schaut und so der göttlichen Zusage (wenigstens im kleinen Rahmen, wenn der größere nicht möglich ist) Raum verschafft.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Zum 1. Advent 2017

Im Neuen Testament gibt es zwei Personen, die dem Advent zugerechnet werden können.

Es sind zwei Senioren.

Sie sind deshalb adventliche Menschen, weil sie auf das Kommen des göttlichen Heiles warten.

Mit Senioren habe ich überlegt, was „Heil“ bedeuten könnte. Es kamen Antworten wie: „Gesundheit“ – „dass es mir gut geht“ – „dass ich was zum Essen habe und ein Dach über dem Kopf“ – „Zufriedenheit“ – „eine gute Gemeinschaft“. Das waren alles sehr praktische, am konkreten Leben der Senioren orientierte Antworten. Erst spät kamen Antworten wie „Frieden in der Welt“ oder „Gerechtigkeit“. Noch später kam: „das Leben nach dem Tod“ oder „Gott“.

„Heil“ hat also für Menschen, die eher in bescheidenen Verhältnissen leben, gar nichts oder jedenfalls nur wenig mit etwas Großartigem zu tun. Es hat auch nur wenig mit etwas ausdrücklich Spirituellem zu tun. Das müsste eigentlich unsere – der Theologen und Seelsorger – Sprache von Gott verändern. Auch unser Handeln als Boten des Heiles müsste sehr viel konkreter und praktischer werden: die Basisbedürfnisse der Menschen im Blick haben und auf dieser Ebene für „Heil“ sorgen.

Übrigens: Sie haben sicher erkannt, wer die beiden Senioren aus der Bibel – genauer dem Lukasevangelium – sind:

Richtig: Simeon (der oft „der greise Simeon“ genannt wird) und die 84-jährige Prophetin Hannah, die beide täglich im Tempel auf das Kommen des Heils und der Erlösung warteten.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

9. Besuchsdienstkurs beendet

Gestern ist unser 9. Besuchsdienstkurs zu Ende gegangen. Neun Frauen haben sich über acht Wochen hinweg darauf vorbereitet, im Krankenhaus oder in Seniorenheimen Menschen aufzusuchen, die in einer für sie schwierigen Lage sind. Wenn das Leben durch eine kleine oder noch mehr durch eine große Erkrankung aus den Fugen gerät, hilft es ein wenig, wenn jemand zuhört, die Ängste teilt und Beistand vermittelt. Wenn das Leben durch den Umzug in ein Seniorenheim eine radikale, oftmals ungewünschte Veränderung erfährt, freut man sich, wenn jemand diese Lebensphase begleitet und immer wieder für abwechslungsreiche Lichtblicke sorgt.

Besonders freut es mich, dass drei Frauen in ihrer Pfarrei einen häuslichen Besuchsdienst aufbauen wollen. Auch dort gibt es nämlich Einsamkeit und das Bedürfnis, nicht vergessen zu sein, vielmehr noch irgendwie zur Dorfgemeinschaft dazu zu gehören. Da ist die Verbindung über den Besuchsdienst absolut notwendig, um über das Erzählen am Leben teilzuhaben. Auch umgekehrt sind die Besucher dann diejenigen, die den Bewohner daheim und seine Lebenssituation im Bewusstsein der Gemeinde halten, an sie/ ihn erinnern und auch u. U. für sie/ ihn beten.

So wünsche ich allen – Besuchern wie Bewohnern oder Kranken – viel Freude, Vertrauen und hilfreiche Begegnungen.

P.S. Zum Vergrößern einfach in das Foto klicken, dann sieht man auch alle Personen

Leave a Comment

Filed under Allgemein

WEG AUS DER GEWALT – internationaler Tag gegen Gewalt gegenüber Frauen

Am 25. November findet alljährlich der Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen statt. Gerade in diesem Jahr hat die sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen stark an Aufmerksamkeit gewonnen. Dadurch wächst – hoffentlich! – auch bei uns Männern die Sensibilität dafür, was geht und was nicht geht.

In der letzten Zeit treffe ich aber auch verstärkt auf andeutende Erzählungen von Seniorinnen über Gewalt (manchmal auch sexualisierte Gewalt), die ihnen in früheren Jahren, etwa im Zuge des Krieges, bei Vertreibung und Flucht angetan wurde. Diese traumatischen Erfahrungen wurden ebenfalls lange verschwiegen – zu beschämend waren die Erlebnisse, zu beschämend vielleicht auch die Reaktionen der ersten Zuhörer. Jetzt – im hohen Alter- drängen sie jedoch manchmal dazu, erzählt zu werden und dann auch erinnert zu werden und bezeugt.

Beschämend vor allem für uns Männer, beschämend, was Männer Frauen angetan haben und antun.

Gerade die Seniorinnen können bezeugen, dass jede Form von Gewalt, insbesondere aber sexualisierte Übergriffe, eine Langzeitwirkung haben und damit keine Banalität darstellen. Vielleicht bräuchte es viel mehr Seniorenseelsorgerinnen, die dafür ein offenes Ohr und ein offenes Herz haben, denen die älteren Frauen mehr vertrauen als den männlichen Seelsorgern. Auf jeden Fall brauchen sie Zuhörer(innen), die verstehen wollen, was vielleicht unverstehbar ist.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Gelebtes Leben – 99 biografische Geschichten

„Gelebtes Leben“. Dieser Begriff lässt Vergangenes anklingen.

„Gelebtes Leben“ meint aber auch: das Leben wurde aktiv gelebt und nicht nur erlitten.

„Gelebtes Leben“ lässt auch einen großen Reichtum erahnen, Reichtum an Erfahrungen, Bewältigungen, Begegnungen, Beziehungen.

„Gelebtes Leben“ will erinnert werden, will erzählt werden, will bezeugt werden.

„Gelebtes Leben“ wird in den Biografieschreibkursen von Inge Finauer erzählt und niedergeschrieben. Aus diesen Kursen ist ein kleines Buch entstanden unter dem Titel „Gelebtes Leben – 99 biografische Geschichten.“ Dieses Buch wird in einer Lesung präsentiert und das Katholische Kreisbildungswerk lädt dazu ein. Der Termin zu dieser (übrigens kostenlosen) Veranstaltung ist am  Freitag, der 8. Dezember um 19.00 Uhr in der Stadtbücherei in Mühldorf. Dort kann das Buch auch für 9,90 € erworben werden.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Fachtag „Demenz“ des Landratsamtes Mühldorf

Am 30. November veranstaltet das Gesundheitsamt im Landratsamt Mühldorf in Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Senioren den Informationstag „Leben mit Demenz“ – Entlastungs- und Unterstützungsangebote im Landkreis Mühldorf.

Das Landratsamt hat die große und umfassende Belastung der Angehörigen von Demenzkranken im Blick und möchte über die Erkrankung informieren sowie die verfügbaren Beratungsangebote bekannt machen. (Sie finden viele auch auf meiner Seite „Hilfenetzwerk“). Außerdem ermutigt das LRA dazu, sich Freiräume zu schaffen und dafür auch Hilfe einzufordern.

Folgender Ablauf erwartet Sie im großen Sitzungssaal des Landratsamtes:

14.00 Uhr: Begrüßung durch den Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Benedikt Steingruber

Fachvortrag „Umgang und Kommunikation mit Menschen mit Demenz“ durch Fritz Schillhuber

Vorstellung einzelner Hilfs- und Unterstützungsdienste

17.00 Uhr: voraussichtliches Ende

Um Anmeldung zu dieser kostenlosen Veranstaltung wird gebeten bei Frau Anna Fischer unter 08631/ 699-525

Leave a Comment

Filed under Allgemein, Seniorenbeauftragte

Armut und soziale Ausgrenzung

Nach einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes (Nr. 392 vom 8. XI. 2017) sind knapp 20 % der Bevölkerung Deutschlands von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das sind ca. 16 Millionen Menschen. Das bedeutet, dass ihr Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze liegt (diese liegt bei 60 % des mittleren Einkommens). Davon sind ca. 16,5 % der Bevölkerung betroffen. Als 2. Kriterium gilt, dass dieser Haushalt von erheblicher materieller Entbehrung betroffen ist. Das sind 3,7 % der Bevölkerung in Deutschland.  Das 3. Kriterium besagt, dass es in diesem Haushalt eine geringe Erwerbsbeteiligung gibt. Davon betroffen sind 9,6 % der Bevölkerung unter 60 Jahren. Es muss mindestens eines der drei Kriterien zutreffen.

Für die über 65-Jährigen gibt das Statistische Bundesamt 17,6 % (20,1 % Frauen, 14,9 % Männer) als armutsgefährdet an; 2,7 % (3,1 % Frauen und 2,3 % Männer) leben in erheblichen Einschränkungen (d.h. sie können etwa ihre Miete kaum bezahlen oder größere Anschaffungen [etwa eine Waschmaschine] tätigen). Für die Erwerbsbeteiligung gibt es keine Zahlen.

Meine Meinung dazu: Ich empfinde es als erschreckend, dass sich doch so viele Menschen in prekären finanziellen Situationen befinden. Ich bin kein Finanzexperte, aber mein Verdacht ist, dass die Menschen mit überragend hohem Einkommen den Wert des mittleren Einkommens nach oben ziehen und es tatsächlich mehr Menschen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze gibt. Wenn ich mir die Kriterien für die „erhebliche materielle Entbehrung“ anschaue, wird mir deutlich, wie sehr diese Menschen von einem Teil des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen sind. Etwa, dass sie ihre Wohnung nur mit Schwierigkeiten angemessen heizen können oder sich gesund ernähren können. Ich meine, in dieser Problematik liegt der eigentliche Sprengsatz für unsere Gesellschaft (und nicht in der Frage der Geflohenen, die gerne und so oft in den Vordergrund geschoben wird).

 

Leave a Comment

Filed under Allgemein