Category Archives: Allgemein

Bayerisches Seniorenmitwirkungsgesetz

Ich gebe eine Einladung aus der Koorinationsstelle „Wohnen im Alter“ weiter:

Sehr geehrte Damen und Herren,
um die Mitwirkung älterer Menschen in Bayern auf örtlicher und überörtlicher Ebene weiter zu stärken, wird die Bayerische Staatsregierung ein Bayerisches Seniorenmitwirkungsgesetz auf den Weg bringen.
Frau Staatsministerin Carolina Trautner war es ein besonderes Anliegen, im Vorfeld der Gesetzeserarbeitung die vielfältigen Erfahrungen und Meinungen engagierter Akteure, politisch Verantwortlicher und Bürgerinnen und Bürger zu erfragen und mit einzubeziehen.
Aus diesem Grund führte das Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales im Oktober und November 2020 unter dem Motto „SeniorenMitWirkung“ eine umfassende Beteiligungsaktion durch, die aus vier regionalen Fachdialogen und einer bayernweiten Online-Umfrage bestand. Im Anschluss wurden die vielfältigen Impulse aus den in diesem Rahmen stattgefundenen zwölf Workshop-Gruppen und über 5.300 ausgefüllten Online-Fragebögen gemeinsam mit der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung und der Partnerschaftsgesellschaft Salm & Stegen sorgfältig ausgewertet.

Die positive Resonanz auf die Beteiligungsaktion ist überwältigend und zeigt: Das Thema Seniorenmitwirkung in Bayern bewegt die Menschen. Allen, die sich mit eingebracht oder bei der Bewerbung unterstützt haben, möchten wir auf diesem Wege herzlich danken!

Die gewonnenen Erkenntnisse werden nun in einer digitalen Abschlussveranstaltung am 26. Januar 2021 vorgestellt und von Frau Staatsministerin Carolina Trautner mit dem Präsidenten des Bayerischen Gemeindestages, Herrn Dr. Uwe Brandl, dem Vorsitzenden des LandesSeniorenVertretung Bayern e. V., Herrn Franz Wölfl, der Seniorenbeauftragten des Landkreises Rhön-Grabfeld, Frau Gabriele Gröschel, und der Leiterin des Sachgebietes „Seniorenamt und Soziales“ am Landratsamt Roth, Frau Ottilie Tubel-Wesemeyer, hinsichtlich der Erarbeitung eines Bayerischen Seniorenmitwirkungsgesetzes diskutiert werden. Die Moderation der Veranstaltung wird durch die Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung erfolgen.

Wir laden Sie herzlich ein, die Veranstaltung ab 15.30 Uhr auf www.seniorenmitwirkung.bayern.de im Live-Stream mitzuverfolgen.

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Sabine Wenng

Koordinationsstelle Wohnen im Alter

Spiegelstr. 4

81241 München

Tel: 089/20189857

Fax: 089/89623046

E-Mail: info@wohnen-alter-bayern.de

www.wohnen-alter-bayern.de

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Oxfam-Bericht: Das Ungleichheits-Virus

In den Nachrichten auf tagesschau.de (Link: https://www.tagesschau.de/ausland/oxfam-corona-101.html ) bin ich auf den Bericht von Oxfam Deutschland e. V. aufmerksam geworden. Betitelt ist er mit: „Das Ungleichheits-Virus“ und beleuchtet die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Ich zitiere jetzt die Tagesschau:

Steffen Küßner, Sprecher von Oxfam Deutschland , erklärt an einem Beispiel, wie sich die Ungleichheit in Zeiten der Pandemie verschärft hat:

„Die reichsten 1000 Menschen konnten ihre Pandemie-bedingten Verluste in nur neun Monaten wettmachen. Die ärmere Hälfte der Menschheit wird hingegen voraussichtlich über ein Jahrzehnt brauchen, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu bewältigen.“

Schon auf der ersten Seite der Kurzfassung des Oxfam-Berichts steht:

„Diese Krise verschärft die vorher schon dramatischen Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen den Geschlechtern und zwischen Weißen und Black, Ingineous and People of Color (BIPoC). Bereits neun Monate nach Ausbruch der Pandemie hatten die 1000 reichsten Milliardär*innen wieder so viel Vermögen wie in der Zeit vor Covid-19.“

Die zehn reichsten Männer der Welt konnten seit Februar 2019 ihr Vermögen um fast eine halbe Billion US-Dollar steigern – auf über 1,12 Billionen. (Übrigens wird darauf hingewiesen, dass man nur mit diesem Gewinn die Covid-Impfungen für alle Menschen auf der Erde bezahlen könnte.) Gleichzeitig haben hunderte Millionen Menschen ihr Einkommen oder ihre Arbeit verloren.

Problematisch finde ich, wenn beschrieben wird, wieviel die größten Konzerne – auch von Staatshilfe – profitierten, sodass sie ihren Aktionären üppige Dividenden zahlen konnten, während gleichzeitig die Arbeitnehmer dieser Betriebe Kurzarbeitergeld bezogen. (Siehe S. 4) So hätten in Deutschland “ 40% der Erwerbspersonen durch die Pandemie Einkommen verloren“. Noch sehr viel mehr gilt dies weltweit. Verlierer sind zum einen die Frauen, daneben Jugendliche, Kinder und Wanderarbeiter*innen. Und eben die Personen, die unter rassistischer Diskriminierung (eben die oben erwähnten BIPoc) zu leiden haben.

Auch wenn der Oxfam-Bericht den Blick auf die Situation weltweit richtet, finde ich ihn sehr spannend zu lesen und in seinem Lichte auch mal unsere deutsche Situation anzuschauen. Auch hier gibt es wenige Gewinner und viele Verlierer. Auch wir sind geneigt, bestimmte Problemgruppen aus dem Blick zu verlieren: Rentner mit geringem Einkommen bei weggebrochenen Zuverdienstmöglichkeiten; Kinder, deren Aus- und Schulbildung schwer zu bewältigen ist (einschließlich der sozialen Bildung); Obdachlose mit schlechter Gesundheitsversorgung; Menschen in prekären Arbeits- und Wohnsituationen (die vorhin zitierten „Wanderarbeiter*innen“); Frauen im Niedriglohnsektor mit später sehr geringer Rente …..

Ich denke, das ist eine sehr umfangreiche Aufgabe, die – wie die gesamte Corona-Pandemie – ein globales Denken und Handeln erfordert mit Solidarität mit den Schwachen.

Das kann man – muss man aber nicht – auch auf dem christlich-jüdischen Hintergrund sehen, wo Gott immer zu eben dieser Solidarität aufruft.

Hier der Link zu Oxfam Deutschland e. V. und zum Bericht: https://www.oxfam.de/ueber-uns/publikationen/oxfams-bericht-covid-19-auswirkungen-ungleichheitsvirus?utm_source=google-paid&utm_campaign=OX_Brand&utm_wec=11495&gclid=EAIaIQobChMI8_SiqLC37gIVC7h3Ch2YOw0LEAAYASACEgK83PD_BwE

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Pflegebedürftigkeit in Deutschland

In Deutschland gibt es prozentual gesehen immer mehr Ältere. Auch die Anzahl der Pflegebedürftigen nimmt zu – naturgemäß vor allem bei den Alten und Hochaltrigen. Die meisten (etwa 3/4) werden zu Hause betreut, meist von den Angehörigen allein ohne Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. Das Statistische Bundesamt hat dazu jetzt die aktuellen Zahlen veröffentlicht (s.u.). Die häusliche Pflege ist schon in „normalen“ Zeiten eine große Herausforderung, der sich die Angehörigen bis zur Grenze der Belastbarkeit (und oft darüber hinaus) widmen. Umso mehr jetzt in Zeiten von Corona mit allen Ängsten und Vorsichtsmaßnahmen. Das verdient allerhöchsten Respekt und jede mögliche Unterstützung. In diesem Zusammenhang verweise ich auf meine zwei Seiten des Hilfenetzwerks und der Hilfen des Landratsamts.

Hier die Stellungnahme des Sattistischen Bundesamts:

72 700 höchst Pflegebedürftige wurden Ende 2019 allein durch Angehörige zu Hause versorgt – Statistisches Bundesamt

WIESBADEN – Sich auf wenige Kontakte beschränken, Hygienemaßnahmen einhalten und generell eine erhöhte Sorge füreinander an den Tag legen – die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie fordern die Menschen im Alltag. Besonders hart trifft es Risikogruppen, darunter auch Pflegebedürftige und deren Angehörige – nicht nur in Pflegeheimen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden Ende 2019 hierzulande 2,1 Millionen Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 und damit mehr als die Hälfte aller 4,1 Millionen Pflegebedürftigen (51,3 %) allein durch Angehörige zu Hause versorgt. 72 700 von ihnen hatten den höchsten Pflegegrad (5) und wiesen damit schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung auf. 

Link: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/12/PD20_N083_224.html

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Die verstärkte Einsamkeit

Die Einsamkeit der Menschen ist immer schon ein Thema gewesen. Verstärkt wurde sie durch die Corona-Pandemie. Darüber gab es auch schon Untersuchungen – siehe mein Beitrag vom 9. Juni 2020.

Seitdem ist es nicht besser geworden. In meiner Arbeit erfahre ich immer wieder, wie groß das Redebedürfnis von Menschen ist. Erst heute habe ich mit jemand gesprochen, der als Pflegebedürftiger alleine zu Hause lebt, nur mit einer osteuropäischen Pflegerin. Das Verhältnis ist so gut, wie es eben sein kann. Die Verständigung ist sprachlich in Ordnung, solange es um Alltagsdinge und die Pflege geht. Aber für die Herzensdinge, den Glauben, das eigene Leben und die Biografie reicht es nicht. Ganz zu schweigen von den emotionalen Bedürfnissen, das Zusammenklingen, die Resonanz. Nicht zu vergessen der freundschaftliche Körperkontakt jenseits aller Pflege. Die Kinder leben entfernt, Freunde – auch aus der Kirchengemeinde und dem Gebetskreis – trauen sich schon lange wegen einer möglichen Ansteckungsgefährdung nicht mehr ins Haus. Die Kontakte werden weiter und weiter, unverbindlicher, oberflächlicher. Gut, dass wenigstens der Ortspfarrer immer wieder kommt!

Einsamkeit bezeichnet ja – im Gegensatz zum Alleinseins – einen Mangel an Beziehungen in der gewünschten Form und Intensität. Die einen suchen dabei das Gespräch über bestimmte Themen, andere den persönlichen Austausch, wieder andere das gemeinsame Tun in der Pflege eines Hobbys. Der Mangel wird beklagt, weil er einhergeht mit dem Gefühl der Isolation, des Ausgeschlossenseins, der Bedeutungslosigkeit. Manche sprechen auch vom „sozialen Tod“, den jemand „stirbt“ lange vor dem physischen Tod.

Bei solchen Geschichten wie der obigen wird mir immer wieder deutlich, wie wichtig, ja lebensnotwendig alle Initiativen sind, die darauf abzielen, in Verbindung zu bleiben. Selbst die kleinste Geste, ein Anruf, ein Lächeln über den Gartenzaun, eine kleine Aufmerksamkeit vor der Haustür hat eminente Bedeutung. Zeigt sie doch: „Du bist nicht allein!“„Du bist nicht vergessen!“„Ich denke an Dich!“

Darum ein herzliches Dankeschön an die vielen Tausend, die so ihre Solidarität zeigen mit denen, die nicht im Vordergrund unseres gesellschaftlichen Bewusstseins stehen, die leicht zu übersehen sind (weil sie eher leise und unauffällig sind), die vielleicht von sich selbst meinen, sie seien es nicht wert und hätten es nicht verdient.

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Goldener Internetpreis 2021

Das Bundesinnenministerium veranstaltet einen Wettbewerb, mit dem ältere Menschen besser mit dem digitalen Leben zurechtkommen sollen. In der Pressemitteilung heißt es:

Goldener Internetpreis 2021: Jetzt bewerben! Wettbewerb prämiert digitales Engagement für ältere Menschen – Fokus auf Unterstützung in Corona-Pandemie Berlin/Bonn, 15. Januar 2021 –

Zum Auftakt ins neue Jahr startet der Goldene Internetpreis heute in eine neue Runde: Initiativen, Vereine und Kommunen sind aufgerufen, ihre Angebote und Projekte einzureichen, die sich besonders für die digitale Befähigung und Selbstbestimmung älterer Menschen stark machen. Ausgelobt wird der Goldene Internetpreis 2021 mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro durch ein Bündnis aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat. Wie wichtig Unterstützung und Aufklärungsarbeit für ältere Menschen in der digitalen Welt sind, haben eindrücklich die vergangenen Monate der Corona-Pandemie gezeigt. Zahlreiche Menschen und Organisationen haben sich engagiert, um die Digitalisierung insbesondere auch für ältere Menschen verständlich und zugänglich zu machen. Der Goldene Internetpreis möchte dieses Engagement nachhaltig würdigen und unterstützen.

Ausgezeichnet werden Projekte in drei Kategorien: „Digitale Teilhabe – Menschen in Zeiten von Corona unterstützen”, „Internet für alle – die Vielfalt der Zielgruppen” sowie „E-Government – die Vielfalt kommunaler Beteiligung über digitale Wege“. Darüber hinaus wird der Sonderpreis der Deutschen Telekom „Respektvoll – aktiv für einen fairen Umgang im Netz!“ vergeben. Bewerbungen sind ab sofort bis zum 15. Mai 2021 möglich. Eine unabhängige Jury ermittelt die Gewinner, die auf dem 13. Deutschen Seniorentag am 24. November 2021 in Hannover ausgezeichnet werden. Alle Informationen zum Wettbewerb sowie das Anmeldeformular finden Interessierte auf http://www.goldener-internetpreis.de.

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Corona-Impfungen weltweit

Bei uns in Deutschland sind mittlerweile die Impfungen gegen Corona angelaufen. Auch wenn es bisher nur wenige Menschen sind (in Bayern noch nicht mal 1%), haben wir doch die Perspektive, dass in diesem jahr jeder, der das möchte, auch die Möglichkeit dazu hat. Anders schaut es in anderen Ländern und Kontinenten aus. Hier gibt es kaum oder gar keine Impfmöglichkeiten. Gerade in Brasilien etwa, wo „unser“ Impfstoff massenweise getestet wurde, fehlen flächendeckende Impfungen (auch wenn das andere, politische Gründe hat). Ähnlich trübe sieht es in vielen anderen, vor allem ärmeren Ländern aus, da aus wirtschaftlichen Gründen. Es ist unsere Illusion – zu glauben, dass wir auf der sicheren Seite sind, wenn es nicht weltweit Impfmöglichkeiten gibt. Vielmehr befürchte ich, dass durch die Globalisierung der Wirtschaft auch diese globale Pandemie wieder zu uns zurückkehrt (auch wenn wir meinen, wir hätten sie „besiegt“).

Die Malteser haben jetzt auf diesen Misstand hingewiesen und auch auf den Zusammenhang mit dem Hunger. Zugleich erwähnen sie eine international tätige Organisation, die genau die internationale Verteilung des Impfstoffes zu Preisen, die auch die ärmeren Staaten im Blick haben, gewährleisten will. Die Malteser schreiben in ihrer Pressemitteilung:

Während in Ländern wie Deutschland, Großbritannien und den USA bereits seit Ende Dezember mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen wurde, ist die Mehrheit der Bevölkerung im globalen Süden von einem Impfstart weit entfernt. Es fehlen vor allem die finanziellen Mittel für arme Länder. Die Zahl der Hungernden nimmt aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie weltweit stark zu.

Gemeinsam mit internationalen Hilfsorganisationen, Regierungen und Pharmaunternehmen hat die WHO mit der Organisation COVAX zwar die Grundlage dafür gelegt, Impfstoffe weltweit gerecht zu verteilen. „Das Problem ist aber, dass dieses Programm unterfinanziert ist. Die Bundesregierung und die EU haben zwar bereits Geld zur Verfügung gestellt, doch es reicht bei weitem noch nicht aus, um die Menschen in Ländern wie im Südsudan und der DR Kongo an den Impfstoffen teilhaben zu lassen. Gleichzeitig sind aber gerade diese Menschen besonders hart von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Dies liegt vor allem an den Einschränkungen und den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie“, sagt Annette Wächter-Schneider, Programmdirektorin von Malteser International.

Wer das selbst nachlesen möchte, findet das (und vieles mehr) unter folgendem Link: https://www.malteser.de/newsdetails/news/millionen-menschen-hungern-wegen-covid-19.html

Das ist in meinen Augen ja das Besondere am Corona-Virus:

  • dass es uns geradezu zwingt, nicht mehr nur an uns selber zu denken, sondern über den eigenen Gartenzaun hinweg. Das gilt sowohl innerhalb unserer Gesellschaft wie auch weltweit.
  • Dass es uns nichts nützt, wenn wir uns selbst „retten“ und nicht auch die anderen.
  • Dass wir auf die Schwächeren und Schwächsten schauen müssen, die Vulnerablen nud Verletzlichen.
  • Dass wir auf die Zusammenhänge schauen müssen und die Verflechtungen und dass wir sehen lernen, wie verbunden wir alle miteinander sind – sei es in der Nähe oder in der Ferne. So wird auch der Ferne (alttestamentlich: der Fremdling) zum Nächsten, dem unsere „Liebe“ sprich: soziale Verantwortung zu gelten hat..

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Corona-Impfungen für Senior*innen, die zu Hause leben

Gut, dass es jetzt die Impfungen gegen Corona gibt und dass die Senior*innen und die Pflegenden in den Pflegeeinrichtungen bei der Impfung an erster Stelle stehen. Damit werden besonders gefährdete Personengruppen geschützt und schwere Verläufe minimiert. Das führt auch zu einer Entlastung in den Krankenhäusern, die sich somit auch um jüngere Menschen kümmern können.

Die Deutsche Alzheimergesellschaft e. V. lenkt den Blick auf die Senior*innen (vor allem die mit einer Demenzerkrankung), die zu Hause leben und betreut werden. Das sind etwa eine Million Menschen in Deutschland. Sie sind auf die Kontakte zu den Angehörigen angewiesen und auch auf das ambulante Pflegepersonal. Damit sind sie einem erhöhten Risiko der Infektion ausgesetzt sowie einem schwereren Verlauf. In der Pressemitteilung schreibt die Alzheimergesellschaft:

Berlin, 11. Januar 2021. 75 Prozent aller Pflegebedürftigen leben zu Hause und werden dort versorgt. Dies trifft auch auf rund zwei Drittel aller Demenzerkrankten zu. Für diese Menschen, die zumeist hochaltrig sind und eigentlich zu den Ersten gehören, die sich impfen lassen können, stellt allerdings die Anmeldung für einen Termin und der Besuch eines Impfzentrums oft eine unüberwindliche Hürde dar. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) fordert deshalb, dass schnellstmöglich auch eine mobile Impfung zu Hause oder durch Hausärzte möglich gemacht wird. 

Mobile Impfteams sind derzeit in den Pflegeheimen unterwegs, um dort die Impfung vor Ort zu ermöglichen. So wird der kleinere Teil pflegebedürftiger Menschen in Deutschland erreicht. Der weitaus größere Teil lebt aber in der eigenen Wohnung, bei Angehörigen, im Betreuten Wohnen oder in Demenz- und Pflege-WGs. Für diese Menschen ist der weite Weg in ein Impfzentrum und das Warten in der Schlange davor oftmals nicht zu bewältigen. Auch die Anmeldung per Internet oder über eine schwer erreichbare Hotline ist ohne Hilfe von Dritten eine große Herausforderung. Dies dürfte in vielen Fällen dazu führen, dass gerade diese Menschen, die ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, auf die Impfung verzichten. 

„Ältere Menschen müssen besser bei der Impfung unterstützt werden“, betont Monika Kaus, 1. Vorsitzende der DAlzG. „Wenn wir die vulnerablen Gruppen besser schützen wollen, dürfen wir keine Hürden aufbauen, sondern müssen ihnen die nötige Unterstützung zur Verfügung stellen, wenn sie sich impfen lassen möchten.“ Eine sinnvolle Lösung wäre es, wenn dieser Personengruppe möglichst rasch ein Impfangebot in Arztpraxen gemacht wird und mobile Teams Impfungen vor Ort anbieten. Ganz besonders wichtig ist dies in ländlichen Regionen, wo der Anteil der älteren Bevölkerung häufig besonders hoch ist. Mit dem neu zugelassenen Impfstoff der Firma Moderna, der nicht so große Ansprüche an die Kühlung stellt, sollte dies auch praktisch bald besser möglich sein. Gleichzeitig sollten die pflegenden Angehörigen, die oftmals selbst schon älter sind, die Möglichkeit zur Impfung erhalten – selbst wenn sie aufgrund ihres Alters noch nicht in die jeweilige Impfgruppe zählen. Denn sie sind für die Versorgung von Menschen mit Demenz unentbehrlich. Wenn sie durch eine Erkrankung an COVID-19 ausfallen, bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung für das bereits jetzt weitgehend überlastete Pflegesystem in Deutschland.

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Gedanken zu Weihnachten 2020 – Verwundbarkeit und Heil

In den letzten Tagen bin ich auf ein Thema gestoßen worden, das ich vorher noch nie in diesem Zusammenhang gesehen habe: Am prägnantesten drückt das der Titel eines Buches von Hildegund Keul aus: „Weihnachten – das Wagnis der Verwundbarkeit“ (3. Auflage 2017). Sie schreibt:

„Wenn man den Blick auf die Frage richtet, wie Menschen mit ihrer Verwundbarkeit umgehen, dann verlieren die biblischen Geschichten ihre scheinbare Naivität. Die Krippe ist keine Idylle, keine Utopie einer heilen Familie mit schmückenden Accessoires wie sanftmütigen Hirten, jubilierenden Engeln, wunderschönen Frauen und reich geschmückten Königen. Vielmehr erzählen sie ergreifende  Geschichten darüber, wie Gott und die Menschen mit der Verletzlichkeit humanen Lebens umgehen.“ (S.11)

Für mich selber ist seit vielen Jahren der Advent eine Zeit, in der das menschliche Leben mit seinen Schattenseiten und Tiefpunkten, mit seinen Krisen und Nöten in den Blick geraten ist. Nur auf diesem Hintergrund ist ja überhaupt die Sehnsucht der Menschen nach Heilung und Heil, personalisiert nach dem Heiland, verstehbar. Gerade der Blick auf all das im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben lässt die Tiefe der Weihnachtsbotschaft erspüren. In diesem Jahr 2020 habe ich nicht nur die Corona-Pandemie im Blick, sondern auch all die Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die durch Corona schärfer ins Bewusstsein geraten sind. Zugleich auch die Angst um die eigene Existenz (die kann ich verstehen!) oder auch nur um die eigenen Pfründe. Wir spüren deutlich, wie verwundbar unsere Existenz und das ganze System ist. Wir bemerken  einerseits den Kampf für sich selbst (einzelne Personen bis hin zu einzelnen Staaten) und wir sehen andererseits auch die Hingabe und die Solidarität mit den „Vulnerablen“ (auch das ein Wort, das durch Corona ins Bewusstsein gespült wurde). Nochmals Hildegund Keul:

„Das Weihnachtsfest macht „Verwundbarkeit“ zum Schlüsselwort christlicher Gottesrede. Es handelt von Schwangerschaft und Geburt, Verfolgung und Flucht, Gleichgültigkeit und Wagemut, Gewalt und Engagement. Befragt man diese Geschichten danach, was sie in Fragen der Verwundbarkeit zu sagen haben, so erscheint das Weihnachtsfest in neuem Licht.“ (S. 11)

Mir scheint, wenn man das genau durchdenkt, könnte das Weihnachtsfest wirklich ein Anfang werden hin zu sozialer Solidarität (dieser alttestamentliche Begriff wird bei uns oft mit „Gerechtigkeit“ wiedergegeben) und einem geschärften Blick für die, die wirklich und tagtäglich „vulnerabel“, verwundbar, verletzlich sind: Obdachlose, Hartz-IV-Empfänger, Geflüchtete, Gewaltbedrohte oder Gewaltopfer, …. Darum freut es mich, wenn bei der Verteilung der Impfstoffe ein Teil dieser Verletzlichen, nämlich die Hochbetagten und das Pflegepersonal, an die erste Stelle gesetzt werden – und das ohne ein Wort des Widerspruches.

Was bedeutet es also, wenn wir, die Gesunden und Gutsituierten, mit Blick auf diese Menschen hören: „Heute ist euch der Heiland geboren!“? Und zwar in der Gestalt eines kleinen, vulnerablen, verwundbaren, verletzlichen Kindes.

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Das Seniorenmitwirkungsgesetz

Viele Senioren wollen sich ja in ihrem „Ruhestand“ in die Gesellschaft einbringen und so ihre Erfahrungen im Leben und aus dem Beruf sinnvoll einsetzen. Das ist jedoch für manche eine Herausforderung, vor allem wenn es Einschränkungen in der Mobilität oder in der zeitlichen Verfügbarkeit gibt. Das Bayerische Sozialministerium plant deshalb ein „Seniorenmitwirkungsgesetz“. Das Ministerium schreibt (ich zitiere aus dem Newsletter der Koordinationsstelle Wohnne im Alter):

Digitale Abschlussveranstaltung des Bayerischen Sozialministeriums zum Beteiligungsprozess des geplanten Seniorenmitwirkungsgesetzes am 26. Januar 2021

Um die politische Mitwirkung älterer Menschen in Bayern auf örtlicher und überörtlicher Ebene noch weiter zu verbessern, wird die Bayerische Staatsregierung ein Seniorenmitwirkungsgesetz auf den Weg bringen. Hierzu hat das Bayerische Sozialministerium im Oktober und November 2020 vier Fachdialoge und eine bayernweite Online-Umfrage durchgeführt. Ziel dieses Beteiligungsprozesses ist es, schon im Vorfeld der Gesetzeserarbeitung das Wissen, die Meinungen und wertvollen Erfahrungen der Beteiligten mit einzubeziehen, die zu gelebter Seniorenmitwirkung in Bayern bereits vorhanden sind.

In den Fachdialogen wurden analog und digital unter Moderation der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (AfA) vielfältige Anregungen gegeben und Ansichten ausgetauscht. Parallel hat das Bayerische Sozialministerium unter dem Motto „Senioren mit Wirkung“ eine bayernweite Online-Umfrage gestartet, um möglichst vielen Menschen Gelegenheit zu geben, ihre Meinung einzubringen. Die Resonanz darauf war überwältigend: über 5.300 Personen haben sich vom 1. Oktober bis 22. November 2020 an der Online-Umfrage beteiligt.

Die Ergebnisse werden derzeit sorgfältig ausgewertet. Sie werden am 26. Januar 2021 in einer digitalen Abschlussveranstaltung vorgestellt und von Frau Staatsministerin Carolina Trautner in einem Expertengespräch unter Moderation der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung diskutiert werden.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Veranstaltung im Live-Stream mitzuverfolgen. Nähere Informationen werden in Kürze auf www.seniorenmitwirkung.bayern.de veröffentlicht.

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Coronatests für Besucher im Seniorenheim

Nach den Beschlüssen der Bundesregierung müssen Besucher in Seniorenheimen einen Coronatest vorlegen oder vor Ort absolvieren, bevor sie zu ihrem Angehörigen dürfen. Ich hatte mir schon gedacht, dass diese Maßnahme sehr sinnvoll ist, dass die Umsetzung aber auf einige Schwierigkeiten stoßen wird: Wie ist das personell zu stemmen, wenn für die Tests eigens eine Mitarbeiterin abgestellt werden muss? Wie ist das räumlich zu organisieren, wenn mehrere Besucher auf das Testergebnis warten müssen? Wer trägt die Kosten der Tests?

Meine Befürchtung ist, dass diese Schwierigkeiten dazu führen könnten, dass viele Besuche nicht mehr möglich sein könnten. Gerade die Kosten sind für die finanziell Schwachen, die ja manchmal schon mit dem normalen Lebensunterhalt zu kämpfen haben, kaum zu bezahlen. Hier wäre eine solidarische Lösung hilfreich, etwa wenn z. B. die Krankenkassen oder möglicherweise auch das Sozialamt das übernehmen würden. Aber da kenne ich mich natürlich zu wenig aus, um die „richtige Adresse“ zu wissen.

Jetzt hat auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e. V. (bagso) in einer Pressemitteilung auf diese Schwierigkeit hingewiesen. Ich zitiere die Pressemitteilung:

Kostenlose Testmöglichkeiten für Besucherinnen und Besucher in Pflegeeinrichtungen gewährleisten!

Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder haben in ihrem Beschluss vom 13. Dezember 2020 Schutzmaßnahmen für Menschen in Alten- und Pflegeheimen beschlossen. So soll in Regionen mit erhöhter Inzidenz der Nachweis eines aktuellen negativen Coronatests für Besucherinnen und Besucher von Pflegeeinrichtungen verbindlich werden. Die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen hält die vorgesehenen Schutzmaßnahmen für sinnvoll. Sie fordert jedoch, dass die verpflichtenden Tests in bzw. vor den Einrichtungen durchgeführt werden.

In einem Brief an die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder schreibt der BAGSO-Vorsitzende Franz Müntefering: „Es kann den häufig selbst hochaltrigen Angehörigen nicht zugemutet werden, sich selbst – immer wieder – um einen solchen Test zu kümmern und dazu kreuz und quer durch ihre Stadt oder ihren Landkreis fahren zu müssen. Von den hohen Kosten ganz zu schweigen, die ein Teil der Angehörigen gar nicht aufbringen könnte. Wenn es hier nicht zu einer guten Lösung kommt, dann ist den am schwersten Betroffenen nicht geholfen.“

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