1. Fastenwoche
Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir uns der göttlichen Gegenwart in unserem Leben mehr bewusst werden wollen. Dazu wollen meine Impulse in diesem Jahr wieder hilfreich sein.
„Hier bin ich, Gott, vor dir, so wie ich bin.“
Dieser Satz hat mich vor zehn Jahren in den Exerzitien im Alltag begleitet. Genauer: ich bin über diesen Satz nicht hinausgekommen. Weil ich immer an dieser Stelle überlegt habe: Wie bin ich denn jetzt gerade da?
Was meinen Sie, wenn Sie „ICH“ sagen? Wer ist dieses „ICH“? Wer ist das, die/ den Sie daheim in Ihrem Spiegel sehen?
Sie haben einen Körper. Sie sind ein Körper. Mit Spuren Ihres gelebten Lebens, mit Falten (Lach- oder Sorgenfalten), vielleicht mit Gebrauchsspuren, vielleicht mit Narben …
Sie haben eine Geschichte. Sie sind in einer bestimmten Familie aufgewachsen, an einem konkreten Ort. Sie haben eine Ausbildung gemacht und vielleicht auch in einem Beruf gearbeitet (mit all den schönen, aber auch schwierigen Erfahrungen, die es gibt). Vielleicht ist Ihre Abeitsphase schon vorbei. Vielleicht haben Sie sich ausschließlich der Familie gewidmet. ….
Sie haben Erfahrungen in Ihrem Leben gemacht: freudevolle und schmerzreiche, prägende (vielleicht sogar traumatisierende), Sie haben Kräfte entwickelt und Kompetenzen, Sie haben Rückschläge erlitten und hoffentlich auch Solidarität erfahren.
Sie haben Beziehungen aufgebaut, Freundschaften und Liebe erlebt. Sie haben Halt erfahren und Geborgenheit, Beheimatung. Sie haben aber wohl auch den ein oder anderen Verlust verarbeiten müssen. Vielleicht bestehen Ihre Beziehungen jetzt weitgehend aus Erinnerungen. Bestimmt waren und sind Sie für andere Menschen wichtig und bedeutungsvoll. Ich erinnere mich an eine alte, bettlägerige Frau, die von sich gesagt hat: „Früher hab ich viel für andere gemacht. Jetzt, wo ich nichts mehr tun kann, bin ich ein großes Ohr, das zuhört. Und das für andere betet.“
Ihnen sind bestimmte Werte wichtig, für die Sie eintreten. Oder wo Sie sauer und zornig werden, wenn jemand diese Werte verletzt. Vielleicht haben sich diese Werte im Laufe Ihres Lebens auch verändert. Was früher wichtig war, ist es jetzt nicht mehr und umgekehrt.
Vielleicht fallen Ihnen in einer Stillezeit noch andere Punkte ein?
Wer ist das, die/ den Sie mit dem Wort „ICH“ benennen?
