Kleine Sonntagsgottesdienste

Gottesdienst zum 13. Sonntag im Jahreskreis am 27. VI. 2021

erstellt von PR Michael Tress www.senioren-muehldorf.de

+ Im Namen des Vater und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

Einleitende Gedanken:

Die heutigen Lesungen regen zum Nachdenken über das eigene Leben an. Was haben Sie alles erlebt? Was haben Sie alles schon bewältigt? Welche Werte haben Ihr Leben geprägt? Was sind Ihre Sorgen und Ängste, Ihre Hoffnungen und Zuversichten? All das hat in diesem Gottesdienst seinen guten Platz.

Kyrie:

Herr Jesus Christus, in dir liegt das Heil der Menschen und der Welt. Herr, erbarme dich unser!

Du hast viele Menschen berührt mit deiner frohen Botschaft vom heiligen und heilenden Gott. Christus, erbarme dich unser!

Du bist für viele Menschen zur Hoffnung geworden, auf die sie ihr Leben gesetzt haben. Herr, erbarme dich unser!

Gebet:

Gott, du bist heilig. Unsere Welt und unser Leben ist es nicht. So bitten wir dich: wirke in unserer Welt und in unserem Leben, damit deine Liebe, deine Gerechtigkeit und deine Menschenfreundlichkeit immer mehr Wirklichkeit werden. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Freund und Bruder. Amen

Einleitung zur 1. Lesung: Weish 1, 13–15; 2, 23–24

Das wohl erst kurz vor der Zeitenwende entstandene Buch der Weisheit steht in der Auseinandersetzung mit ägyptischer und griechischer Denk- und Lebensweise. Der unbekannte Verfasser betont die Gerechtigkeit und die Weisheit, die von Gott kommen und dem Menschen zum Leben helfen. Auch die sich gerade entwickelnde Vorstellung von der Unsterblichkeit wird in diesem Buch thematisiert.

Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Zum Dasein hat er alles geschaffen und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. Kein Gift des Verderbens ist in ihnen, das Reich der Unterwelt hat keine Macht auf der Erde; denn die Gerechtigkeit ist unsterblich. Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt und ihn erfahren alle, die ihm angehören.

Gedanken zur zweiten Lesung: 2 Kor 8, 7.9.13–15

„Gerechtigkeit“ im Sinne des Ersten Testaments meint, dass jeder das hat, was er zum Leben benötigt. So gibt es in einer Welt, die von Armut und Reichtum geprägt ist, immer die Notwendigkeit eines Ausgleichs. Das war zur Zeit des Paulus so – und ist es auch heute. Neben dem materiellen Vermögen können wir mit anderen aber auch unsere Lebenserfahrungen, unsere Gedanken, unsere Zuversicht und unsere Hoffnungen teilen.

Wie ihr an allem reich seid, an Glauben, Rede und Erkenntnis, an jedem Eifer und an der Liebe, die wir in euch begründet haben, so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen. Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen. Es geht nicht darum, dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft; es geht um einen Ausgleich. Im Augenblick soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluss einmal eurem Mangel abhilft. So soll ein Ausgleich entstehen, wie es in der Schrift heißt: Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig, hatte nicht zu wenig.

Gedanken zum Evangelium: Mk 5, 21–43

In jener Zeit fuhr Jesus im Boot an das andere Ufer des Sees von Galiläa hinüber und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam einer der Synagogenvorsteher namens Jaírus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie geheilt wird und am Leben bleibt! Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt. Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten heran – und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Und sofort  versiegte die Quelle des Blutes und sie spürte in ihrem Leib, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.

Zum Nachdenken:

  • Blut ist der „Lebenssaft“. Die Frau verliert unaufhörlich ihre Lebenskraft.
  • Die Frau hat viel (ihr ganzes Vermögen) eingesetzt für ihre Gesundheit.
  • Zwölf ist die Zahl der Vollendung. Salopp gesagt: jetzt reicht´s, jetzt ist Schluss! Im Fall der Frau: Jetzt ist Schluss mit dem Verlust an Leben!
  • Die Frau berührt Jesus, denn sie ahnt: mit Jesus in Berührung zu kommen, macht sie heil. (Frage: Ist „heil“ und „gesund“ dasselbe?)
  • Jesus wird von vielen Menschen berührt. Aber die Berührung der Frau ist anders. Worin liegt wohl der Unterschied?
  • Die Frau erzählt ihre ganze Geschichte, ihre ganze Wahrheit, die Geschichte der letzten zwölf Jahre, vielleicht auch die ganze Geschichte ihres Lebens. Was würden Sie Jesus erzählen?

Lied: Meine engen Grenzen (GL 437)

1. Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich? (2x)

2. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich? (2x)

3. Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich? (2x)

4. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich? (2x)

Fürbitten:

Gott, unser guter Vater und unsere liebevolle Mutter, aus einer Welt voller Leiden und voller Freude, voller Ängste und voller Hoffnungen, voller Ungerechtigkeit und voller Solidarität rufen wir zu dir:

  • Heile die körperlichen und seelischen Wunden derer, die von anderen verletzt wurden.
  • Gib denen eine starke und laute Stimme, die in Ungerechtigkeit, Bedrückung und Verfolgung leben und leiden müssen.
  • Stärke alle Menschen, die sich für Heilung, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen.
  • Gib den Verantwortlichen viel Kraft, die unmenschlichen Verhältnisse und Systeme zu verändern.
  • Gib denen, die auf die Hilfe oder die Pflege anderer angewiesen sind, kompetente und freundliche Menschen zur Seite.
  • Begleite die Sterbenden in deine göttliche Nähe und Liebe.

Gott, du bist die Kraft und die Stärke, du bist die Liebe und die Solidarität, du bist die Freude und die Lebenslust, die wir für unser Leben brauchen. Lass uns immer wieder erfahren, dass du bei uns bist. Darum bitten wir dich heute und an jedem Tag unseres Lebens bis zur Ewigkeit. Amen

Gebet: (Madeleine Delbrel, Gott einen Ort sichern, S. 78)

… Herr, gib, dass wir unser Dasein leben

Nicht wie ein Schachspiel, in dem alles berechnet ist.

Nicht wie ein Wettkampf, bei dem alles schwierig ist.

Nicht wie einen Lehrsatz, bei dem wir uns den Kopf zerbrechen.

Sondern wie ein Fest ohne Ende, bei dem man dir immer wieder begegnet, wie einen Ball, wie einen Tanz, in den Armen deiner Gnade, zu der Musik allumfassender Liebe.

Herr, komm und lade uns ein.

Segen

Der Herr segne und behüte dich. Er lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Er wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden und Heil. Das gewähre uns und allen Menschen der gute Gott – der Vater, der Sohn und der heilige Geist.

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