Gottesdienst zum 28. Sonntag i. Jkr. am 11. Oktober 2026
+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen
Lied: GL 148: Komm her, freu dich mit uns
Einleitende Gedanken:
Die Bibel verwendet eine Vielzahl an Bildern, um Gottes Wirken erfahrbar zu machen. Eines davon ist „das königliche Hochzeitsmahl“. In heutigem Erfahrungshorizont könnten wir von einer „Party“ oder einem „Volksfest“ sprechen. Dazu sind wir alle eingeladen – ohne Ansehen der Person, des sozialen Status, der Bildung, der Verdienste. Auch mit noch so vielen Flecken auf dem Gewand der Seele sind wir Gott willkommen.
Kyrie:
Herr Jesus Christus, du nimmst uns an – so wie wir sind. Herr, erbarme dich!
Du siehst über unsere Schwächen und Fehler barmherzig hinweg. Christus, erbarme dich!
Du lädst uns ein, mit dir zu feiern und fröhlich zu sein. Herr, erbarme dich!
Ja, der Herr erbarmt sich unser, das sagt er uns immer wieder von Neuem zu. So dürfen wir getröstet und ermutigt leben.
Tagesgebet
Herr, unser Gott, deine Gnade begleite uns, damit wir dein Wort im Herzen bewahren und immer bereit sind, das Gute zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren lieben Freund und Bruder. Amen
Einleitung zur 1. Lesung: Jes 25,6–10a
Der erste Teil des Buches Jesaja stellt eigentlich den Untergang des Reiches Juda vor Augen. Umso bemerkenswerter sind die Heilsprophezeiungen, die es auch enthält. Gerade mit seiner Vision vom großen Fest möchte Jesaja die Menschen (und zwar universal alle Menschen aus allen Völkern) aufrufen, sich diesem Gott zuzuwenden und seiner Einladung zu folgen.
An jenem Tag wird der Herr der Heerscharen auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen. Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt. Er hat den Tod für immer verschlungen und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, denn der Herr hat gesprochen. An jenem Tag wird man sagen: siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Das ist der Herr, auf ihn haben wir gehofft. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat. Denn die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg.
Einleitung zur zweiten Lesung: Phil 4,12–14.19–20
Leben ist nicht nur Feier. Leben hat auch seine harten Seiten. Da ist es immer tröstlich und ermutigend, Freunde an der Seite zu haben, die Anteil nehmen, Interesse zeigen, mittragen. Gerade darin zeigen sie etwas Göttliches, eine der wesentlichen Seiten des Göttlichen, von Gott.
Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch den, der mich stärkt. Doch ihr habt recht daran getan, an meiner Bedrängnis Anteil zu nehmen. Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken. Unserem Gott und Vater aber sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.
Einleitung zum Evangelium: Mt 22,1–10 (Kurzfassung)
Da heutige Gleichnis in der Kurzfassung gibt bei Matthäus und Lukas. Es ist also aus der sog. „Spruchquelle“, in der Worte Jesu gesammelt wurden. Leider ist sie verschollen.
In der Erzählung Jesu zeigt sich dessen Sympathie für die „kleinen Leute“ am Rande, für die Sünder und die von anderen Verurteilten.
(Der Anhang der Langfassung V. 11 – 14 beschreibt nicht die Haltung Jesu, sondern die des Matthäus, der die Christen zu „Würdigkeit“ und innerer Haltung ermahnt.)
In jener Zeit erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
Gedanken:
Ich bleibe hängen am letzten Satz: dass nicht nur die Guten, sondern auch die „Bösen“ kommen dürfen. Und ich weiß: Ich bin nicht (nur) gut, sondern auch manchmal „böse“. Dennoch darf ich zum Hochzeitsmahl kommen.
Wie tröstlich!!!
Das griechische Wort, das für „böse“ verwendet wird, bedeutet zunächst: „mühselig, beladen, belastet“. Bei diesem Wort tauchen ganz andere Bilder und Gefühle auf. Und die Frage nach der eigenen Mühsal, den eigenen Belastungen.
Was belastet Sie gerade?
Was macht Ihnen das Leben gerade schwer?
Was bereitet Ihnen im Moment Mühe?
Es gibt aber nicht nur die jeweils aktuellen Belastungen, sondern auch die, die ich schon ein ganzes Leben lang mit mir herumtrage. Z. B. Prägungen durch Menschen, die mich verletzt haben, die mich nicht gesehen haben, die mich vernachlässigt haben. Oder auch Prägungen durch Ereignisse, Unfälle, Krisen…
Das alles lässt mich manchmal „böse“ reagieren, verletzt, unleidlich, abgrenzend, ängstlich. Ich will mich schützen in meiner Verletzlichkeit, in meiner Fragilität, in meiner Belastbarkeit.
Auch damit darf ich kommen! Ich brauche das alles – mich – bei Gott nicht draußenlassen.
Ich stelle mir vor, wie diese Menschen darauf reagieren, wenn sie – gerade sie – zum Fest eingeladen werden. Wie werden sie dieses Fest feiern? Werden sie dabei an ihre „Belastungen“ denken? Werden sie sich später an dieses Fest erinnern? Wird diese Einladung und das Fest sie verändern?
Lied: GL 437: Meine engen Grenzen
Fürbitten:
Jesus Christus, Menschenfreund, du lädst uns ein zur Freude. Aus einer Welt mit Belastungen, mit Ängsten, mit Ungerechtigkeit und Ausgrenzung bitten wir dich:
- Hilf allen, die unter den Prägungen ihres Lebens zu leiden haben.
- Zeige deine Solidarität denen, die oft nur Abgrenzung und Ausgrenzung erleben.
- Öffne dein Ohr all denen, die vor Leid verstummen und keine Stimme mehr haben.
- Ermutige die Christen, zur Stimme zu werden für alle Opfer von Ungerechtigkeit, von Ausgrenzung, von Gewalt, von Krieg.
- Heile die Kranken und gib ihnen viel Lebenskraft und Lebensmut.
- Begleite die Sterbenden in das Reich deiner himmlischen Freude.
Jesus Christus, du hast alle Menschen in dein Herz geschlossen, auch uns. Lass uns deine liebevolle Nähe immer wieder erfahren, denn davon leben wir. Hab einen herzlichen Dank für alles, was uns Freude und Ermutigung ist. Amen.
Vaterunser
Gebet: (Katholisches Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 227, 5)
Jesus Christus, lass dein Licht leuchten über unseren Wegen:
- dass uns die Ohren aufgehen für dein Wort und die Augen für das, was du tust;
- dass wir einander Mut zusprechen und stärker sind als die Angst;
- dass wir aufstehen, die Fremden schützen und bei denen sind, die kein Recht haben;
- dass wir Brüder und Schwestern werden im Leiden und in der Geduld.
Lass dein Licht leuchten über unseren Wegen: dass wir erkennen und sicher sind, dass es keinen andern gibt, auf den zu warten sich lohnt.
Segen:
Der Herr segne und behüte uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Er wende uns sein Angesicht zu und schenke uns Frieden und Heil. Das gewähre uns und allen Menschen der gute Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Gottesdienst zum Erntedanksonntag am 4. Oktober 2026
+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen
Lied: GL 467: Erfreue dich, Himmel
Einleitende Gedanken:
Wir feiern Erntedank. Da gehen die Gedanken zu allererst an die Bauern mit ihrer Ernte von den Feldern. Sie hatten unter der Hitze dieses Sommers sehr zu leiden und die Ernte fiel oft geringer aus. Auch in anderen Ländern dieser Welt gab es weniger Ernte durch Naturereignisse, Klimawandel, Waldbrände, Kriege etc.
Die wenigsten von uns aber sind Landwirte. Welche „Ernte“ haben Sie eingebracht? Nicht nur in der Erwerbsarbeit, sondern auch in Ihrem Leben? Eine Ernte an Zuneigung – eine Ernte an Lächeln – eine Ernte an Hilfe – eine Ernte an Vertrauen – eine Ernte an Momenten mit Erfahrungen des Göttlichen – …
Kyrie:
Herr Jesus Christus, du willst, dass wir Leben in Fülle haben. Das haben aber viele Menschen nicht. Herr, erbarme dich!
Du rufst uns auf zur Solidarität mit den Schwachen, Bedürftigen und Notleidenden. Christus, erbarme dich!
Wir wissen, dass auch wir auf andere angewiesen sind und ihren Blick für unsere Schwächen. Herr, erbarme dich!
Ja, der Herr erbarmt sich unser, er lässt uns immer wieder seine fürsorgliche und liebevolle Nähe erfahren. Amen
Tagesgebet (zur Auswahl Nr. 19)
Gott, dein Sohn Jesus Christus ist das Weizenkorn, das für uns starb. Wir leben aus seinem Tod. Nimm von uns die Angst, für andere verbraucht zu werden. Hilf uns, einander Gutes zu tun, damit wir nicht vergeblich leben, sondern Frucht bringen in Jesus Christus. Amen
Einleitung zur 1. Lesung Joel 2, 21-26
Der Prophet Joel lebt etwa um 400 vor Christus. Seine Botschaft ist gekennzeichnet durch eine Heuschreckenplage (wie wir sie vor ein paar Jahren in Afrika und im Jemen erlebt haben). Danach aber erholt sich das Land wieder. Vielleicht entdecken Sie Anklänge an heutige Zeiten von Trockenheit, Überflutungen und Missernten? Und gilt diese Zusage Gottes nicht allen Menschen?
Fürchte dich nicht, Ackerboden! Freu dich und juble; denn der Herr hat Großes getan! Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Feld! Den das Gras in der Steppe wird wieder grün, der Baum trägt seine Frucht, Feigenbaum und Weinstock bringen ihren Ertrag. Jubelt ihr Kinder Zions, und freut euch über den Herrn, euren Gott! Denn er gibt euch Nahrung, wie es recht ist. Er schickt euch den Regen, Herbstregen und Frühjahrsregen wie in früherer Zeit. Die Tennen sind voll von Getreide, die Keltern fließen über von Wein und Öl. Ich ersetze euch die Ernten, die von der Wanderheuschrecke und der Larve, vom Nager und vom Grashüpfer gefressen wurden, von meinem großen Heer, das ich gegen euch sandte. Ihr werdet essen und satt werden und den Namen des Herrn, eures Gottes, preisen, der für euch solche Wunder getan hat. Mein Volk braucht sich nie mehr zu schämen.
Einleitung zur 2. Lesung 1 Tim 6,6-11
Unsere Gesellschaft ist sehr vom wirtschaftlichen Denken des „Immer mehr“ geprägt. Wir erfahren mit zunehmender Dringlichkeit auch die Kehrseite: Umweltzerstörung, Klimawandel, Verarmung, Fluchtbewegungen. So könnte die heutige Lesung Mahnung werden und Orientierung geben.
Die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn, wenn man genügsam ist. Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. Die aber reich sein wollen, geraten in Versuchung und Verstrickung und in viele sinnlose und schädliche Begierden, welche die Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. Denn die Wurzel allen Übels ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet. Du aber, ein Mann Gottes, flieh vor alldem! Strebe vielmehr nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut.
Einleitung zum Evangelium Lk 17, 11-19
Samariter waren für die damaligen Juden Ausländer und Andersgläubige. Welche Provokation also von Jesus (und Lukas), den Menschen einen Samariter als Vorbild zu geben!
Es geschah auf dem Weg nach Jerusalem. Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Mister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter. Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.
Gedanken:
Am Anfang haben wir den Blick gerichtet auf die eigene „Ernte“. Das, was wir aus eigener Kraft und Vermögen erreicht haben.
Jetzt (dem Beispiel des Samariters folgend) können wir überlegen, was wir von anderen „geerntet“ haben. Vielleicht mit, vielleicht aber auch ohne unser Zutun. Sozusagen die „Geschenke“ dieses Jahres.
- Vielleicht eine Genesung.
- Vielleicht die Erfahrung von Mittragen.
- Vielleicht ein offenes Ohr, ein freundliches Wort, ein Lächeln.
- Vielleicht das Überwinden einer Angst oder einer Krise.
- Vielleicht die Bestärkung einer Hoffnung.
- Vielleicht ein Weg, der sich allmählich eröffnet hat.
Fürbitten:
Gott, du zeigst dich immer wieder mit deiner Menschenfreundlichkeit. Wir bitten dich:
- Lass alle, die zu wenig haben für ein menschenwürdiges Leben, die Solidarität derer erfahren, die zu viel haben.
- Stärke bei allen den Einsatz für mehr Gerechtigkeit unter den Völkern, unter den Religionen, bei den Geschlechtern und den Bildungschancen.
- Ermutige die Ängstlichen und gib ihnen mehr Lebensmut und Zuversicht.
- Heile diejenigen, die an Körper, Seele oder Geist erkrankt sind.
- Begleite die Sterbenden mit deiner fürsorglichen Liebe und Nähe.
Gott, wir haben viele Möglichkeiten, deine Gerechtigkeit zu wirken. Hilf uns dabei durch Jesus Christus, unserem Bruder und Freund. Amen
Andacht: GL 680, 4 (in Auszügen)
Die Schöpfung ist uns geschenkt als Ort des Lebens: unsere Welt – eine einmalige Gabe in der Zeit. Die Erde, unsere Heimat in ihrer Schönheit, aber auch in ihrer Verletzlichkeit, ist uns vom Schöpfer anvertraut.
- Die Sterne, Planeten und Sonnensysteme: von dir gesegnet, guter Gott.
- Unsere Welt – ein Haus des Lebens: von dir gesegnet, guter Gott.
- Die Lebensenergie, die allem innewohnt: von dir gesegnet, guter Gott.
- Milliarden von Menschen – jeder ist und bleibt einzigartig: von dir gesegnet, guter Gott.
- Guter Gott, du hast uns in deiner Schöpfung reich beschenkt. Lass uns ein Segen sein.
- Aufmerksamkeit präge unser Leben, denn unsere Welt ist vielfältig und schön. Lass uns ein Segen sein.
- Achtsamkeit bestimme unser Handeln, denn unsere Welt ist verletzlich und zerbrechlich. Lass uns ein Segen sein.
- Dankbarkeit für das Leben sei unsere Quelle, denn es wurde uns geschenkt. Lass uns ein Segen sein.
- Achtung vor allem Leben sei unsere Haltung, denn jedes Geschöpf hat seine Würde. Lass uns ein Segen sein.
Lied: GL 378: Brot, das die Hoffnung nährt
Vaterunser
Gebet: GL 20,1
Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.
Segen:
Guter Gott, segne die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Lass sie und uns Menschen alle zum Zeichen deiner Menschenfreundlichkeit werden. Lass uns zum Segen werden. So segne uns der gute und liebende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Gottesdienst zum 27. Sonntag im Jahreskreis am 4. Okt. 2026
+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen
Lied: GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
Einleitende Gedanken:
Heute bieten uns die erste Lesung und das Evangelium drastische Bilder für Gott. Er greift strafend und vernichtend ein, wenn sich die Menschen nicht an seinem Wort orientieren. Ein solches Gottesbild ist für uns heute nur schwer erträglich.
In beiden Texten aber geht es um Abgrenzung. Einmal von einem äußeren Feind, einmal von der eigenen Glaubenswurzel.
Und es geht um Orientierung: Woran soll man sich in Zeiten der Gefährdung halten? Was gibt Sicherheit? Wo liegt ein lebbare Zukunftsperspektive?
Auch heute leben wir in Zeiten, die Abgrenzung nötig erscheinen lassen: von politischen Haltungen, von Lebensansichten, von Verhaltensweisen.
Heute erscheint es auch wieder notwendig, Orientierung zu geben. Nicht nur in der Abgrenzung, sondern viel mehr noch im Benennen dessen, wofür man steht, welche Werte wichtig sind, was uns zusammenhält.
Kyrie:
Herr Jesus Christus, du hast klar Position bezogen zu Gunsten der Botschaft von Barmherzigkeit und göttlicher Liebe. Herr, erbarme dich!
Du hast mit deiner integrierenden Kraft die Menschen versöhnt. Christus, erbarme dich!
Du wolltest alle unter der Menschenfreundlichkeit Gottes vereinen. Herr, erbarme dich!
Tagesgebet
Allmächtiger Gott, du gibst uns in deiner Güte mehr als wir verdienen und Größeres, als wir erbitten. Nimm weg, was unser Gewissen belastet, und schenke uns jenen Frieden, den nur deine Barmherzigkeit geben kann.
Einleitung zur 1. Lesung: Jes 5,1–7
Der erste Teil des Buches Jesaja ist im 8. Jahrhundert vor Christus entstanden. Es war eine Zeit der Bedrohung von außen für das Reich Juda im Süden. Das Reich Israel im Norden hatte sich mit Syrien zusammengetan und wollte Juda zum Kampf gegen die Assyrer gewinnen. Jesaja warnt vor politischen Bündnissen und sieht sein Volk vom Untergang bedroht. Er ruft dagegen sein Volk, auf Gott zu vertrauen. Dazu verwendet er viele Bilder. Als seine Botschaft nicht fruchtet, „versiegelt“ er das Wort Gottes, sodass es für spätere Generationen fruchtbar werden kann.
Ich will singen von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg Trauben brächte, doch er brachte nur faule Beeren. Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, richtet zwischen mir und meinem Weinberg! Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, das ich ihm nicht getan hätte? Warum hoffte ich, dass er Trauben brächte? Und er brachte nur faule Beeren! Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: seine Hecke entfernen, sodass er abgeweidet wird; einreißen seine Mauer, sodass er zertrampelt wird. Zu Ödland will ich ihn machen. Nicht werde er beschnitten, nicht behackt, sodass Dornen und Disteln hochkommen. Und den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. Denn der Weinberg des Herrn der Heerscharen ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. Er hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, auf Rechtsverleih – doch siehe da: Hilfegeschrei.
Einleitung zur 2. Lesung Phil 4,6–9
Wieder betont Paulus die Wichtigkeit der Gemeinschaft. Im gemeinsamen Beten und Bitten und im gemeinsamen solidarischen Handeln zeigt sich die Wirksamkeit der Gottesbotschaft.
Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren. Im Übrigen, Brüder und Schwestern: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.
Einleitung zum Evangelium: Mt 21,33–42.44.43
Matthäus schreibt sein Evangelium in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts. Er blickt schon auf die Trennung von der jüdischen Gemeinde zurück. So erklärt sich manche Polemik und Abgrenzung gegenüber der jüdischen Führungsschicht. Erst in jüngster Vergangenheit erkennen wir Christen wieder unsere jüdischen Wurzeln und die Verbundenheit.
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen?
(V. 44) Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.
(V. 43)Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.
Gedanken:
Matthäus ist radikaler in der Abgrenzung gegenüber der Führungselite der Juden als es Markus und Lukas sind. Das entspricht wohl eher seiner (Matthäus) Haltung als der Haltung Jesu.
- Was sind „die Früchte des Reiches Gottes“? Was ist die zentrale Botschaft Jesu?
- Die Führungselite damals (nach Matthäus) brachte keine „Früchte des Reiches Gottes“. Wie ist es mit der heutigen Führungselite?
- Bringen wir (die Christen allgemein – Sie persönlich) die „Früchte des Reiches Gottes“?
- In unserer Leseordnung sind die Verse 43 und 44 vertauscht. Welchen Unterschied macht das? Was verändert sich dadurch?
Ich sehe es so: Matthäus will uns deutlich machen, dass wir nicht viel besser sind als die anderen. Aber er will uns darauf hinweisen, dass wir uns immer wieder neu orientieren können. Darum schreibt er im nächsten Kapitel ein Gleichnis. Das ist das Evangelium des nächsten Sonntags.
Lied: GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
Fürbitten:
Guter Gott, wir denken heute an Menschen aus der eigenen Umgebung: an schwache und kranke – an notleidende und arme – an schuldhafte und der liebevollen Begegnung bedürftige und bitten dich: komm ihnen nahe.
Vaterunser
Gebet:
Guter Gott, wir erheben uns gerne über andere, auch wenn wir nicht besser sind. Öffne unseren Blick für die eigene Schwäche und lass uns barmherziger mit den Fehlern anderer umgehen. Wirke so deinen Frieden und lass Segen werden für uns all. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, der uns Freund und Bruder ist. Amen
Segen:
Guter Gott, lass deinen Segen groß werden in unseren Häusern, in unserer Gesellschaft, auf dieser Erde. Segne die Menschen dieser Welt und wirke durch uns allen dein Heil – du, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.