Kleine Gottesdienste

Gottesdienst zum 2. Adventssonntag am 7. Dezember 2025

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen

Lied: GL 749, 1+2 Das Licht einer Kerze

Einleitende Gedanken:

Das Lied erzählt von Hoffnung. Ein kleines Licht erleuchtet die ganze Nacht. Ein kleines Kind bringt Hoffnung für die ganze Welt.

Hoffnung wird wach, wenn die Umstände schwierig sind. In guten Verhältnissen braucht man keine Hoffnung.

Hoffnung kann sich aber auch nicht einstellen. Sie braucht einen winzig kleinen Anhaltspunkt, an dem sich der kleine Funke Hoffnung entzünden kann.

Manchmal braucht es auch einen, der stellvertretend für andere hofft. Für die, die gerade keine Hoffnung (mehr) haben, aber große Not.

Vielleicht kennen Sie so jemanden?

Vielleicht sind Sie selber gerade sehr bedürftig der Hoffnung?

Alles diese Menschen nehmen wir mit hinein in diesen Gottesdienst.

Kyrie:

Herr Jesus Christus, auf dich haben schon damals die Menschen ihre Hoffnung gesetzt. Herr, erbarme dich!

In deiner Zuwendung hast du die Hoffnung der Menschen auf Rettung und Annahme bestärkt und erfüllt. Christus, erbarme dich!

Du bist auch unsere Hoffnung in schweren Zeiten. Herr, erbarme dich!

Tagesgebet

Menschenfreundlicher Gott, unsere Welt braucht soviel Hoffnung. Öffne unser Ohr und unser Herz für dein Wort, damit wir dort, wo wir leben, zu Boten deiner Hoffnung werden können. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Einleitung zur 1. Lesung: Jes 11, 1–10

Das Ende des Südreichs Juda ist nahe. Die Assyrer sind im Anmarsch und bedrohen das kleine Königreich. Die Vision des Jesaja inmitten aller Bedrohung und Zerstörung zeichnet ein Idealbild. So eine Welt wünschen sich wohl alle Menschen, die inmitten von Trümmern und in Unterdrückung leben müssen. Ein solches Bild kann eine starke Hoffnung entwickeln – und auch Impulse, das Idealbild Wirklichkeit werden zu lassen.

An jenem Tag wächst aus dem Baumstumpf Ísais ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn ruht auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des Herrn. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht, sondern er richtet die Geringen in Gerechtigkeit und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt das Land mit dem Stock seines Mundes und tötet den Frevler mit dem Hauch seiner Lippen. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften und die Treue der Gürtel um seine Lenden. Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus. Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie die Wasser das Meer bedecken. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Ísais sein, der dasteht als Feldzeichen für die Völker; die Nationen werden nach ihm fragen und seine Ruhe wird herrlich sein. 

Einleitung zur 2. Lesung: Röm 15, 4–9

Paulus schreibt seinen Brief wohl um das Jahr 56/ 57 n. Chr. Die „Schriften“ die er erwähnt, ist die Hebräische Bibel. Ein „Neues Testament“ gab es damals noch nicht, die Evangelien entstehen erst einige Zeit später. Was jedoch hinzukommt, sind die Erzählungen und Berichte über Jesus, an denen sich die junge Kirche orientieren soll. Dann können sie zu Hoffnungsträgern für diese Welt werden.

Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schriften Hoffnung haben. Der Gott der Geduld und des Trostes aber schenke euch, eines Sinnes untereinander zu sein, Christus Jesus gemäß, damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einmütig und mit einem Munde preist. Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes! Denn, das sage ich, Christus ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen Diener der Beschnittenen geworden, um die Verheißungen an die Väter zu bestätigen; die Heiden aber sollen Gott rühmen um seines Erbarmens willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich bekennen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen.

Einleitung zum Evangelium: Mt 3, 1–12

Johannes der Täufer lebt in der Wüste. Manche Theologen sehen ihn als Mitglied der Gemeinde von Qumran, die sich losgesagt hat von den Werten dieser Welt. Sie sehen ihre einzige Chance auf Rettung in der Distanzierung von den Menschen. Johannes lebt jedenfalls in größtmöglicher Distanz zur Gesellschaft. Die Adressaten seiner zornigen Predigt sind bei Matthäus die Pharisäer (anders bei Markus und Lukas, ein Vergleich lohnt sich!). Matthäus ruft in seinem Evangelium oft zur Entschiedenheit auf und verwendet dazu extreme Bilder und Aussagen.

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er war es, von dem der Prophet Jesája gesagt hat: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; und er wird seine Tenne reinigen und den Weizen in seine Scheune sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Gedanken:

Matthäus zeichnet ein Bild von Jesus, das in einem Entweder-Oder besteht. Den Weizen sammeln, die Spreu verbrennen. Im „nie erlöschenden Feuer“. Das zieht sich durch bis zur letzten Rede Jesu vor der Passion (Mt 25, 31-46). Ziel ist es immer, die Leser dazu zu bewegen, in den Spuren Jesu zu gehen.

Im Vergleich zu den anderen Evangelien ist jedoch die Prophezeiung des Johannes nicht eingetreten. Jesus war anders. Den Menschen zugewandter. Bei Lukas etwa gibt es viel mehr Heilungen. Jesus ist viel dichter dran an der Lebenswirklichkeit der Menschen, vor allem bei den Schwachen und Ausgegrenzten. Da geht es weniger um Entschiedenheit, sondern mehr um Attraktivität, um freiwilliges Mitgehen, Nachfolge, Nach-tun.

Entschiedenheit bei Matthäus verlangt eine gedankliche Leistung: was bringt mir mehr? Wie will ich enden? Schaue ich auf den jetzigen Vorteil oder das endgültige Heil?

Anders ist es, wenn ich auf den handelnden Jesus schaue. Vor allem, wenn ich mich selbst in meiner Bedürftigkeit sehe. Da kann ich viel mehr Hoffnung, Zuversicht und Zutrauen entwickeln, dass Gott sich mir zuwendet.

Wo erfahren Sie denn Zuwendung?

Durch wen erfahren Sie Zuwendung?

Wie fühlt sich das an?

Welche Gefühle löst das bei Ihnen aus?

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit zum Nachdenken und Nachspüren.

Lied: 365 Meine Hoffnung und meine Freude

Fürbitten:

Jesus Christus, du bist unsere Hoffnung. Auf dich vertrauen wir und bitten dich:

  • Ermutige die Hoffnungsschwachen, Verzweifelnden und die, die an ihrem Leben verzagen.
  • Gib den Kranken viel Lebenskraft und Lebensmut für ihre Heilung.
  • Steh den Suchtkranken bei und auch ihren Angehörigen, die starke Belastungen zu ertragen haben.
  • Gib allen, die in Gesellschaft und Wirtschaft keine Chance haben, die Möglichkeit zu einem menschenwürdigen Leben.
  • Stärke die Solidarität derer, die über großen Reichtum und viel Vermögen verfügen.
  • Begleite die Sterbenden mit deiner Fürsorglichkeit und deiner Freundlichkeit in die Liebe deines Vaters hinein.

Jesus Christus, du bist ein Freund der Menschen, in dir erscheint uns die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes. Öffne unser Herz für deine Gegenwart – darum bitten wir dich heute und alle Tage unseres Lebens. Amen

Vaterunser

Andacht: GL 677, 4 (gekürzt)

Du Gott und Ursprung unseres Lebens: wir hoffen auf dich.

Du Gott und Atem unseres Lebens: wir hoffen auf dich.

Du Gott und Ziel unseres Lebens: wir hoffen auf dich.

Du Gott und Zukunft unseres Lebens: wir hoffen auf dich.

Dein Sohn ist dein endgültiges Ja-Wort zu uns: wir hoffen auf dich.

Dein Sohn hat das Kommen deines Reiches verkündet: wir hoffen auf dich.

Dein Sohn hat Sünde und Tod am Kreuz besiegt: wir hoffen auf dich.

Dein Sohn hat das Tor zur Auferstehung aufgestoßen: wir hoffen auf dich.

Zwischen Angst und Hoffnung leben wir und möchten doch so gern glücklich sein und Sinn erfahren.

Wenn Zweifel und Enttäuschung uns bedrängen: Schenke uns Zukunft und Hoffnung.

Wenn Dunkelheit und Finsternis über uns kommen: Rette uns ins Licht und in die Freiheit.

Wenn Armut und Gewalt die Völker entzweien: Hilf uns zu Gerechtigkeit und Frieden.

Gott, du bist ein Freund des Lebens und willst, dass wir das Leben in Fülle haben.

Mach uns zu Zeugen dieser Botschaft:

Dass wir Vertrauen säen, wo Ängste sind;

Dass wir Mut machen, wo Verzagtheit ist;

Dass wir Kraft schenken, wo Schwachheit lähmt.

Segen: (https://segen.jetzt/)

Gott segne dich! Mit Fragen und Antworten. Durch Hoffnung und Ohnmacht. In Angst und Sehnsucht. Halte dich der, der da ist.

So segne uns und alle Menschen der gute Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

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Gotteslob: Katholisches Gebet- und Gesangbuch; Ausgabe für die Erzdiözese München und Freising; Herausgegeben von den (Erz-)Bischöfen Deutschlands und Österreichs und dem Bischof von Bozen-Brixen.

Biblische Texte zitiert nach: https://schott.erzabtei-beuron.de

Gottesdienst zum 1. Adventssonntag am 30. November 2025

Stellen Sie Adventskranz oder eine Kerze vor sich hin, zünden Sie die Kerze aber noch nicht an.

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen

Lied: 450: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

Einleitende Gedanken:

Nacht: das ist in der Bibel, in vielen Mythen und Märchen ein Bild für Bedrohung, für Verlassenheit, für die Tiefpunkte eines Lebens.

Nacht: das kann auch ein Bild sein für eine eigene Lebenssituation: Krankheit, Verlassenheit, den Zusammenbruch von Lebensträumen, Lebenskrisen.

Nacht: Das ist auch das Bild für Wendepunkte von Leben. „Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tags. Die Mitte der Not ist der Anfang des Heils“ lautet ein alter Hymnus.

Woran denken Sie beim Bild der Nacht?

An welche Menschen denken Sie beim Bild der Nacht?

Zünden Sie jetzt für diese Menschen und auch für sich selber Ihre Kerze an.

Bild: Michael Tress

Lied: GL 749, 1 Das Licht einer Kerze

Kyrie:

Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt. Herr, erbarme dich!

Du hast den Menschen, die dir begegnet sind, Licht in ihr Leben gebracht. Christus, erbarme dich!

Auch wir brauchen dein Licht so dringend in unserer Welt, in unserem Leben. Herr, erbarme dich!

Tagesgebet

Gott, du hast der Dunkelheit der Welt von Anfang an das Licht entgegengesetzt. Auch in den Dunkelheiten menschlichen Lebens war dein Licht erfahrbar. Vor allem dein Sohn Jesus Christus war dein Licht für die Welt. Dir vertrauen wir jetzt unsere Dunkelheiten an durch ihn, Jesus Christus, unseren lieben Freund und Bruder. Amen

Einleitung zur 1. Lesung: Jes 2, 1–5

Der erste Teil des Buches Jesaja ist vor dem Babylonischen Exil geschrieben worden als Warnung vor den Assyrern. Aber aus Zeiten nach dem Exil sind auch Botschaften eingeflossen, die Rettung versprechen, wenn man sich an der Weisung und dem Wort Gottes orientiert, wie es die Verfasser des „Deuteronomistischen Geschichtswerks“ zur Zeit des 2. Tempels aufgeschrieben haben.

Das Wort, das Jesája, der Sohn des Amoz, über Juda und Jerusalem geschaut hat. Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg des Hauses des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Nationen. Viele Völker gehen und sagen: Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn vom Zion zieht Weisung aus und das Wort des Herrn von Jerusalem. Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. Haus Jakob, auf, wir wollen gehen im Licht des Herrn.

Einleitung zur 2. Lesung: Röm 13, 11–14a

Paulus lebt noch in der Erwartung, dass Jesus bald wiederkommen wird in Macht und Herrlichkeit. Unter dieser Perspektive ruft er zu einem Leben auf, das sich am Beispiel Jesu orientiert.

Das tut im Wissen um die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht! Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an.

Einleitung zum Evangelium: Mt 24, 37–44

Kurz vor seiner Passion lässt Matthäus Jesus die Menschen zur Wachsamkeit aufrufen. Aber anders als Markus (der noch sehr viel stärker mit dem baldigen Kommen Jesu rechnete) ruft Matthäus seine Leser dazu auf, ihre Wachsamkeit (im griechischen Wort schwingt auch die „Munterkeit“ mit) in die Tat umzusetzen und aktiv zu werden in einem Lebensstil, der von Gerechtigkeit und Solidarität geprägt ist – gipfelnd in Mt 25, 31-46.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es in den Tagen des Noach war, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut aßen und tranken, heirateten und sich heiraten ließen, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die an derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Gedanken:

Was würden Sie tun, wie würden Sie Ihr Leben gestalten, wenn Sie wüssten, dass es bald vorbei sein wird?

Vor diese Frage sahen sich die Menschen, von denen die Bibeltexte heute sprechen, gestellt.

Die biblischen Autoren rufen dazu auf, sich Gott zuzuwenden. Sie regen an, sich am göttlichen Handeln zu orientieren. Kämpfe und Kriege zu beenden, Gerechtigkeit zu üben, Heilendes zu wirken. So wie etwa Jesus mit seinen Beispielen: den Hungrigen zu essen geben; die Fremden aufnehmen; die Nackten zu bekleiden; die Kranken und die Gefangenen besuchen.

Der Advent ist für viele eine schöne Zeit. Manche haben schon lange einen Adventskranz im Zimmer, einige sogar schon einen Christbaum. Lichterketten leuchten, Sterne sind an den Fenstern. Manchmal gibt es am Abend eine besinnliche Zeit, etwa mit dem Adventskalender. Das alles ist schön und wärmt das Herz und die Seele.

Und doch ist es weit weg von der biblischen Botschaft. Die Heilige Schrift macht die Augen nicht zu – sondern ganz weit auf – für das Leben der Menschen. Besonders für die im Dunkel, auf der Schattenseite des Lebens. Stört damit Idylle. Ja mei!

Schauen wir es uns mal von der anderen Seite an. Von der Seite der Kranken, der Einsamen, der Gefangenen (auch denen, die in sich selbst gefangen sind, in ihren Prägungen, in ihren Lebensumständen etc.), der Opfer, der Abgehängten etc.

Was könnte Advent für sie bedeuten?

Die Hungrigen finden eine Tafel. Die Kranken und Einsamen werden besucht. Auch die Gefangenen. Man sieht nicht nur die Täter, die Opfer geraten in den Blick: in den Blick des Mitgefühls, des Trostes, der Solidarität.

Diese Beispiele Jesu lassen sich mit Blick auf unsere Welt und auf unsere Gesellschaft beliebig erweitern. Wir müssen „nur“ die Augen aufmachen.

Wach sein. Wachsam sein. Christ sein.

Christsein zeigt sich nicht in markigen Worten, in Machtgebaren, in Jubelgottesdiensten, in inniger Besinnlichkeit.

Christsein zeigt sich gegenüber dem Nächsten und dem Fernsten.

Christsein zeigt sich in den wachen Augen, dem offenen Herzen, den helfenden Händen, dem verstehenden Ohr, dem sprechenden Mund.

Christsein zeigt sich auch im Beten für…. Das zumindest können wir immer tun.

Lied: 221 Kündet allen in der Not

Fürbitten:

Christsein zeigt sich (auch) im Beten für andere. Das wollen wir jetzt tun und rufen zu unserem Gott:

  • Tröste alle, die Opfer geworden sind: Opfer von Gewalt, Opfer von Prägungen, Opfer von Nachlässigkeiten oder Opfer von Überforderungen.
  • Schau auf die, die in ihrem Leben oft übersehen werden, deren Anstrengung nicht gewürdigt wird, die in den Augen anderer keine Bedeutung zu haben scheinen.
  • Zeig dich mit deiner Liebe all denen, die daran zweifeln, von anderen geliebt zu werden; die sich unglaublich anstrengen für ein Lächeln oder einen Herzensblick; die bedürftig sind nach Verständnis und Angenommensein.
  • Besuche die Kranken in der Gestalt freundlicher und geduldiger Menschen und unterstütze sie in ihrer Heilung oder darin, ihre Krankheit annehmen zu können.
  • Begleite die Sterbenden mit einer versöhnlichen und barmherzigen Geste auf ihrem Weg in deine himmlische Nähe.

Guter Gott, wir freuen uns darauf, dass du in unsere Welt kommst. Wir haben deine Gegenwart so bitter nötig. Zeige dich immer wieder in unserem Leben, darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren lieben Freund und Bruder. Amen

Andacht: (Katholisches Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 328, 4; gekürzt)

Jemand muss zu Hause sein, Herr, wenn du kommst. Jemand muss nach dir Ausschau halten, Tag und Nacht.

Wir sind nicht immer zu Hause, Herr, uns selbst fremd, einander fremd, irren wir in der Fremde umher.

Jemand muss wachen, unten an der Brücke, um deine Ankunft zu melden, Herr. Du kommst ja doch in der Nacht wie ein Dieb.

In der Nacht kommst du, in der Dunkelheit; wo man nichts sieht, sagst du, im Dunkel des Glaubens also, wo die Hoffnung, wo die Liebe zum Leuchten kommen. Über die Brücke der Sehnsucht kommst du zu uns. Das steht fest.

Wachen ist unser Dienst, wachen. Auch für die Welt.

Gebet:

Guter Gott, du kommst in unsere Welt. Oft unbemerkt, oft übersehen, oft im Vorübergehen. Öffne unsere Herzen für deine Präsenz in den kleinen, alltäglichen Begegnungen. Lass uns dich erkennen im freundlichen Blick des anderen, im Lächeln der Frau, die an uns vorbeigeht, in der Fröhlichkeit eines Kindes, in den Schmerzen der Kranken, in der Einsamkeit des alten Menschen. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen

Segen:

Guter Gott, segne mich und alle Menschen dieser Welt und schenke uns allen dein Heil – du, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

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Gotteslob: Katholisches Gebet- und Gesangbuch; Ausgabe für die Erzdiözese München und Freising; Herausgegeben von den (Erz-)Bischöfen Deutschlands und Österreichs und dem Bischof von Bozen-Brixen.

Katholisches Gesangbuch, Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz, herausgegeben im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz, Zug 1998

Biblische Texte zitiert nach: https://schott.erzabtei-beuron.de

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