Advent 2022: 3. Adventswoche

Der Advent ist eine Sehnsuchtszeit. Sehnsucht nach einem vollkommenen Leben. Und zwar für alle, nicht individualistisch. Ich möchte für die Adventssonntage den Blick auf die großen Themen unserer Zeit legen und Impulse aus dem Glauben suchen.

3. Adventswoche: sozialer Zusammenhalt

Eine der großen Herausforderungen bei uns in Deutschland (aber auch anderswo) ist der soziale Zusammenhalt. Ich habe schon in der letzten Woche die „Abgehängten“ erwähnt. Aber auch Kinder, die es mit der Bildung schwer haben oder Senior*innen, die der Fürsorge und der Pflege bedürfen, machen die Wichtigkeit eines Zusammenhalts sichtbar. Und zwischen diesen beiden Polen gibt es viele Lebenssituationen (Frauen, Alleinerziehende, Migranten, Traumatisierte …), die einen Unterstützungsbedarf haben. Aber welche Art von Unterstützung ist jeweils nötig?

Es gibt bei uns sehr viele Menschen, die ansprechbar sind durch die Notlage anderer. Ich habe in meinem letzten Beitrag die vielen Ehrenamtlichen erwähnt. Viele Menschen lassen sich die Not anderer zu Herzen gehen. Das war 2015 so, als viele Asylsuchende bei uns ankamen. Das war dieses Jahr so gegenüber den Frauen und Kindern, die Sicherheit vor dem Krieg suchten. Da haben wir ein sehr offenes Herz gezeigt. Es gibt auch alltägliche Beispiele: Ehrenamtliche in den Sportvereinen, im Besuchsdienst, bei den Kommunen und Wohlfahrtsverbänden, in der Nachbarschaftshilfe … Nicht zu vergessen die vielen, die von ihrem Vermögen andere mit Spenden unterstützen.

Sozialer Zusammenhalt ist wichtig und auch immer bedroht. Von außen (etwa durch Krieg und Terror) oder durch innen (etwa durch Fake News, Neid, Hass). 

Bedrohungen gab es auch schon zu Zeiten der Bibel. Wer damals den Zusammenhalt bedrohte (ob willentlich oder nicht), wurde ausgegrenzt – zum Schutz der größeren Gemeinschaft. Ich denke dabei an Sünder, an Aussätzige, an Straffällige.

Jesus geht den umgekehrten Weg zur Ausgrenzung. Er holt die Ausgegrenzten wieder zurück, macht sie wieder salonfähig. Bietet ihnen die Hand zur Umkehr und Rückkehr. Bietet ihnen neue Gemeinschaft mit festem Zusammenhalt. So etwa bei Zachäus; bei der Sünderin, die ihm die Füße wäscht; beim „Besessenen“ von Gerasa oder den zehn Aussätzigen, die er heilt; usw…

Ausgegrenzt zu werden, das war auch die Erfahrung der jungen Kirche. Die junge Christengemeinde wurde etwa in der Mitte des ersten Jahrhunderts aus der Synagoge ausgeschlossen, weil sie nicht mehr dem Glauben der Juden entsprach. Aber die Christen haben in Jesus eine neue Gemeinschaft erfahren und einen starken Zusammenhalt quer durch alle Bevölkerungsschichten, quer durch ganz Kleinasien und Südeuropa. Ein Beispiel für diesen Zusammenhalt sind die Sammlungen für notleidende Menschen und Gemeinden, von denen die Apostelgeschichte berichtet. So hat sich eine schlimme Erfahrung gewendet.

Das ist etwas, das uns selber auch gut tut, wenn jemand die Hand ausstreckt in unsere Richtung und zeigt: „Wir gehören zusammen.“ Wenn wir durch den Zusammenhalt erfahren, dass schwere Lebenssituationen bestanden werden können. Wenn wir erfahren, dass wir im Miteinander mehr sind denn als Einzelne. Es tut auch anderen gut, wenn sie Solidarität und Zusammenhalt durch uns erfahren. Sei es durch ein freundliches Lächeln, durch ein offenes Ohr, durch eine hilfreiche Geste …. Bestimmt haben auch Sie selbst gute Kompetenzen und Ideen!

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5. Dezember 2022: Tag des Ehrenamts

Heute, am 5. Dezember, ist der Tag des Ehrenamts. Menschen, die sich freiwillig sozial, gesellschaftlich, politisch oder kirchlich engagieren, sind unersetzlich für unsere Gesellschaft, mehr noch: sie sind ein Segen!

Leider wird dabei allzu oft übersehen, dass ein solches Engagement auch im familiären Bereich stattfindet – nämlich in der Pflege von alten und/ oder dementen Angehörigen oder Zugehörigen. Aber diese machen immerhin ca. 3/4 aller Pflegenden aus. Der Zeitaufwand ist gigantisch, der Kraftaufwand ebenso. Außerdem sind oft auch mehrere Personen mit einem Pflegebedürftigen beschäftigt. Der Umfang der Dienstleistungen ist erheblich: Körperpflege, Haushaltsunterstützung, sozialer Kontakt, Fahrdienste, Besorgungen, Hilfe bei Beantragungen von …, Hilfe bei den Mahlzeiten oder der Medikamenteneinnahme etc.

Auch die Menschen, die als Besuchsdienst oder als Hospizbegleiter tätig sind, möchte ich heute hervorheben. Das ist oft sehr bereichernd, aber eben auch anstrengend.

Ihnen allen sage ich ein kräftiges „Vergelts Gott!“ und wünsche ihnen viel Freude, Kraft und Gottes Segen.

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Advent 2022: 2. Adventswoche

Der Advent ist eine Sehnsuchtszeit. Sehnsucht nach einem vollkommenen Leben. Und zwar für alle, nicht individualistisch. Ich möchte für die Adventssonntage den Blick auf die großen Themen unserer Zeit legen und Impulse aus dem Glauben suchen.

2. Adventssonntag: Gerechtigkeit

Im Zuge der Pandemie ist es unübersehbar vor unser aller Augen: die Welt ist nicht gerecht. Die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich immer mehr, viele Menschen in unserem Land erleben sich als abgehängt und abhängig. Abgehängt oder abhängig von Arbeitsplätzen, abgehängt oder abhängig von Informationen, abgehängt oder abhängig von Zuwendungen, abgehängt oder abhängig von sozialen Kontakten…. Andere, die (etwas) mehr auf der Sonnenseite leben, sind besorgt, ihren Status zu erhalten. Gerecht ist was anderes.

Vielleicht hilft hier ein Blick auf das biblische Verständnis von „Gerechtigkeit“. Das ist in der Bibel kein Begriff aus der Rechtsprechung. „Gerechtigkeit“ im Sinne des Ersten Testaments bedeutet, dass jeder so viel hat, dass er gut leben kann. Das umfasst nicht nur die materielle Grundlage, sondern auch die Gesundheitsfürsorge, den sozialen Zusammenhalt und auch die spirituelle Dimension. Die „Gerechtigkeit Gottes“ setzt sich dafür ein, dass wir Menschen solche Verhältnisse schaffen, in denen jede und jeder so viel hat, dass er gut leben kann. Dazu gibt es die vielen (und nicht nur die zehn) Gebote, die vor allem durch die Priesterschrift nach dem Exil in Babylon entstanden sind. Ausdrücklich wird dabei immer wieder auf die globale Geltung hingewiesen: bei der Gerechtigkeit geht es nicht nur darum, dass es dem Volk Israel gut geht, sondern um alle Menschen. Nötig ist also eine Veränderung des Blickwinkels, weg vom Eigenen, Nationalen – hin zum Globalen und Universalen. Gott wird laut und deutlich, mal mahnend, mal hinweisend, mal fordernd. Immer wieder wird so seine Gerechtigkeit zu dem Markenzeichen Gottes, zum Zentralbegriff der Bibel.

Heute sehen wir sehr viel weiter als vor 2000 – 3000 Jahren, als das Erste und das Zweite Testament entstanden sind. Wir sehen Menschen rund um die Welt, auch wenn sie im Amazonasgebiet oder im Hindukusch leben oder in Zentralchina. Wir sehen die Auswirkungen unseres Handelns und unseres Unterlassens für die Zukunft – für unsere Kinder und Enkelkinder. Gerechtigkeit im biblischen Sinne bekommt also eine sehr viel größere Dimension. Wir bekommen und haben eine sehr viel größere Verantwortung. Wir erleben, dass das den Einzelnen übersteigt und überfordert, wir sind als Gemeinschaft gefordert und gefragt. Und zwar bei uns (Stichwort: Armut, Geschlechtergerechtigkeit, Generationengerechigkeit) und auch weltweit (Stichwort: Kriege, Hungersnöte, Verteilungsgerechtigkeit) – über alle Grenzen politischer, wirtschaftlicher und auch religiöser Natur hinweg.

Aber Gott sagt uns diese Gerechtigkeit auch zu. Wir haben ihn, Gott, nicht nur als Ursprung und als Fordernden, sondern auch als Unterstützer. Das kann uns im Advent auch (wieder) bewusst werden, wie Gott mich und uns alle dabei unterstützt, für gerechte Verhältnisse zu sorgen.

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Fachstelle für Senioren im Landratsamt Mühldorf

Ich übernehme einen Hinweis des Landratsamts Mühldorf, um Senior*innen auf die Stelle hinzuweisen, bei der sie alle mögliche Unterstützung bekommen können. Die Fachstelle für Senioren ist nämlich umgezogen.

Hier der Hinweis des LRA:

Fachbereich Soziales und Senioren zieht um.

Der Fachbereich Soziales und Senioren des Landratsamts ist ab dem 24. November in neuen Räumlichkeiten in der Schillerstraße 33 (1. Obergeschoss) in Mühldorf a. Inn zu finden. Darunter fallen die Bereiche Bafög, Wohngeld, Sozialhilfe, Bildung und Teilhabe, Betreuungsstelle und Rentenberatung. Auch die Anlaufstelle des Pflegestützpunkts wird zukünftig dort verortet sein.

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Advent 2022: 1. Adventswoche

Der Advent ist eine Sehnsuchtszeit. Sehnsucht nach einem vollkommenen Leben. Und zwar für alle, nicht individualistisch. Ich möchte für die Adventssonntage den Blick auf die großen Themen unserer Zeit legen und Impulse aus dem Glauben suchen.

1. Adventssonntag: Gesundheit

Seit knapp drei Jahren hält uns „Corona“ in Atem. Diese Krankheit überdeckt aber so viele andere Krankheiten, unter denen Menschen auch leiden und leben. Aber Corona hat uns allen (?) bewusst gemacht, welch vielfältige Dimension eine auch noch so kleine Erkrankung haben kann. Sie isoliert von anderen Menschen (und sei es auch „nur“ ein Fieber, das uns ins Bett zwingt) – sie beeinträchtigt das seelische Wohlbefinden– sie erfordert manchmal eine Umstellung der Lebensweise – sie bringt manchmal auch eine Frühverrentung mit sich einschließlich aller finanziellen Folgen – sie drängt manchmal zu einem Lebensrückblick ….

In der Bibel wird Krankheit nie verschwiegen. Sie ist ein fester Bestandteil menschlichen Lebens. Die sog. „Gottesknechtlieder“ im Jesajabuch handeln von einem „Mann der Schmerzen, mit Krankheit vertraut“. Darin können sich auch heutige Menschen wiederfinden, etwa in der Verachtung und Verlassenheit.

Bei mancher Erkrankung haben wir heute ein anderes Verständnis von Krankheit. So interpretieren wir heute Krankheit nicht als mehr Schuld oder als Strafe (Gottes). Das ist eigentlich mit dem Buch Hiob passé, als Gott selbst sich gegen diese Deutung ausspricht. Wir reden ebenfalls nicht mehr von Dämonen und Besessenheit, wenn es um psychische Erkrankungen geht.

Die Bibel erzählt auch davon, wie man mit einer Krankheit leben kann. Die „blutflüssige Frau“ (Mk 5, 25ff) etwa hat alles unternommen und trotz der Erfolglosigkeit aller Maßnahmen ihren Lebensmut und ihre Zuversicht nicht verloren. Der Gelähmte am Teich von Betesda (Joh 5) hat auch nach 38 Jahren immer noch Hoffnung auf Heilung. Jesus wird vor allem im Lukasevangelium als Arzt vorgestellt, der viele Kranke heilt. Darin liegt ihre Hoffnung.

Dass alle Krankheiten beseitigt werden, ist eine Hoffnung, die sich nicht in diesem Leben erfüllen wird. Aber der Blick auf die Resilienz, die in der Bibel ausgedrückt und erzählt wird, kann vielleicht die Hoffnung stärken, dass auch ich Heilung (in einem sehr viel umfassenderen Sinne, das Zweite Testament spricht von „Rettung“) erfahren werde. Etwa in der Solidarität von Menschen in meinem Umfeld. Oder in der Erfahrung, dass ich für andere wichtig bin (in dem, wie ich mit meiner Krankheit lebe). Oder in der Kraft, die mir doch immer wieder – wenn auch vielleicht nur kurzfristig – zukommt.

Als gesunder Mensch kann das Beispiel Jesu mir helfen, mich den kranken Menschen um mich herum mit Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Wohlwollen und Geduld zuzuwenden. Vielleicht schon in der ersten Adventswoche.

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Demenzratgeber des ZQP

Das Zentrum für Qualität in der Pflege ZQP hat einen Ratgeber für Angehörige von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, herausgegeben. Darin wird zunächst beschrieben, was unter „Demenz“ verstanden wird. Außerdem gibt es auf sehr anschauliche Weise Anregungen, wie Angehörige mit ihrem Kranken umgehen können. Und schließlich werden Unterstützungsangebote benannt.

Den Ratgeber kann man kostenfrei herunterladen unter folgendem Link:

https://www.zqp.de/demenz-umgang/#cookieBanner

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Bibel und Leben im Gespräch

Die Seelsorgerin für die Senior*innen im Landkreis Mühldorf Marianne Kaltner lädt alle Menschen ab der Lebensmitte ein zu einem Glaubensgespräch. Es findet statt am Mittwoch, den 23. November von 9 – 11 Uhr im Kloster Zangberg und hat ein sehr interessantes Thema: Das Reich Gottes – nur ein Traum?

Marianne Kaltner schreibt in ihrem Flyer:

Flyer von Marianne Kaltner

Bitte beachten Sie den Wunsch nach einer Anmeldung bei M. Kaltner!

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Präventive Hausbesuche

Ich hatte ja vor zwei Jahren schon Mal das niederländische Projekt der „Küchentischgespräche“ vorgestellt. Es zielt darauf ab, schon präventiv, also bevor ein Pflegefall eintritt, einen Bedarf für Unterstützung herauszufinden. Auch in Deutschland gibt es dazu erste Projekte.

Jetzt hat der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. devap ein Positionspapier veröffentlicht. Darin stellt er den wachsenden Bedarf an solchen Präventionsmaßnahmen dar und zeigt auf, wie wichtig dafür qualifizierte Ansprechpartner sind. Sie verfügen über Wissen bzgl. der Hilfsmöglichkeiten und sind gut vernetzt.

Ich meine, es ist eine gute Anregung, in Kommunen und Kirchengemeinden über die Menschen mit evtl. Unterstützungsbedarf nachzudenken.

Wer das Positionspapier lesen möchte, findet es unter folgendem Link:

https://www.devap.de/news/devap-pressemitteilung-flaechendeckende-implementierung-des-praeventiven-hausbesuchs-devap-fordert-den-praeventiven-hausbesuch-als-gkv-leistung-einzufuehren/

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Was soll von mir bleiben?

Besinnlicher Vormittag in Niederbergkirchen

Die Seniorenseelsorgerin für den Landkreis Mühldorf Marianne Kaltner bietet in Kooperation mit dem Haus der Familie in Niederbergkirchen einen besinnlichen Vormittag an. Er findet am

8. November 2022 von 9.00 – 11.00 Uhr im Pfarrheim in Niederbergkichen

statt. Eingeladen sind alle Menschen ab der Lebensmitte, besonders auch die Bewohner*innen der Seniorenheime. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Marianne Kaltner schreibt im Flyer:

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Allerheiligen 2022

In einer Woche gedenken wir aller Heiligen. Wir tun es wie immer in einer Welt voller Un-heil. Natürliches Unheil wie Krankheiten und menschengemachtes Unheil wie Krieg, Gewalt, Übervorteilung, Ungerechtigkeit, Diskriminierung.

Was also kann „Allerheiligen“ bedeuten?

Wir denken an die vielen Namenlosen, die dennoch „heilg“ waren. Sie waren es, weil sie ihr Leben im Bewusstsein des menschenfreundlichen Gottes gelebt haben. Nicht fehlerfrei, nicht ohne Versagen, manchmal nach Umwegen und dem Durchschreiten von Abgründen.

Gerade darin aber auch ein Beispiel, dass Veränderung (biblisch: Umkehr) möglich ist.

Gerade darin aber auch ein Hoffnungszeichen für Gottes Barmherzigkeit.

Gerade darin aber auch ein Impuls für unser jetziges Leben: es mit aller zur Verfügung stehenden Kraft (trotz und in aller Begrenztheit) zur Sichtbarmachung der Menschenfreundlichkeit Gottes zu versuchen.

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