Das Leben der Senior*innen in der Coronazeit

Was könnte ein/e Seniorenbeauftragte/r in dieser Zeit für und mit den Senior*innen tun?

Seit Anfang März 2020 gibt es bei uns die vielfältigen Beschränkungen. „Social distancing“ – die soziale Distanz also – war angesagt. Dabei ging es doch eigentlich „nur“ um eine körperliche Distanz! Aber viele – und nicht nur Senior*innen – haben sich lange daran gehalten.

Ich selber habe mich nicht an die soziale Distanz gehalten. Ich habe viel telefoniert. Ich habe viele Mails geschrieben. Mit der Familie habe ich geskypt. Ich habe jedoch niemanden besucht. Meine Termine habe ich abgesagt – oder sie wurden von anderen abgesagt. Erst seit etwa einem Monat gehen Wiedersehen von Angesicht zu Angesicht. Ich spüre dabei, wie wichtig ein solcher Kontakt ist. Ich habe auch gemerkt, wie über-lebens-notwendig die Telefonate waren. Es gab viel Redebedarf. Und es gibt ihn immer noch.

Was könnte in dieser Zeit die Aufgabe eines kommunalen oder pfarreilichen Seniorenbeauftragten sein? Vielleicht nicht viel anders als meiner. Kontakthalten zu den Senior*innen vor Ort (die die Seniorenbeauftragten sicher besser kennen als ich). Sie werden auf große Dankbarkeit stoßen und viele Geschichten. Persönliche Geschichten, Geschichten des Ortes. Geschichten von Herausforderungen und von der Bewältigung dieser Herausforderungen. Geschichten von Gelassenheit, aber auch von Besorgnis und Angst. Isolationsgeschichten und Vernetzungsgeschichten.

Seniorenbeauftragte waren (und sind vielleicht immer noch) selbst Vernetzer: mit Hilfebedarf und mit Hilfsangeboten. Denn die gab und gibt es auch, manchmal initiiert von Seniorenbeauftragten. In den Gesprächen mit den älteren Menschen taucht dann vielleicht auch ein Bedarf auf, den man sonst leicht übersehen kann. Wo braucht es einen Fahrdienst, etwa zum Arzt? Wo braucht es ein häufigeres Gartenzaungespräch? Wo braucht es eine kleine handwerkliche Hilfestellung? Wo braucht es vielleicht einen Pflegedienst oder einen Besuchsdienst?

Seniorenbeauftragte lernen so auch die Potenziale in ihrem Ort kennen. Senioren können sich gegenseitig anrufen, sie brauchen dazu manchmal nur einen kleinen Anstoß. Senioren können schreiben – Karten, Briefe – und brauchen dazu nur einen kleinen Anstoß. Senioren können einander das Grab gießen, Senioren können einander an das Trinken erinnern oder sich zu einem „fernmündlichen Kaffeekranzerl“ verabreden. Der Anstoß, die Idee könnte von den Seniorenbeauftragten kommen.

Vielleicht gibt es im Ort auch Musiker, die an einem zentralen Platz, in einem Park, vor dem Rathaus oder der Kirche ein Open-Air-Konzert geben und die Senioren können gefahrlos, weil mit Abstand, zuhören.

Gefragt ist also der Mut und die Kreativität der Seniorenbeauftragten, die möglichen Spielräume zu sehen und zu füllen mit Leben – zu Gunsten der Senioren ihres Ortes.

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