Lebenswenden begehen

Bei einer Tagung bin ich neulich mit dem Thema „Lebenswenden“ in Berührung gekommen. Wir dachten dabei zunächst an die bekannten: Geburt – Pubertät – Erwachsenwerden – Heirat, Kinderbekommen – Altwerden – Sterben.

Daneben gibt es aber natürlich viele Ereignisse, in denen sich Leben wendet, wo das „Vorher“ sich wandelt in ein „Nachher“ und wo das „Nachher“ ganz anders ist als das „Vorher“.  Solche Ereignisse sind etwa ein Unfall oder eine Krankheit, ist die Erfahrung eines Verlustes – z. B. eines Menschen (durch Trennung, Scheidung, Tod) oder einer Arbeit oder von Lebenssinn. Eine Lebenswende ist auch immer mit einem Umzug gegeben, vor allem der Umzug in ein Seniorenheim (aber nicht nur). Manche Menschen teilen ihr Leben ein in ihre Wohnorte.  Auch der Wechsel von Arbeitsstelle und Beruf (manchmal auch in eine Arbeitslosigkeit hinein) wendet das Leben einschneidend. Aus meiner Erfahrung in der Fachklinik Annabrunn möchte ich auch  Heilungsprozesse, etwa im Rahmen einer Therapie, als Lebenswende sehen.

Wie gehen wir nun mit diesem Lebenswenden um? Kirchlicherseits haben wir die Sakramente, die – zumindest an manchen markanten Stellen – Hilfe und den Segen Gottes anbieten. Viele Wendepunkte gehen aber in der Planung und im Organisatorischen auf. Hier wäre es vielleicht hilfreich, nach einer gewissen Zeit inne zu halten und mal zu überlegen, was dieser Wechsel jetzt für eine Bedeutung hat für die Betroffenen. Damit meine ich nicht nur die unmittelbar betroffenen Menschen, etwa das Unfallopfer, sondern alle, die mit ihm in einer (engen) Beziehung leben, die Familie etwa.

Ich möchte dann auch anregen, das in einem kleinen Ritual zu begehen. Hier haben wir natürlich alle Freiheiten und Platz für Kreativität. Es wird sich auch je nach Anlass unterscheiden. Beim Umzug mag es ein gemütliches Kaffeetrinken sein, beim Arbeitsplatzwechsel gibt es vielleicht auch daheim einen „Einstand“, bei überstandener Krankheit und Krise ein Rückblick auf die schwere Zeit und all das, was geholfen hat, sie zu überstehen. Gläubige Menschen können dabei sicher auch ein kleines Gebet sprechen, Gott danken, Gott um Beistand bitten… In der Krise und Krankheit möchte ich zur Klage ermutigen, auch das ist eine Möglichkeit, Lebenswenden zu begehen.

Für den Eintritt ins Seniorenalter (wann immer man das ansetzen mag) habe ich einen Segensgottesdienst entworfen. Man kann ihn daheim feiern oder (einmal im Jahr) auch als Gemeindegottesdienst. Wer daran Interesse hat, darf sich bei mir melden.

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