Gedanken zur Karwoche

In der Vorbereitung auf einen (leider ausgefallenen) Einkehrvormittag habe ich überlegt, was wir an jedem einzelnen Tag vom Palmsonntag bis zum Ostertag feiern. Für die meisten Tage gibt uns das der liturgische Kalender vor:  Der triumphale Einzug in Jerusalem – das Paschamahl am Gründonnerstag mit anschließendem Verrat im Garten Gethsemani – Folter, Verurteilung und Hinrichtung am Karfreitag. Selbst die Grabesruhe am Karsamstag begehen wir in stillen Gebetsstunden bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht.

Aber was war von Montag bis Mittwoch? Meine erste Antwort war: grauer Alltag, nichts Besonderes. Ein Blick in die synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) hat mir allerdings etwas völlig anderes gezeigt. Es waren Tage von höchster Aktivität Jesu. Hier verdichten sich alle Konflikte. Erzählt werden die Verfluchung des Feigenbaumes, die Tempelreinigung, die Worte gegen die Pharisäer, die Auseinandersetzung um die Vollmacht Jesu, die Frage nach Weltgericht und Auferstehung, die Prophezeiung großer Not. Auch die Frage nach dem wichtigsten Gebot findet sich hier. Mir scheint, Jesus lässt keine Gelegenheit zur scharfen Konfrontation aus. In seinen Worten zeigt sich viel Mut und Klarheit – so ist es kein Wunder, dass viele sich von ihm provoziert fühlen und an ihm Anstoß nehmen.

Aber wozu diese Provokationen? Doch wohl nicht um der Provokation willen. Ich denke, es geht um das zentrale Gebot: Gott zu lieben und den Nächsten und sich selbst. Es geht um Orientierung, Hingabe, Verantwortlichkeit, Authentizität.

Ich nehme mir vor (gerade weil mir dieser Mut zur Auseinandersetzung oft fehlt), an jedem dieser drei Tage einen Abschnitt dieser Evangelien zu lesen und zu bedenken. Ich hoffe, dadurch noch intensiver in die Bewegung dieser für mich zentralen Tage hinein zu kommen, in denen sich das ganze Leben verdichtet darstellt. Bestimmt muss ich mir dann auch die Frage stellen: Worauf kommt es an? Wofür setze ich mich ein? Wofür stehe ich ein? Vielleicht bekommt dann Karfreitag und Ostern noch mal eine etwas andere Färbung als bisher.

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