Zum Welttag der Flüchtlinge

Die Welt rückt am „Welttag der Flüchtlinge“ die Geflohenen und Heimatvertriebenen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. In diesem Jahr sind das fast 70 Millionen Menschen weltweit. Unser (europäischer) Blick ist scharf gestellt auf diejenigen, die bis nach Europa und in unser Land kommen. Das ist jedoch lediglich ein kleiner Bruchteil. Die meisten Geflohenen finden Zuflucht in ihrem Heimatland oder in den Nachbarländern, die jedoch wie etwa Pakistan, Bangladesch oder der Libanon zu den ärmsten Ländern der Welt zählen.

Unsere eigene deutsche Geschichte ist ebenfalls geprägt von Flucht und Vertreibung – etwa im Zuge des 2. Weltkrieges. Gerade viele ältere Menschen (überwiegend die Frauen) erzählen davon, wie schwer es war, die Heimat zu verlassen, auf ungewissen und gefahrvollen Wegen sich zu bewegen und dann irgendwann und irgendwo unter schwierigen Verhältnissen anzukommen und wieder so etwas wie Heimat zu finden.

Das scheint mir gar nicht so ganz anders zu sein als das, was wir heute erleben. Sicher: die Sprache hat damals eine erste Brücke geschlagen. Aber die Erfahrung der Integration war auch vor 70 Jahren schon schwer – und zwar für beide Seiten. Diese Erfahrungen könnten unseren heutigen Umgang mit Fliehenden prägen. Drum meine dringliche Bitte: erzählt von Euren Erfahrungen von damals!!!

Was mich z. Zt. besonders bedrückt, ist die Sprache, mit der die Thematik der Flucht belegt wird. Banalisierend zum einen („Flüchtlingstourismus“), dramatisierend („Überfremdung“) auf der anderen Seite.  In der Sprache zeigt sich, wie sehr Schicksale, Menschen, Gruppen für ganz andere Interessen (Einfluss, Macht, Stimmung) missbraucht werden. Völlig in den Hintergrund des öffentlichen Bewusstseins gedrängt werden dabei die Menschen, die sich engagieren für die Integration, für ein gedeihliches Zusammenleben, für den Wunsch, irgendwo bei uns wieder so etwas wie Heimat zu finden.

Gerade mit Blick auf unsere so oft beschworene „jüdisch-christliche Prägung“ lohnt ein Blick in die Bibel: „Dein Vater war ein heimatloser Aramäer“  etwa oder noch deutlicher in Levitikus 19,33-34: „Wenn bei Dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“

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