Gedanken zum 2. Advent 2018

Für die diesjährige Adventszeit orientiere ich mich an den alttestamentlichen Lesungen im Lesejahr C der katholischen Kirche und mache mir Gedanken zu einem Themawort dieser Schriftstellen.

Am 2. Adventssonntag ist der Prophet Baruch dran. Im Kapitel 5 heißt es im Vers 1: Lag ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht.

Das Kleid der Trauer und des Elends: Da denke ich an so einige Menschen, die wirklich im Elend leben. Ich kenne niemanden persönlich, der im wirtschaftlichen Elend leben würde (aber ich weiß natürlich, dass es das gibt – bei uns und auch weltweit). Ich kenne aber sehr wohl Menschen, die in einem psychischen Elend leben. Das tun sie oft schon jahre- und jahrzehntelang. Es prägt ihr Leben, jeden Tag. Die Ausstellung HALT FINDEN erzählt davon. „Elend“ ist dabei etwas anderes als „Armut“ oder „Belastung“. Elend heißt, dass es diesem Menschen existenziell schlecht geht, dass sein Leben an die Substanz geht, dass das Leben als Ganzes auf dem Spiel steht. Auch „Trauer“ bezeichnet ja ein sehr grundlegendes Gefühl (zur missbräuchlichen Verwendung der „Trauer“ siehe einen meiner früheren Artikel aus dem Herbst 2018). Bei einer tieftiefen  Trauer kommt das Leben ebenfalls nahezu zum Stillstand, gerät an die Grenze des Lebens.

Baruch sagt in der Lesung dem trauernden und elenden (im ursprünglichen Sinn von: in der Fremde lebend) Volk Israel und der Stadt Jerusalem das Ende dieses grenzwertigen Zustandes zu. Der Verfasser dieser Schrift schaut schon darauf zurück, dass das Elend und die Trauer der Babylonischen Gefangenschaft vorbei ist, er sieht Jerusalem schon im „Schmuck der Herrlichkeit“. Aus dieser Erfahrung schöpft der Verfasser Mut und Hoffnung für kommende schwere Zeiten.

Schmuck der Herrlichkeit: Das wird wohl keine hochpreisige Markenkleidung irgendwelcher angesagter Modedesigner sein oder Schmuck aus den teuersten Boutiquen. Ich verstehe das als den inneren Schmuck eines jeden Menschen. Ich verstehe darunter seine Persönlichkeit, seine Würde, seine Integrität – theologisch: seine Gottesebenbildlichkeit. Das ist etwas, das uns niemals genommen werden kann – weder durch Elend oder Gewalt oder Schicksalsschlag. Freilich wird in unserer Welt viel getan, damit Menschen den Glauben an diese innere Größe verlieren (etwa durch Demütigung, Drangsalierung, Verachtung etc.) Auch die Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft wirkt dabei im höchsten Maße unselig. Das dürfen wir Christen in der Tradition der Propheten (z. B. Baruchs) und in der Tradition Jesu niemals zulassen.

Persönlicher Impuls: Welche Seiten „der Trauer und des Elends“ kennen Sie aus Ihrem Leben? Und worin besteht Ihr persönlicher „Schmuck der Herrlichkeit“?

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