„Ich will dich doch erreichen“ – ein Buch über Demenz

Gerade lese ich ein Buch mit dem Titel „Ich will Dich doch erreichen“. Geschrieben hat es Rosmarie Maier, examinierte Altenpflegerin und Lehrerin für Pflegeberufe. Sie will mit diesem Buch „Hilfen für Angehörige und Pflegende“ (so der Untertitel) anbieten.

Das Besondere an diesem Buch ist der Blick auf „die vier Ebenen des Schmerzes“: der körperliche Schmerz, der seelische Schmerz, der soziale Schmerz und der spirituelle Schmerz. Unter dem spirituellen Schmerz versteht Rosmarie Maier den Verlust von Lebenssinn, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit, das Gefühl von Verlorenheit in der Welt, den Zusammenbruch des Selbstwertgefühls. Gerade auf diese Ebene legt die Autorin dann großes Gewicht und bringt immer wieder ausgesprochen religiöse Elemente mit ein (etwa das Lied: „Großer Gott, wir loben Dich“ oder „So nimm denn meine Hände“).

Als Hilfe für Pflegende und Angehörige betont sie, wie wichtig ihr es ist, sich mit ihrer eigenen spirituellen Seite zu verbinden im Kontakt mit demenzerkrankten Menschen. So schafft sie es, nicht nur die fortschreitenden Defizite zu sehen, sondern auch das sich entwickelnde Neue. „Es ist Begleitenden häufig verschlossen, dass es ebenso auch um ein Entdeckenlernen dessen geht, was neu entsteht und sich durch den und in dem Menschen mit Demenz offenbaren und wahrgenommen werden will. Dadurch geschieht heilsame Veränderung. Das stellt aus meiner Sicht eine sehr große Herausforderung dar: die Trauer und Belastung zu empfinden und zugleich wachsam und empfänglich zu bleiben für den sich verändernden Menschen mit Demenz.“ (S. 97)

Rosmarie Maier beschreibt in ihrem Buch immer wieder, wie sehr sie selber von demenzkranken Menschen in die Spiritualität hinein geleitet wurde – und das aus einer großen Distanzierung von der Prägung im katholischen Glauben heraus. Sie schildert anschaulich verschiedene Begegnungen und deutet sie auf den spirituellen Untergrund hin. Im letzten Teil gibt sie auch konkrete Anregungen, wie Demenzerkrankten ein geistliches Leben ermöglicht werden kann.

Das alles war für mich als Seelsorger bekannt und vertraut. Für mich überraschend war jedoch, wie stark die Autorin die Bedeutung des Körperkontkats betont – natürlich voller Respekt vor dem Demenzkranken. Der Körperkontakt etwa beim Handhalten oder bei der Berührung des Oberarmes unterstreicht ihrer Ansicht nach den Kontakt durch Blick oder Wort. Sie verstärkt ihre „Präsenz auch auf einer körperlichen Ebene“ (S. 130). Das kann ich mir auch vorstellen, auch wenn ich selbst dabei viel zurückhaltender bin. Den Unterschied macht wohl die eigene Persönlichkeit aus und die Art der Beziehung zwischen dem Demenzkranken und seinem Besucher/ Angehörigen/ der Pflegeperson/ dem Seelsorger. Gerade durch die familiäre Prägung kann ein Körperkontakt erschwert und belastet sein. Das beschreibt auch Frau Maier und ermutigt dennoch dazu, es auszuprobieren.

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