„Die Alten werden Träume haben“ (Gedanken zur Pfingstlesung: Joel 3,1-5)

Beim Vorabendgottesdienst zum Pfingstfest wird die Lesung aus dem Buch Joel vorgeschlagen.

Der Prophet Joel lebte etwa im 5. /4. Jahrhundert vor Christus. Persönliche Daten sind nicht bekannt, doch scheint er mit dem Tempelkult in Jerusalem vertraut zu sein. Sein wichtigstes Themawort ist „der Tag des Herrn“. Auf dem Hintergrund von Naturkatastrophen entfaltet er die Visionen vom kommenden Gottesreich, wenn Gott seinen Geist ausgießt.

In der Lesung heißt es u. a.: „Es wird geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße… Eure Alten werden Träume haben …“ 

Was sind nun die Träume der Alten? Die einen träumen nachts von lange zurückliegenden Tagen und Erlebnissen, darunter auch schreckliche und bedrängende. Andere träumen tagsüber von der Erfüllung früherer Lebensträume, von kleineren oder auch größeren Wünschen: ein Ausflug nochmals; ein Wiedersehen mit lieben Menschen; von  beschwerdefreien, schönen Tagen; vom selbstgestalteten Leben. Das sind dann sehr persönliche Träume und Wünsche.

Daneben gibt es sicher auch Träume für andere Menschen und unsere Welt: Frieden, Gerechtigkeit, Zusammenhalt, … Das alles wohl auf dem Hintergrund von gelebtem und oft auch erlittenem und durchlittenem Leben, das aus Entbehrungen und Defiziten heraus auf unsere Welt schaut: leid-empfindlich und erlösungs-sehnsüchtig. Senioren wissen schon, dass wir Menschen nicht alles verwirklichen können, wofür wir in jungen Jahren eingetreten und eingestanden sind. Senioren wissen, dass es göttlicher Hilfe bedarf, damit unsere Welt etwas mehr von der Menschenfreundlichkeit Gottes, von Gottes gutem Geist widerspiegelt. Senioren wissen auch vom langen Atem, den es braucht, damit aus Träumen und Visionen Realtität wird. Senioren wissen um die Notwendigkeit von Gottes heiligem Geist.

Wenn nun diese leiderfahrenen, durch manche Rückschläge und Resignation hindurchgegangenen Senioren Träume haben werden, dann ist das ein starkes Hoffnungszeichen für unsere Welt. Vielleicht müssten wir grade „die Alten“ viel mehr nach ihren Hoffnungen und Träumen befragen!?

 

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