Grenzen überwinden? – Mit Begrenztheit leben!

In der letzten Zeit taucht bei mir immer öfter das Thema „Grenzen“ auf. Körperliche Grenzen – Grenzen der Belastbarkeit – begrenzte Fähigkeiten – begrenzte Kapazitäten – Grenzen des Wachstums – politische Grenzen: die Liste der Themen, die öffentlich und im Gespräch an mich herangetragen werden, ließe sich beliebig fortsetzen.

Bei Kindern ist es wichtig, Grenzen zu setzen, denn sie geben Stabilität und Sicherheit. Jugendliche haben das Privileg, Grenzen zu überschreiten, denn nur so wird die Entwicklung eines eigenen Lebensstiles möglich. Im Erwachsenenalter setzen Beruf und finanzielle Mittel Grenzen, im Alter zunehmend körperliche und geistige Veränderungen. Wir müssen lernen, mit diesen Grenzen  zu leben bis die letzte Grenze kommt – der Tod.

Das freilich ist ein grandioser Gegenentwurf zu allem, was life-style und Wirtschaftsdenken, was Kommerz und auch die eigene Größenvorstellung an uns an Erwartungen heranträgt. Ob es um Fitness geht oder unbegrenzte Verfügbarkeit in der Arbeit, ob es um Machbarkeit und Finanzierbarkeit in vielerlei Bereichen geht: immer wird verlangt, Grenzen zu überschreiten und „Neues zu entdecken“. Manchmal werden dabei Grenzen von außen überschritten (etwa im Ausspähen und Aushorchen durch Nachrichtendienste oder durch den Druck der Arbeitgeber), manchmal auch von innen her, aus eigener Bereitschaft. Auch hier würde ich immer nach den gesellschaftlichen Zwängen fragen, denen man manchmal erliegt. Manchmal ist es wichtig, weil lebensförderlich, Grenzen zu überschreiten (ich denke etwa an Flüchtlinge). Manchmal ist es aber eher lebensdienlich, Grenzen zu akzeptieren, wo überzogene und krankmachende Ansprüche gesetzt werden.

Grenzen zu akzeptieren, wo sie lebensförderlich sind, heißt auch, sich zu bescheiden mit den eigenen Möglichkeiten. Heißt zu akzeptieren, dass ich nicht alles kann, was ich will oder soll – und dass es so in Ordnung ist. In Ordnung ist es zumindest in den Augen Gottes, der uns so nimmt, wie er uns geschaffen hat und wie wir sind: begrenzte Wesen, nicht allmächtig, nicht allwissend, fehlerhaft, defizitär, fragmentarisch, der göttlichen Vollendung bedürfend.

 

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