Gedanken zum vierten Advent

Staunen

Das ist noch gar nicht lange ein deutsches Wort. Nach dem Herkunftswörterbuch des Duden ist es erst im 18. Jhd. aus der Schweiz ins Deutsche übernommen worden. Die ursprüngliche Bedeutung sei „starr sein, sich widersetzen“ gewesen.

Dieser Befund ist für mich erstaunlich gewesen.

Allerdings: wenn ich über etwas staune, tritt doch eine gewisse Erstarrung ein, freilich nicht vor Schreck, sondern vor Begeisterung oder auch stiller Freude. Das können Kleinigkeiten sein. So erinnere ich mich an den Glockenschlag in der Flossinger Kirche nach der Predigt in der Christmette vor vielen Jahren. Die übervolle Kirche hielt ganz still alle Schläge um 11.00 Uhr aus. Es können aber auch große Dinge sein, etwa wenn ein Patient in Annabrunn sich auf einmal aufmacht und die Not seines Lebens sichtbar und spürbar wird und so ein großer Schritt zur Heilung geschieht.

Staunen und sich wundern können setzt allerdings eine Offenheit für das Überraschende voraus. Wir brauchen dafür Sensibilität und feine Antennen, wohl auch eine große Portion Neugier. Ein Ahnen, dass ein Geschehen nicht selbstverständlich ist. Ein Gespür für das Außergewöhnliche. 

Staunen: da erinnere ich mich an die Augen meines Enkels, als er das erste Mal vor dem Christbaum gestanden ist und „der Glanz des Herrn ihn umstrahlte“, wie es in der Weihnachtsbotschaft von den Hirten heißt. Im Staunen erleben wir so etwas wie die Ankunft Gottes in dieser Welt, da wird etwas spürbar, was über unseren Horizont hinweg weist. Wenn wir uns wundern, wird etwas vom Wunder Gottes erlebbar, das sich dem gewohnten Alltag widersetzt und uns starr werden lässt. 

 

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