Gedanken zur Karwoche und zu Ostern

In der Karwoche feiern wir so dicht wie nie das Leben in seiner ganzen Bandbreite. Hochgejubelt und idealisiert noch am Palmsonntag, wohl auch mit unrealistischen Erwartungen überhäuft, wird Jesus ein paar Tage später von allen Menschen verraten und verworfen. Sein Tod am Kreuz macht unübersehbar, dass Jesus auf der Seite der Verlierer zu finden ist und nicht bei den Siegern. Der Leidempfindliche wird nun selber zum Leidenden, seine Sensibilität für die Menschen mit eingeschränkter Lebensqualität führt ihn selber in diese Erfahrung – körperlich ins Sterben, sozial in die Isolation und geistlich in die Gottverlassenheit. Darüber sollten wir nicht schnell hinweggehen mit dem Verweis auf Ostern, sondern dem Schmerz, der Trauer und der Gottverlassenheit Raum geben. Dann hat auch eigener Schmerz, eigene Trauer und eigene Gottverlassenheit ihren Platz.

Aber es kommt ja Ostern, unser Hoffnungsfest, Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens. Leben ist mit dem Tod eben nicht zu Ende, es geht weiter, fängt neu an. Nicht irgendwie als „weiter so wie bisher“ (auch mit allen Beschwernissen und Belastungen), sondern unsagbar anders: unendlich, schön, gesund, erfüllt, zufrieden, gesättigt.
Gott führt uns aus dem Dunkel ins Licht, er erleuchtet die Finsternis aller Trauer, er zeigt Perspektiven auf, wo vorher Ausweglosigkeit schien. Gott wird uns das geben, was uns im Leben gefehlt hat. Das ist eine tröstende Vorstellung für unsere Verstorbenen und auch für uns selber. So können wir getrost leben in der Auferstehungshoffnung, die uns Jesus an Ostern eröffnet hat und die wir in den Gottesdiensten sinnenhaft feiern.

 

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