Gottesdienst zum 2. Fastensonntag am 1. März 2026
+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen
Lied: GL 140 Kommt herbei
Einleitende Gedanken:
Heute werden uns Wege vor Augen geführt in den Lesungen dieses Sonntags. Abram – Paulus – Jesus und drei seiner Jünger.
Welche Wege sind Sie in der vergangenen Woche gegangen?
- Wege mit einem bestimmten Ziel. Wege hin zu bestimmten Aufgaben.
- Oder auch Schlenderwege ohne Ziel und Bestimmung.
- Wege hin zu Menschen, hin zu Begegnungen – im Guten wie im Schwierigen.
- Wege auch zu Ihnen selbst. Wege der Begegnung mit Ihrem eigenen Ich.
Ihr letzter Weg hat Sie zu diesem Gottesdienst geführt.
In die – erhoffte, ersehnte, benötigte – Begegnung mit Gott.
Kyrie:
Herr Jesus Christus, du warst dein ganzes Leben unterwegs. Herr, erbarme dich!
Deine Wege als Erwachsener haben dich immer wieder zu den Menschen geführt. Christus, erbarme dich!
Deine Wege haben dich auch immer wieder in die Begegnung mit Gott geführt. Herr, erbarme dich!
Tagesgebet
Guter Gott, Du bist ein Gott der Wege. Du hast Abraham begleitet, du hast dein Volk Israel aus Ägypten heraus begleitet und in der Gefangenschaft von Babylon. In Jesus begleitest du die Menschen in ihrer Sehnsucht nach Heilung und Heil. Sei nun auch unser Lebenswegbegleiter, vor allem, wenn wir der wohlwollenden Begegnung mit anderen Menschen bedürfen. Darum bitten wir dich heute und alle Tageunseres Lebens. Amen
Einleitung zur 1. Lesung: Gen 12, 1–4a
Wir sind ganz am Anfang der Geschichte mit Abram. Damals hieß er noch nicht Abraham. Das erste Wort, das Gott ihm sagt, heißt: Geh fort! Damit fängt alles an.
Geh fort aus deiner Familie, aus deiner Herkunft. Löse dich von bisherigen Bindungen und Prägungen. Werde selbständig. Finde deinen eigenen Weg. Unter meinem Segen.
In jenen Tagen sprach der Herr zu Abram: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen. Da ging Abram, wie der Herr ihm gesagt hatte.
Einleitung zur 2. Lesung: 2 Tim 1, 8b–10
Paulus schreibt diesen Brief aus dem Gefängnis in Rom. Das ist sein letzter Ort am Ende seines Lebens. Dieses Leben war auch von vielen äußeren und ebenso auch inneren Wegen gekennzeichnet. Paulus empfindet jedoch keine Bitterkeit, sondern im Gegenteil erlebt er sich als ein Gerufener, als ein Geretteter.
Leide mit mir für das Evangelium! Gott gibt dazu die Kraft: Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Taten, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde; jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart. Er hat den Tod vernichtet und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.
Einleitung zum Evangelium: Mt 17, 1–9
Im Abschnitt vor unserem heutigen Evangelium geht es um die Nachfolge Jesu. Er sagt zu seinen Jüngern: „Wenn einer hinter mir her gehen will…“ (Mt 16,24).
Jetzt führt er drei seiner Jünger auf einen hohen Berg. Das ist in der Bibel immer ein Ort der Begegnung mit Gott. Auch die Wolke und der Schatten sind Kennzeichen Gottes.
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elíja und redeten mit Jesus. Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja. Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!
Gedanken:
Wie reagieren die verschiedenen Menschen auf die Begegnung mit dem Göttlichen? Es sind ja keine alltäglichen Erfahrungen. Sie erleben sie also erstmal als etwas Neues, Unbekanntes.
- Abram hört eine Stimme. Sie gehört einem Gott, den er nicht kennt. Abram ist ein Senior von 75 Jahren und in Mesopotamien in einer ganz anderen religiösen Tradition großgeworden. Abram hört eine Stimme – und geht los. Als Senior mit 75 Jahren.
- Paulus hat eine Erscheinung (Apg 9). Er stürzt vom Pferd und erblindet. Er erfährt (trotz dessen verständlichem Widerstand gegenüber dem Verfolger) Aufnahme bei Hananias und Heilung. Danach war sein Leben wie verwandelt und er musste in der noch kleinen und jungen Gemeinde der Jesusnachfolger um Vertrauen kämpfen.
- Die drei Jünger sind zunächst verwirrt. Petrus als Handwerker denkt in seiner gewohnten Kategorie und will drei Hütten bauen. Er hält sich an dem fest, was er kennt und was er kann. Dann aber kommen der Schrecken und die Furcht.
[Kleine Zwischenbemerkung: Der Satz: „Dieser ist mein geliebter Sohn“ entspricht Mt 3, 1 (Taufe), dort wird aber keine Reaktion der Umstehenden berichtet.]
Jetzt ist die Bibel kein Tatsachenbericht und schon gar kein Augenzeugenbericht. Alles wurde Jahrzehnte (bei Abram sogar Jahrhunderte) später aufgeschrieben. In diesen Beschreibungen wird jedoch sichtbar, dass eine göttliche Erscheinung etwas Ungewöhnliches ist, das die Menschen buchstäblich umhaut und in die Gänge bringt. Gottes Anrede verändert menschliches Leben.
In unserem Alltag werden die wenigsten so etwas Großartiges erfahren haben.
Und doch taucht Gott auch in unserm normalen Alltag auf. Bloß viel schwerer zu erkennen, viel schwerer zu identifizieren.
Vielleicht ist da das Wort „Segen“ ein Wegweiser. Abram, Paulus, die drei Jünger wurden für andere zum Segen.
Bestimmt gibt es das auch heute, dass ein Mensch das Wort an Abram in seinem Leben umsetzt: „Du wirst ein Segen sein!“ (so kann man statt „du sollst“ auch richtig übersetzen)
Bestimmt gibt es das auch heute, dass ein Mensch dem anderen zum Segen wird. Durch Kleinigkeiten wie ein Lächeln, ein nettes, kurzes Gespräch an der Kasse, ein aufmunternder Blick …. Oder auch durch etwas Größeres: eine Hilfe, ein offenes Ohr, das gemeinsame Aushalten einer schweren Lebensphase, das Teilen des Lebensweges … In all dem – und noch viel mehr – wird Gott sichtbar, spürbar, erlebbar. Ein Segen.
Bestimmt sind auch Sie für den ein oder die andere ein Segen.
Gebet: (Katholisches Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 666, 2)
Du bist nicht der erste meiner Gedanken, Gott, denn die Gedanken sind dort, wo mein Herz schlägt: ich spüre ein Herz, das für mich schlägt; ich blicke in Augen, die mich suchen; ich höre eine Stimme, die mich wärmt; ich genieße die Hände, die mir Halt geben.
Du bist nicht der erste meiner Gedanken, Gott, denn die Gedanken sind dort, wo mein Herz schlägt. Doch mitten drin in der Zärtlichkeit dieser Hände, im Klang dieser Stimme, im Blick dieser Augen, im Schlag dieses Herzens, da spür ich deine Liebe, mein Gott.
Lied: GL 458 Selig seid ihr
Fürbitten:
Jesus Christus, Wegbegleiter von uns Menschen, wir bitten dich:
- Begleite die Frauen und Männer, die heute als Pfarrgemeinderäte gewählt werden, auf ihrem Weg zu den Menschen, gerade zu denen außerhalb der Kirchenmauern.
- Eröffne den Kindern, die sich in dieser Zeit auf die Erstkommunion vorbereiten, einen Weg zu einem lebendigen und tragfähigen Glauben.
- Ermutige und stärke alle, die vor schweren Lebensentscheidungen stehen und lass sie eine lebensförderliche Perspektive entdecken.
- Sei denen nahe, die vor lauter Verzweiflung nicht mehr aus noch ein wissen und für die schon der nächste Schritt undenkbar schwer ist.
- Gib den Suchtkranken und ihren Angehörigen hilfreiche Wegweiser und Begleiter zur Hand auf ihrem Weg zu einem erfüllten Leben in der Abstinenz.
- Halte die Hand derer, die am Ende ihres Lebensweges angekommen sind und zu dir in deine liebevolle Barmherzigkeit gelangen wollen.
Jesus Christus, wir bitten dich auch für unsere ganz persönlichen Anliegen. Bei dir wissen wir sie gut aufgehoben. Wir vertrauen Dir und Deiner Herzensgüte – heute und alle Tage unseres Lebens. Amen
Vaterunser
Gebet: (Katholisches Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 726, 3)
Gott, mein Gott, wie kurz bemessen war die Zeitspanne von meiner Kindheit bis zum Altwerden! Wie nahe zusammengerückt sind die Jahre meines Lebens in meiner Erinnerung! Mir ist, als hätte ich alles durchmessen, was Menschendasein ausmacht: Freud und Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Geborgenheit und Verlassensein, Sinnerhelltes und Unbegreifliches, Angst und Vertrauen.
Was bleibt, wenn ich alles überschaue, ist die Dankbarkeit für alles Schöne, für alles, was gelang, aber auch für Ungeheiltes, für Bestürzung über manches Versagen.
Mit dir gehe ich Hand in Hand in die Dämmerung, die nun herabsinkt, dem Licht entgegen, dem keine Dunkelheit mehr sich nahen kann.
Doch wie die Abendsonne alles in ihr mildes Licht taucht, so legt sich über das Gewesene der tröstende Glanz des Friedens.
Lied: GL 453 Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott
Segen:
Guter Gott, du begleitest unsere Menschenwege mit deinem göttlichen Segen; du lässt uns selber zum Segen werden, wenn wir in deiner Spur unser Leben versuchen. Auch dann, wenn uns etwas misslingt, bleibst du doch gegenwärtig mit deinem Segen.
So bitte ich dich: segne mich und alle Menschen dieser Welt und schenke uns allen dein Heil – du, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen
Quellen:
Gotteslob: Katholisches Gebet- und Gesangbuch; Ausgabe für die Erzdiözese München und Freising; Herausgegeben von den (Erz-)Bischöfen Deutschlands und Österreichs und dem Bischof von Bozen-Brixen.
Katholisches Gesangbuch, Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz, Herausgegeben im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz, Zug 1998
Biblische Texte zitiert nach: https://schott.erzabtei-beuron.de

Gottesdienst zum 1. Fastensonntag am 22. Februar 2026
+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen
Lied: GL 273 O Herr, nimm unsre Schuld
Einleitende Gedanken:
Das Eingangslied thematisiert „Schuld“. Da haben wohl alle Menschen Erfahrungen. Schuld, die andere an uns begangen – und Schuld, die wir bei anderen verübt haben.
Beide Arten sind menschlich. Davon erzählt uns die erste Lesung.
Beide Arten können aber auch „geheilt“ werden durch „Gerechtsprechung“. Damit ist gemeint, dass wir im Kontakt dem anderen wieder gerecht werden können (und umgekehrt). Das thematisiert die zweite Lesung.
Damit wir einander wieder gerecht werden können und das tun, was dem anderen entspricht, braucht es Gespräch, braucht es das Eingeständnis des Fehlers.
Unterstützt wird das durch die Versöhnungskraft Gottes. Unter diese göttliche Kraft wollen wir uns jetzt stellen:
Kyrie:
Herr Jesus Christus, du hast Menschen ihre Schuld vergeben. Herr, erbarme dich unser!
So wurde auch zwischen Menschen Vergebung möglich. Christus, erbarme dich unser!
Auch wir leben unter der Zusage und der Aufgabe der Versöhnung. Herr, erbarme dich unser!
Tagesgebet (zur Auswahl Nr. 6)
Gott, dein Wort bringt Licht und Freude in die Welt. Es macht das Leben reich, es stiftet Frieden und Versöhnung. Gib, dass wir es nicht achtlos überhören. Mach uns aufnahmebereit. Bring dein Wort in uns zu hundertfältiger Frucht. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren lieben Freund und Bruder. Amen
Einleitung zur 1. Lesung: Gen 2, 7–9; 3, 1–7
Die Schöpfungserzählung thematisiert die Frage nach dem Ursprung des Menschen und des Lebens. Sie wird fortgeführt in einer Erzählung, die sich der Frage widmet, wie das Böse in die Welt kam. Der Autor sieht es im Wissensdurst der Menschen und in seiner Verführbarkeit.
Gott, der Herr, formte den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann pflanzte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.
Einleitung zur 2. Lesung: Röm 5, 12.17–19
Paulus verwendet das Wort „Gerechtigkeit“ als Themawort seiner Verkündigung. In der griechischen Sprache, in der er schreibt, überwiegt dabei eine juristische Bedeutung – wie auch in unserem deutschen Sprachverständnis. Im Hebräischen, der Sprache der jüdischen Bibel, meint „Gerechtigkeit“, dass jeder so viel hat bzw. das bekommt, was ihm zu einem Leben in Menschenwürde fehlt.
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten. Denn ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht diejenigen, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteilwurde, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus. Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung, die Leben schenkt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.
Einleitung zum Evangelium: Mt 4, 1–11
Die Verführbarkeit der ersten Menschen hat bis heute angehalten. Auch Jesus musste sich mit ihr auseinandersetzen. Hunger, Geltungssucht und Reichtum werden beispielhaft erwähnt. Da braucht es schon sehr viel Kraft, diesen Versuchungen nicht zu erliegen.
In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. Darau ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.
Gedanken:
Jesus allein in der Wüste. Und das schon 40 Tage lang. Da scheint es auf der Hand zu liegen, womit ihn „der Versucher“ ködern kann. Mit Brot gegen den Hunger; mit einer außergewöhnlichen Handlung, um sich selbst zu beweisen; mit Reichtum zum Preis der Unterwerfung. All das hat Jesus nämlich in der Wüste nicht: etwas zum Essen, Bewunderer, Pracht.
In unserem je eigenen Leben spüren wir manchmal ein Defizit. Irgendwas geht ab. Sei es etwas Materielles (Geld, etwa für eine Medizin) – sei es etwas Emotionales, etwa ein gutes Wort – sei es ….
Was fehlt Ihnen? Was brauchen Sie gerade im Moment – oder auch schon viel länger?
Mit dieser Erfahrung, dass etwas fehlt, können Sie sich gut einfühlen in die Menschen, denen Jesus begegnet. Denen fehlt nämlich auch immer irgendetwas. Die Gesundheit (bei den Krankenheilungen), etwas zum Essen (bei der Brotvermehrung), Ansehen (die „Sünderinnen“ ), Vergebung (die Sünder), Lebenssinn (der reiche Jüngling) etc.
Wie gut, dass diesen Menschen Jesus begegnet ist und in ihm die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes!
Was haben Sie in Ihrem Leben schon von anderen bekommen? Vielleicht sogar ohne eine Vor- oder Gegenleistung.
Darin zeigt sich Güte und Freundlichkeit, zeigt sich Barmherzigkeit. Vielleicht sogar eine Ahnung von „Fülle des Lebens“, die Jesus versprochen hatte. Mit der Gott uns und unserer Bedürftigkeit gerecht wird. Manchmal schon jetzt – bestimmt in der Fülle am Ende unserer Tage.
Die Fastenzeit lädt uns ein, offen zu werden für diese göttlichen Wirksamkeiten in unserem Leben.
Die Fastenzeit lädt uns ein, offen zu werden für die Bedürftigkeiten anderer und ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten gerecht zu werden.
Lied: GL 470 Wenn das Brot, das wir teilen
Fürbitten:
Guter Gott, du hast uns Leben in Fülle verheißen. Unsere Welt ist davon noch weit entfernt – und deshalb bitten wir dich:
- Wirke deine Gerechtigkeit, damit alle Menschen ein Leben führen können, das diesen Namen verdient.
- Gib den Vermögenden eine starke Solidarität mit denen, die Unterstützung bitter nötig haben.
- Lass alle Mädchen und Buben dieser Welt eine gründliche Bildung bekommen, sodass sie ihr Leben selber gestalten können.
- Beseitige alle Diskriminierung von Frauen, von Menschen mit Einschränkungen, von Menschen mit eigener Sexualität, von Menschen anderen Glaubens….
- Lass alle, die unter einer Schuld leben, Versöhnung erfahren und die Kraft des Neubeginns.
- Gib den Kranken viel Lebenskraft und Lebensmut und auch fürsorgliche Pflegende an ihre Seite.
- Begleite die Sterbenden auf ihrem letzten irdischen Weg und hilf ihnen, sich mit ihrem Leben auszusöhnen.
Gott, du bist uns Vater und Mutter, du bist uns Freund und Begleiter. Wir danken dir, dass du auch uns in unserer Bedürftigkeit siehst. Amen
Andacht: GL 677, 1 (Ausschnitt)
Schenke uns, Herr, dein Erbarmen
- Wo wir dir den Rücken zugekehrt haben: schenke uns, Herr, dein Erbarmen
- Wo wir in Gewohnheiten gefesselt waren: schenke uns, Herr, dein Erbarmen
- Wo wir den Schmerz anderer übersehen haben: schenke uns, Herr, dein Erbarmen
- Wo wir nur unser eigenes Wohl verfolgt haben: schenke uns, Herr, dein Erbarmen
- Wo wir zu ängstlich waren, für eine gerechte Sache zu streiten: schenke uns, Herr, dein Erbarmen
- Wo wir die Schuld anderer nicht vergeben können: schenke uns, Herr, dein Erbarmen
- Wo wir uns schwer tun, Vergebung anzunehmen: schenke uns, Herr, dein Erbarmen
Vaterunser
Gebet: (Katholisches Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 28, 1)
Gott, du kennst meine Lebensgeschichte. Du weißt, dass sie immer wieder eine Geschichte zerbrochener Hoffnungen war, dass vieles in mir leer blieb, was doch nach Erfüllung schrie. Herr, ich habe Angst, hart und bitter zu werden. Ich bitte dich, erfülle mich mit Vertrauen, dass du auch meiner Lebensgeschichte einen unverlierbaren Sinn verliehen hast. Heile alles Enttäuschte, alles Erschreckte und Verwundete in den Tiefen meiner Seele.
Segen:
Guter Gott, segne mich und alle Menschen dieser Welt mit der Kraft zur Versöhnung. Segne uns alle mit der Tatkraft, die jedem Menschen das ermöglicht, was sie und er zu einem menschenwürdigen Leben braucht. Segne uns alle mit deinem heilenden und heiligen Geist, der uns unseren Weg durch diese Zeit weist und uns begleitet. So segne uns alle – du, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen
Quellen:
Gotteslob: Katholisches Gebet- und Gesangbuch; Ausgabe für die Erzdiözese München und Freising; Herausgegeben von den (Erz-)Bischöfen Deutschlands und Österreichs und dem Bischof von Bozen-Brixen.
Katholisches Gesangbuch, Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Schweiz, Herausgegeben im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz, Zug 1998
Biblische Texte zitiert nach: https://schott.erzabtei-beuron.de