5. Fastenwoche
Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir uns der göttlichen Gegenwart in unserem Leben mehr bewusst werden wollen. Dazu wollen meine Impulse in diesem Jahr wieder hilfreich sein.
Gott einen Ort sichern
Das ist ein Zitat von Madeleine Delbrel (zitiert nach: Madeleine Delbrel: Gott einen Ort sichern, Kevelaer, 2018, S. 128). Eingeleitet wird der zitierte Satz mit: „Inseln göttlicher Anwesenheit sein.“
Inseln tun ja eigentlich nichts. Sie sind bloß da im Meer oder im See. Sie bieten „nur“ Lebensraum für Pflanzen, Tiere, Menschen. So sichern sie ihnen die Möglichkeit zum Leben.
Inseln sind manchmal ganz flach und manchmal mit vielen Bergen. Vielleicht sogar mit Höhlen. Auf Inseln gibt es verschiedene Lebensräume: Bäume, Gras, Strand, Steine, manchmal auch Eis oder nur Wüste. Es gibt Tiere tief in der Erde und hoch in den Lüften. Es gibt Blühendes und es gibt vom Sturm Zerzaustes, Zerstörtes. Es gibt Bedrohtes und Verwundetes und auch eine intakte Natur. Das alles kann ein Bild werden für das je eigene Leben. Vielleicht mögen Sie mal eine Skizze, ein Bild Ihrer eigenen Insel versuchen?!
Wir als Inseln göttlicher Anwesenheit müssen nichts tun. Es genügt, einen Raum zur Verfügung stellen, uns selbst als Raum zur Verfügung zu stellen für die göttliche Anwesenheit.
Wie kann das geschehen?
Madeleine Delbrel nennt es „Anbetung“. Wir begeben uns in einen Raum, eine Zeit, einen Zustand, vor Gott da zu sein. „Ich bin da vor dir, Gott, so wie ich bin.“ Mehr ist nicht nötig. So sichere ich Gott einen Ort für seine Anwesenheit, seine Gegenwart.
Diesmal jedoch nicht mit dem Blick auf mich selbst. Jetzt geht der Blick in Richtung des Göttlichen, in Richtung Gottes. Gott ist auf meiner Insel. Ich gebe ihm Raum. Es ist der einzige Ort, den ich aktiv sichern kann für seine Gegenwart. Mehr Raum kann ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht sichern.
Nehmen Sie sich mal eine kleine Zeit, sich auf die Anwesenheit Gottes auszurichten. Sei es in diesem Moment, sei es auch in der Erinnerung an Begebenheiten und Begegnungen, in denen Göttliches, in denen Gott zu erkennen und zu erspüren war. Vielleicht braucht es eine Expedition, eine Entdeckertour, weil Gott nicht so schnell zu finden, zu identfizieren ist. Lassen Sie sich nicht zu schnell enttäuschen!
Welche Situationen fallen Ihnen ein? Welche Gefühle verbinden Sie damit?
Wie ist für Sie die Vorstellung, dass Gott auf Ihrer Insel heimisch ist?
