Die Fastenzeit, die sich dem Ende neigt, war eine Zeit, in der wir uns der göttlichen Gegenwart in unserem Leben mehr bewusst werden wollten.
Ist Ihnen das gelungen? Wenn auch vielleicht „nur“ in der Form einer Sehnsucht, einer Ahnung? (Ich setze das „nur“ in Anführungszeichen, weil es wenig scheint – und doch so viel ist.) Was haben Sie entdeckt?
Ostern ist meistens ein Fest, das wir mit Licht, mit Freude, mit Herrlichkeit verbinden.
Aber auch an Ostern begegnet uns das Leben in einer größeren Bandbreite. Wir erfahren in den Evangelien von Schuld, von Trauer, von Verzweiflung, von Sinnlosigkeit. Wir lesen von Jüngern, die sich eingesperrt haben vor lauter Angst. Die Emmausjünger laufen weg von Jerusalem, laufen weg von dem Gekreuzigten, der ihre Hoffnung so sehr enttäuscht hatte. Alles Männer!
Und dann gibt es da die Frauen. Sie sind es, die das Leiden des Freundes bis zum Tod begleiten, die unter dem Kreuz stehen und jetzt das Grab besuchen, weil sie sich Jesus verbunden fühlen über den Tod hinaus. Sie sind auch diejenigen, die eine Ahnung haben davon, wo Jesus zu finden ist: an dem Ort, wo das Leben sein Ende findet. Vielleicht (aber das ist jetzt Spekulation meinerseits) sind sie auch angetrieben von einer Ahnung, dass auch dort, wo das Leben am Ende ist, Gott zu finden sein müsste. Alle vier Evangelien verbinden den Besuch der Frauen am Grab mit dem Wort „suchen“. Für mich am sichtbarsten, am spürbarsten in Maria von Magdala, die vom Engel gefragt wird: „Wen suchst du?“ (Joh 20, 15).
Und die Frauen werden nicht enttäuscht. Sie sind auch die ersten, die den Auferstandenen sehen – in allen Evangelien außer bei Lukas (da sind es die Emausjünger). Erst später kommen die Männer dazu, am prominentesten ist Thomas, der sogar seine Finger in die Wunden Jesu legen darf.
Manchmal geschieht es auch heute: dass wir die Wunden eines Menschen anschauen dürfen – seien es körperliche oder auch seelische oder soziale Wunden. Jede/r von uns spürt es selber, dass das nichts Gewöhnliches ist. Wunden zeigt man/ frau nur Menschen, denen man/ frau viel Vertrauen entgegenbringt. Oder die schon lange sehr vertraut sind.
Wenn so etwas geschieht, dass Wunden gezeigt werden, zeigt sich Göttliches. Das ist dann eine sehr spezielle, sehr besondere Atmosphäre. Es wird ganz ruhig und still – im Innen wie im Außen. Ergriffenheit macht sich breit. Innigkeit.
Bei Menschen, die in ihrem Leben Schlimmes erlebt hatten und dennoch zu einer inneren Lebenszufriedenheit finden, die versöhnt sind mit ihrem Leben: bei diesen Menschen strahlt auch so etwas Göttliches auf. Durch sie bekommen wir eine Ahnung, dass sich „Auferstehung“ auch heute ereignet. Das macht mir Hoffnung für mein eigenes Leben, die eigenen Wunden.
So wünsche ich Ihnen allen an diesem Osterfest, dass Sie ergriffen werden von der Auferstehung Jesu. Ich wünsche Ihnen allen ein Osterfest voller Zuversicht, voller Hoffnung, voll mit göttlichem Segen.