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Zum Beten 5

Heute möchte ich – gerade mit Blick auf die anstehenden Weihnachtsfeiertage mit aller Geschäftigkeit und den notwendigen Besorgungen und Verpflichtungen – ein Wort der spanischen Mystikerin Teresa von Avila in den Vordergrund rücken und so zum zwischenzeitlichen Innehalten, Aufschnaufen und Nachspüren motivieren. Sie schreibt:

Wenn Euch der Gehorsam Beschäftigung mit äußeren Dingen aufträgt, dann versteht, dass der Herr zwischen den Kochtöpfen weilt.“

Unter dem „Gehorsam“ verstehe ich auch, dass man sich seinen Aufgaben (den „äußeren Dingen“ im Gegesatz zur Beschaulichkeit der inneren Meditation)  stellt, die halt jetzt getan werden müssen. Auch darin kann Gebet und Gottesbegegnung liegen in der Hingabe an das Essen, den Hausputz, die Organisation des Tages …

 

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Besuche bei älteren Menschen

Es gibt ja seit vielen Jahren den ehrenamtlichen Besuchsdienst bei uns im Landkreis Mühldorf. Zunächst geplant für das Krankenhaus oder das Seniorenheim zeigt sich doch immer wieder auch die Notwendigkeit eines häuslichen Besuchsdienstes. Auch in den eigenen vier Wänden erleben Menschen Einsamkeit – und haben zugleich das Bedürfnis nach Kontakt und „sozialer Teilhabe“. Auch wenn sie selber den Weg nach draußen nicht schaffen (sei es wegen der eingeschränkten Mobilität, sei es wegen Krankheit, sei es wegen Scham oder Scheu), haben sie dennoch den Wunsch, nicht vergessen zu sein, sondern Anteil zu nehmen am Leben draußen. So sind sie in hohem Maßen angewiesen auf die Initiative anderer.

In einer Broschüre über ehrenamtliche Hilfe steht: „Ehrenamtliche Besuchsdienste kümmern sich …um Menschen mit keinen bzw. wenigen nachbarschaftlichen und sozialen Kontakten. […] Sie sind Ersatz oder Ergänzung für familiäre, freundschaftliche oder nachbarschaftliche Beziehungen, die nicht mehr oder nicht mehr ausreichend tragen.“

Auf diese Menschen will ich – gerade jetzt unmittelbar vor Weihnachten – den Blick lenken. Vielleicht kann die „Herbergssuche“ ja auch umgekehrt laufen: Wo wartet „ein Wirt“ auf den Besuch, der ihm in sein Leben Licht und Leuchten bringt?

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Eine ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte – 2. Teil

Hier die Fortsetzung im 2. Teil

Josef in Ägypten

Josef zeigt Widerstand – und fügt sich dann doch. Seine Widerstandskraft scheint erloschen, vielleicht zu wenig geübt, vielleicht nicht eindeutig genug formuliert, vielleicht zu wenig Selbstbewusstsein, vielleicht zu wenig Unterstützung im Widerstand. Die eigenen Wünsche und Lebensvorstellungen bleiben auf der Strecke. Josef nimmt Maria zur Frau, gemäß dem göttlichen Befehl. Geht dem Befehl des Kaisers gehorsam nach Bethlehem, in die Stadt seiner Vorväter. Es ist wohl nicht seine Geburtsstadt, nicht seine Heimatstadt. Es ist Fremde. Josef scheint dort auch keine Verwandten zu haben, bei denen er unterkommen hätte können. Dennoch sperrt er seine Werkstatt zu, verabschiedet sich und geht die gut 160 km nach Bethlehem, zusammen mit der schwangeren Maria. Sie sind wohl eine Woche unterwegs. Wo sie auf dem Weg übernachten, wie sie sich verpflegen, wie die hochschwangere Maria die Beschwernisse dieser Wanderung erträgt: darüber verliert die Bibel kein Wort. Josef zeigt sich pragmatisch, als er in Bethlehem kein Hotelzimmer auftun kann mit einem Bett für sie beide. Dann ist ein Stall nicht die schlechteste Wahl. Hier sehen wir wieder nur den fügsamen Josef – kein Aufbegehren, kein Insistieren, kein Sitzstreik vor den Türen der verschlossenen Herberge. Aber auch kein Lamentieren und Jammern. Es ist ja nur für kurze Zeit: nach der kaiserlichen Registrierung geht es ja wieder heim nach Nazareth.
Aber wieder geht es nicht nach seinem Willen. „Nicht was ich will, sondern was Du willst“ – so wird auch sein Sohn, der jetzt noch ungeborene – 33 Jahre später sagen. Wieder kommt eine Fremdbestimmung, kommt ein göttlicher Auftrag. Von der fremden Stadt Bethlehem in das fremde Land Ägypten. Von der Vorväterstadt noch weiter zurück in die Vergangenheit, in die Vergangenheit des ganzen eigenen Volkes, zurück in die Herkunft aus dem „Sklavenhaus Ägypten“, zurück in die ultimative Fremdbestimmung. Und auch dort – in Ägypten – wird er als Ausländer ohne Sprachkenntnisse und ohne Kenntnis der Kultur (weder der Leit- noch der Sub- oder anderer Kulturen) große Chancen auf ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben haben, noch dazu mit ungewisser Aufenthaltsdauer. Soll er sich auf ein halbes Jahr einrichten oder auf eines oder drei oder für immer? Die Ägypter werden ja auch nicht gerade auf ihn gewartet haben und Zimmerer gibt es wahrscheinlich auch genug. Also heißt es: hinten anstellen, nehmen, was kommt, um die junge Familie über Wasser zu halten. Kein Raum für eigene Wünsche und Begehrlichkeiten. Das eigenständige, wenigstens im Rahmen Nazareths mögliche selbstbestimmte Leben ist sternenweit weg.

Nächste Woche gibt es dann die Fortsetzung.

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Zum Beten 4

Heute gebe ich als Anregung ein Wort der heiligen Teresa von Avila wieder. Diese Mystikerin und Kirchenlehrerin hat vor 500 Jahren gelebt (1515-1582). Nach langen inneren Kämpfen um eine intensive Gottesbeziehung, die sie jedoch nicht in den verweltlichten Klöstern gefunden hatte, hatte sie immer wieder Begegnungen mit Jesus, der ihr so zu einem vertrauten Freund wurde. Diese Vertrautheit und Vertraulichkeit hat dann auch ihr Beten bestimmt. Und so sagt sie:

„Beten ist nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher sind, dass er uns liebt.“

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Eine ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte – 1. Teil

Ich habe begonnen, die Weihnachtsgeschichte mal aus der Perspektive des Josef zu sehen. Hier mal ein erster Teil mit der Anregung, das aus dem Blickwinkel des eigenen Lebens zu betrachten:

Josef im Widerstand?

Josef, Handwerker – genauer: Zimmerer – lebt in Nazareth eigentlich ein überschaubares Leben in einem überschaubaren Ort. Da ist nichts, was die Gleichförmigkeit des Lebens stören könnte. Die Lebensabläufe sind vorgegeben, die Jahresabläufe sind vorgegeben und Tagesabläufe sind es auch. Er macht, was vor ihm sein Vater gemacht hat und vor diesem wieder dessen Vater. Was soll sich auch entwickeln? Es ist doch alles gut, so wie es ist. Wozu also die Gleichförmigkeit stören? Wozu also etwas anders machen? Wozu also etwas ausprobieren? Wozu also etwas riskieren? Und so bleibt alles beim Alten.

Hier könnte die Geschichte enden. Oder vielmehr: sie könnte so weitergehen bis in alle Ewigkeit. Per omnia saecula saeculorum. Amen.
Und niemand würde von dieser Geschichte Notiz nehmen geschweige denn ein Aufhebens machen.

Aber wo es von innen her keine Bewegung gibt, kommt sie manchmal von außen. In unserer Geschichte gleich zweifach. Angestoßen durch zwei Boten – einen irdischen vom Kaiser Augustus und einen himmlischen vom Höchsten selbst. Die eine Botschaft führt den Josef in seine Vergangenheit, in seine Familiengeschichte, in seine Herkunft zurück. Der andere Bote weist in die Zukunft, in eine neue Familiengeschichte, in neu ihm Zukommendes. Beide Male bleibt Josef keine Wahl – er muss sich fügen. Wir hören von keinem Aufbegehren dem Kaiser gegenüber. Aber wir hören überraschenderweise von einem Aufbegehren Gott gegenüber. Ist Josef doch nicht so fügsam wie er scheint? Hat er doch so was wie einen eigenen Willen, eigene Wünsche, eigene Lebensvorstellungen? Immerhin wehrt er sich. Immerhin kämpft er. Immerhin zeigt er Energie und power. Auch wenn er sich insgeheim und heimlich von Maria trennen will (aus Rücksicht auf Maria, wie die Bibel wohlwollend schreibt – oder aus Konfliktunfähigkeit oder mangelnder Konfliktbereitschaft?), er zeigt Widerstand! Das ist etwas Ungewöhnliches, Neues in Nazareth. Widerstand zu zeigen gegenüber Obrigkeiten, Widerstand gegenüber Veränderungen, Widerstand sogar gegen den Höchsten zu zeigen:    ja, wo gibt´s denn sowas!?

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Zum Beten 3

Bei den letzten „Exerzitien im Alltag“ gab es als Anregung für den täglichen Beginn ein Gebet, über dessen Anfang ich selten hinausgekommen bin:

“ Gott, ich bin vor dir da, so wie ich bin.“

Ich habe mich dann immer gefragt, wie ich denn grade bin – was mich bewegt, welche Gedanken mich beschäftigen, welche Beziehungen, welche Aufgaben, was für mich gerade wesentlich ist, welche Ängste ich habe und welche Hoffnungen, worauf ich mich heute gerade gründen kann. Mit solchen und ähnlichen Fragen war dann schon fast die gesamte vorgesehene Besinnungszeit angefüllt. Ich hatte dennoch nicht den Eindruck, ich hätte etwas verpasst, weil ich das restliche Material kaum verwendet hatte. Vielmehr war es eine Zeit, in der ich sehr zu mir selber gekommen bin (was sonst oft in den Hintergrund tritt oder gar untergeht).

Später habe ich den ersten Satz noch ergänzt durch einen anderen, den ich aus einem Kommentar zum blinden Bartimäus übernommen habe. So ist das Gebet erweitert worden zu:

„Gott, ich bin vor dir da, so wie ich bin. Sieh mich freundlich an.“

 

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Ehrenamtliche Telefonseelsorger_innen gesucht

Unter dem Titel „Sorgen kann man teilen“ sucht die Telefonseelsorge der Erzdiözese München und Freising für ihre neue Dienststelle in Mühldorf Menschen, die ehrenamtlich tätig sein wollen. Wer schon einmal die Hilfe der Telefonseelsorge in Anspruch genommen hat (Tel: 0800/ 111 0 222), weiß, wie wertvoll dieser Dienst ist – vor allem, weil er kostenfrei und rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Für diese Aufgabe braucht es natürlich eine gute Qualifikation. Diese bietet die Erzdiözese in einer einjährigen Schulung an. Dadurch können die Telefonseelsorger empathisch und engagiert auf alles reagieren, was ihnen anonym am Telefon gesagt wird.

Wer sich für diese notwendige (in des Wortese tiefer Bedeutung) Aufgabe interessiert, ist im kommenden Jahr zu zwei Informationsabenden eingeladen:

  • Mittwoch, 25. Januar um 18.30 Uhr und
  • Donnerstag, 2. März, ebenfalls um 18.30 Uhr

jeweils im Pfarrsaal von St. Peter und Paul in Mühldorf, Kaiser-Ludwig-Str. 15.

Thematisch geht es um

  • den Rahmen und die Inhalte der Ausbildung
  • die Voraussetzungen und das Auswahlverfahren
  • die spätere Tätigkeit als ehrenamtlich Mitarbeitende.

Unter www.telefonseelsorge-muenchen-kath.de  gibt es weitere Informationen

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Bayerisches Adventsgedicht

Ich habe ein Gedicht bekommen, das – wenn auch aus ein wenig nostalgischer Sicht – den Advent beleuchtet und darin wohl manch selbstkritische Frage auslöst:

Wenn da Pulverschnee mit seiner Pracht
as Hoamatland zum Kunstwerk macht,
da Mensch vom Gmüat her staader wird,
am Obnd an Kachelofa eischürt,
de Kinder Wünsch ans Christkind stelln,
erwartungsvoll de Tog scho zähln,
wenn d´Fenstastern wia Liachtorgln blitzn,
de Geldbeitl recht locker sitzen,
da Mensch mehr isst als a vertragt,
se spaater mim Abnehma plagt,
wia varruckt durch alle Gschäfta rennt,
se am Billigglühwein d´Lippn vabrennt,

– dann is Advent.

Wolfgang Ammer

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„Jetzt red i“: zur Pflegereform

Die Sendung „Jetzt red i“ des Bayerischen Rundfunks gastiert am kommenden Mittwoch in Mühldorf. Dabei wird über die Pflegereform diskutiert unter dem Titel „Durchbruch oder Stückwerk – was bringt die neue Pflegereform?“

Bisher gab es drei Pflegestufen, die ab dem kommenden Jahr durch fünf Pflegegrade ersetzt werden. Damit werden erstmals auch an Demenz Erkrankte erfasst und können finanzielle Hilfe erwarten. Das soll vor allem die häusliche Pflege entlasten, die etwa 2/3 aller Pflegefälle ausmacht. Die Sendung geht u.a. der Frage nach, ob die Reform auch Verbesserungen in der professionellen Pflege (ambulant und stationär) bringt, ob es ausreichend Pflegepersonal gibt, wie deren Bezahlung aussieht etc.

Übertragen wird die Sendung live von 20.15 bis 21.00 Uhr im Bayerischen Fernsehen aus der Staatlichen Berufsschule Mühldorf.

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Erschienen ist die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes

Heute vormittag haben wir zwei besinnliche Stunden zum Wort aus dem Titusbrief im Neuen Testament verbracht: „Erschienen ist die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes“.

Das Wort „erscheinen“ in seiner hebräischen Bedeutung: „achtsam werden, aufmerken, durch Wahrnehmung oder Reflexion erkennen“ hat unsere Sinne geschärft für die 2. Bedeutung (jetzt aus dem Griechischen): „Gott zeigt sich in einer seiner Eigenschaften.“

Mit „Güte und Menschenfreundlichkeit“ haben wir dann zwischenmenschliche Qualitäten verbunden: Begegnung, Zärtlichkeit, Nachsicht, Wohlwollen, Geborgenheit …p1080125

Wir haben nachgedacht, wie sich Gottes Güte in der Bibel zeigt – angefangen von der guten Schöpfung, über das wegweisende Wort an Abraham, Mose, die Propheten, die Befreiung aus Ägypten und Babylon bis hin zu Jesus. Auch wenn in unserer Kinderzeit mehr vom strafenden, richtenden, verurteilenden Gott die Rede war, haben wir doch alle zu einem „gütigen und menschenfreundlichen“ Gott gefunden – oft durch bestimmte Personen, manchmal auch die eigenen Kinder.

Die Begegnung mit Jesus hat die Menschen seiner Zeit verändert: sie geheilt, sie in die Gemeinschaft zurückgeholt, sie zur Veränderung ihres Lebens motiviert. Immer traf seine Güte auf eine Bedürftigkeit, eine dunkle Seite, einen Schwachpunkt. Das war dann die letzte Überlegung dieses Vormittags: wo bin ich bedürftig der Güte und der Menschenfreundlichkeit Gottes?

Diese Frage möchte ich allen Lesern als Impuls für den Advent weitergeben.

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