Weihnachten 2023

Weihnachten – die Geburt des Messias

„Heute ist euch der Retter geboren! Es ist Christus, der Herr!“

So verkünden die Engel den Hirten die Botschaft der Heiligen Nacht. Schon darin liegen die Gegensätze sichtbar: geboren wird ein Kind – und kein „Herr“. Und ein „Herr“ (lateinisch: dominus) ist der Vorstand eines Hauses (lateinisch: domus). Hat also Macht, hat was zu sagen, hat das Recht, zu bestimmen.

Und diese Widersprüchlichkeiten ziehen sich durch. Die Juden damals erwarteten einen Messias mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften: er sollte sie von der Fremdherrschaft der Römer befreien – er sollte ein religiöser Führer wie ein Prophet sein – er sollte mächtig sein und charismatisch – ein Herrscher aus der Dynastie Davids, sich bewusst dieser seiner Tradition und Würde. Ein Großer unter den Menschen, ein Idol, ein Star.

Einer, zu dem man aufschauen kann und sich dabei auch selbst ein wenig größer vorkommen kann, wenn man in seinem Gefolge läuft. Einer, dessen Macht auch ein wenig abfärbt auf die eigene Mittelmäßigkeit und sie mit etwas Glanz überzieht. Einer, bei dem Mann (man?) sich an die Brust klopfen kann und sagen: „Ich war dabei!“

„Messias“ – das ist die Projektionsfläche für alle Größen- und Machtphantasien.

Gekommen ist das genaue Gegenteil: hilfsbedürftig, pflegebedürftig, unselbständig, angewiesen auf andere, ohne die nicht überlebensfähig. Ein Schwächling. Mickrig klein.

Und so wird Schwachheit und Hilfsbedürftigkeit und Angewiesenheit auch weiter sein Leben bestimmen: mit dem Blick für die Kranken, Pflegebedürftigen, Ausgegrenzten, Angewiesenen, Kleinen.

Heute ist es nicht anders. Viele Menschen sehnen sich und sonnen sich im Licht der „Großen“. Wollen eigene Mittelmäßigkeit aufblähen im Gefolge anderer, die sich selber und von anderen für groß gehalten werden. Die vielen „Adabeis“, wie man in Bayern so treffend sagt. Vermuten, wünschen sich, dass deren Größe auch was abwirft für sie. Das war und ist immer ein Irrtum!

Jesus macht den Gegenentwurf. Er sieht die Kleinen. In diesem Blick aber erleben sie sich als an-gesehen, als wahr-genommen, als gehört, als wichtig. Trotz (oder wegen) ihrer Schwäche. In diesem Blick Jesu erleben sie Göttliches. „Du bist ein Gott, der mich sieht“ – wie es Hagar, die Sklavin Abrahams, in der Wüste erlebt, wohin sie (benutzt und schwanger von Abraham, von diesem aber nicht geschützt) flieht.

Vielleicht stellen wir uns unter diesen göttlichen Blick Jesu mit all unserer Mittelmäßigkeit, unserer Schwäche, unserer Bedürftigkeit – und auch mit unserer gottgegebenen Stärke, den Talenten, den Fähigkeiten. Mit unseren Beziehungen, mit den Ressourcen, der eigenen inneren, von Gott gegebenen Größe.

Ich wünsche allen ein frohes und vor allem: gesegnetes Weihnachtsfest mit Langzeitwirkung!

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