Gestern wurde von der ARD eine Umfrage veröffentlicht , die Infratest dimap zum Thema „Gerechtigkeit“ erstellt hat. Aus all den Zahlen und Aspekten möchte ich ein Schaubild herausgreifen:

Quelle: Infratest dimap im Auftrag der ARD
So sehr ich die Leistungsgerechtigkeit auch verstehe, sehe ich doch unsere Gesellschaft in der Verantwortung für die Schwachen. Die haben nämlich auf Grund ihrer Bildung, der finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern, der eingeschränkten Förderung (etwa durch Nachhilfe) von Anfang an schlechtere Karten. Sie können niemals zu gut oder besser Verdienenden werden. Ein früherer Nachbar, der sich mit Armut beschäftigt hat, hat mal gesagt: „Armut vererbt sich.“
Als Theologe sehe ich den Begriff der „Gerechtigkeit“ auch auf dem Hintergrund des Ersten Testaments. Da meint der Begriff zweierlei: erstens die gute Beziehung Gottes zu den Menschen und umgekehrt. Zweitens (und das ist mir in unserem Zusammenhang wichtig) bedeutet „Gerechtigkeit“, dass jeder Mensch so viel zum Leben hat, wie er zu einem Leben in Würde braucht.
Dieser biblische Ansatz liegt für mich nahe an der Bedarfsgerechtigkeit der Umfrage. Die Starken und Vermögenden haben eine (ethische) Verpflichtung den Schwachen und Unvermögenden gegenüber. Besonders auch unter dem Aspekt, dass sie (die Vermögenden) das ja auch nicht nur aus eigener Kraft geschafft haben – sondern auf Grund günstigerer Rahmenbedingungen vom Elternhaus und von Kindheit an bis heute.