Am kommenden Freitag , den 6. Dezember, lädt die Seniorenseelsorgerin Marianne Kaltner wieder „auf einen Ratsch“ ein.
Wer Zeit und Lust hat, mit anderen Menschen locker ins Gespräch zu kommen, ist hier genau richtig. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee redet es sich leicht und die Zeit verfliegt im Nu.
Gelegenheit dazu ist von 10 bis 12 Uhr im Café des Edekamarktes in der Oderstraße in Mühldorf. Eine Anmeldung ist nicht nötig, schauen Sie einfach Mal vorbei.
Bei uns kam früher als Kind immer der Nikolaus. Ich habe ihn als großen Mann in Erinnerung. Mit weißem Vollbart und mit Mitra. Natürlich hatte er auch einen Bischofsstab und einen Sack dabei. Und sein goldenes Buch. Gesungen wurde bei uns wenig.
Foto: Michael Tress
Schon Tage vorher haben wir mit unserer Mutter das Gedicht: „Von drauß´ vom Walde komm ich her“ geübt. Das mussten wir Kinder dann beim Nikolaus aufsagen. „Nun sprecht, wie ichs herinnen find! Sind´s gute Kind? Sind´s böse Kind?“ Das war die Überleitung zum ernsten Teil des Abends.
Der Nikolaus hat dann nämlich sein goldenes Buch aufgeschlagen. Da waren dann all unsere Missetaten verzeichnet. Auch solche, die wir schon lange vergessen hatten. Und wir standen vor dem großen Nikolaus und fühlten uns immer kleiner. Am liebsten wären wir verschwunden. Das war für mich so schlimm, dass ich mich in den kommenden Jahren immer versteckt habe: auf dem Klo, im Schrank, unter dem Bett …. Es hat nichts genutzt.
Nachdem die Strafpredigt zu Ende war, hat der Nikolaus dann aus seinem großen Sack für jeden von uns Buben ein kleines Sackerl herausgeholt. Da war eine Orange drin, ein paar Platzerl, ein paar Nüsse. Mehr war nicht drin in diesen eher armen Zeiten. Aber für uns war das groß: weil es einen Kontrapunkt gesetzt hat zum goldenen Buch.
Dann haben wir den Nikolaus verabschiedet. Froh, dass es vorbei war.
Später – als Familienvater und Pastoralreferent – habe ich es anders gemacht. Ich habe Wert gelegt auf den „historischen“ Nikolaus. Wir haben Geschichten aus seinem Leben erzählt: das Schiffswunder und die goldenen Kugeln. Das hat unsere Kinder fasziniert. Das goldene Buch hatte ausgedient und war einem Kinderbuch mit Bildern gewichen. Wir wollten damit nicht einen Gott erlebbar machen, der alles sieht und sich merkt und dann auch bestraft, sondern einen, der durch den Nikolaus (und andere) seien Güte und Menschenfreundlichkeit sichtbar macht.
Beim letzten Mal, als der Nikolaus bei uns daheim war, wollten unsere Söhne dann doch wenigstens einmal den Kramperl erleben (der sonst immer draußen warten musste). Dieses böse, gezähmte, mit den Ketten rasselnde Ungeheuer hatte eine gewisse Faszination für unsere Pubertiere. Aber sie waren doch froh, dass er dann wieder gegangen war.
Der Nikolaus meiner Kinderzeit war ein Spiegelbild meiner Vorstellung von Gott, wie ihn mir meine Eltern vermittelt hatten: einer, der alles sieht, der sich alles merkt, der alles bestraft. Auch die kleinste Kleinigkeit – und wenn sie noch so lange zurück lag.
Der Nikolaus, den ich als Vater vermitteln wollte, war auch ein Spiegelbild meines Gottesbildes. Diesmal als Erwachsener. Ein Gott, der milde ist, der barmherzig ist, der gütig ist. Der Not sieht und Abhilfe schafft.
Und wie ist/ war das bei Ihnen? Welchen Nikolaus, welchen Gott haben Sie erlebt? Hat sich diese Gottesvorstellung auch verändert?
Vielleicht ist der Nikolaus auch Mal ein Thema für ein Erzählen und einen kleinen Austausch im Seniorenkreis?
Ich habe in der Apothekenumschau vom 1. November 2024 einen Artikel über die „Pflege zu Hause“ gelesen. Der Titel heißt: „wenn Hilfe fehlt“.
Darin wird – ausgehend von einzelnen Menschen mit ihrem Schicksal – die Situation der häuslichen Pflege beleuchtet.
29, 7% pflegen jemanden, die meisten sind Frauen. Aber (wie eines der Beispiele zeigt) gibt es auch Männer. Die Unterstützung oder auch Entlastung durch professionelle Hilfe in der Pflege oder der Tagesbetreuung ist jedoch zu gering. Personalmangel ist das große Stichwort.
Das war schon vor etwa 20 Jahren absehbar, als wir im Landkreis Mühldorf das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept“ erarbeitet haben. Seither hat sich die Lage dramatisch verschlimmert. Man hätte frühzeitig gegensteuern können.
Jetzt ist der Bedarf groß. Manche finden nur schwer oder gar nicht die notwendige Hilfe, sei es in der ambulanten Pflege, sei es in der finanziellen Entlastung, sei es im Wissen um all die Möglichkeiten, die es gibt.
Darum möchte ich auf das Landratsamt Mühldorf hinweisen, näherhin auf die Abteilung Senioren mit dem Pflegestützpunkt. Dort gibt es alle möglichen Hilfen und gute Beratung.
Die Seniorenseelsorgerin Marianne Kaltner lädt zu einem sicher sehr spannenden Vormittag ein. Das Thema dieses Glaubensgesprächs heißt: glauben leben.
Die Teilnehmer*innen tauschen sich darüber aus, wie ihr Glaube entstanden ist und geprägt wurde. Dabei kommen sicher viele ähnliche Erfahrungen zur Sprache und auch manche Besonderheit. Am Ende steht vermutlich ein größeres Bewusstsein für den eigenen Glauben.
Der Vormittag ist am kommenden Freitag, den 15. November von 9 bis 12 Uhr im Pfarrheim in Ampfing. Es entstehen keine Unkosten, aber Marianne Kaltner bittet um eine Anmeldung bis zum Montag unter mkaltner@ebmuc.de oder telefonisch unter 0175 578 98 60.
Vor sieben Jahren – genau am 9. November 2017 war ich zum ersten Mal im Globus bei meiner offenen Sprechstunde. Ich war noch unsicher, ob mein Angebot wahr- und angenommen wird. Die Sorge war unbegründet. Die Seniorenseelsorge im Erzbistum München hat mir ein großes, unübersehbares Schild zur Verfügung gestellt.
offenes Ohr – offenes Herz
Die Besucher blieben nicht aus. Sie brachten eine große Bandbreite an Themen mit. Viele Gespräche sind einfach ein Ratschen – bei manchen Besuchern ist spürbar, dass sie sonst niemanden zum Reden haben. Andere behandeln persönliche Probleme: Krankheiten, Krisen, Ehefragen, auch Glaubensfragen etc.
Meistens geht es nicht um den Wunsch, eine konkrete Hilfe zu bekommen. (Ich könnte oft auch „nur“ eine Hilfsmöglichkeit benennen.) Für die allermeisten ist es viel wichtiger, sich Mal aussprechen zu können bei jemandem, der zuhört, zu verstehen sucht und auf diesem Wege eine Klärung und eine Perspektive auf den nächsten Schritt ermöglicht.
Corona hat die Gespräche verändert. Erstmal war gar nichts möglich. Sobald es wieder ging, war ich präsent. Aber die Gesprächspartner blieben auf Abstand. Räumlich und inhaltlich. Erst allmählich gab es wieder längere und tiefere Gespräche. Auch neue Besucher kommen in der letzten Zeit. Hilfreich ist da meine zuverlässige Präsenz von 10 Uhr (spätestens) bis 11 Uhr in der Cafeteria. Hilfreich sind Blickkontakt und Lächeln. Ich bin ganz für meine Besucher da, ungestört von Handy oder Lektüre.
So freue ich mich immer auf meine Besucher, seien sie nun bekannt oder ganz neu. Kommen Sie ruhig auf mich zu. Ich heiße Sie willkommen!
Die Seniorenseelsorgerin Marianne Kaltner lädt seit langer Zeit alle 14 Tage zu einem Treffen ein. Es steht unter dem Motto: Auf einen Ratsch. Jede, die dorthin kommt, hat die Gelegenheit, dort andere Menschen zu treffen und zwanglos ins Gespräch zu kommen. Außerdem gibt es immer eine Tasse Kaffee, spendiert vom Edekamarkt.
Die nächsten Treffen sind am 8. November und am 22. November von 10 bis 12 Uhr im Edeka Markt Lechertshuber in der Oderstraße in Mühldorf.
In der Antike gab es die Vorstellung von einem guten Tod, von einem guten Sterben. Man sprach davon, wenn ein Mensch alt und satt an Lebensjahren im Kreis der Familie sanft und friedlich Abschied genommen hatte und starb.
Das ist sicher eine sehr ideale Vorstellung von einem schönen Sterben. Die Realität sieht leider anders aus. Viele sterben durch Gewalt, etwa in einem Krieg, wie wir in den Nachrichten sehen und hören. Viele sterben „vorzeitig“ an einer Krankheit. Viele sterben durch Unfälle oder Naturkatastrophen. Manche sterben plötzlich, manche langsam. Die Medizin macht es möglich, dass wir angstfrei und schmerzfrei sterben können. Sterben und der Tod haben viele Gesichter.
Zu einem „schönen Tod“ gehört für mich nicht nur der zufriedene, versöhnte Blick zurück auf das gelebte Leben, sondern auch der Blick nach vorne. Was uns nach dem Tod erwartet. Für viele ist mit dem Tod alles aus, das Leben ist unwiderruflich zu Ende. Andere glauben an eine Wiedergeburt. Beide Vorstellungen sind für mich nicht attraktiv. Ich hoffe und vertraue auf ein Leben nach dem Tod, wie es Jesus versprochen hat: in der Liebe und Warmherzigkeit Gottes. Wo meine Fehler und die Umwege des Lebens keine Rolle mehr spielen. Wo es eine Verbundenheit gibt über den Tod hinaus – mit den Menschen, die man geliebt hat. Und auch mit denen man seine liebe Not hatte, denen man jetzt aber versöhnt begegnen kann.
An Allerheiligen und Allerseelen erinnern wir uns an solche Menschen. Keiner war ganz heilig, jeder hatte seine Schwächen, jeder hat Fehler gemacht und Menschen verletzt. Aber nach ihrem Tod, bei Gott, ist das gut aufgehoben.
Für uns Lebende kann das eine Hoffnung sein. Und auch eine perspektivische Aufgabe: mit der Versöhnung nicht zu warten bis zum letzten, jüngsten Tag. Sondern sofort zu beginnen, sich mit seinem Leben auszusöhnen, mit den verpassten Chancen, mit den Prägungen und Wunden und auch mit den Menschen, denen man Wunden zugefügt hat.
Die AWO Mühldorf bietet in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Senior*innen an. Unser letzter Kurs liegt vermutlich Jahrzehnte zurück (als wir den Führerschein gemacht haben). Und er war eben auch sehr auf den Straßenverkehr ausgelegt.
Bei diesem Kurs jetzt geht es mehr um altersgerechte Erste Hilfe – etwa bei Schlaganfall, Atemnot, Diabetes, nach Stürzen etc. Geübt wird die stabile Seitenlage und wie man einen Notruf richtig absetzt. Vermutlich können auch Jüngere am Kurs teilnehmen, die sich um Senior*innen kümmern.
Der Kurs findet statt am
Montag, den 28. Oktober
von 14 bis 17 Uhr
im Haus der Begegnung in Mühldorf
Die Kursgebühr beträgt 25 € – das ist ein günstiger Tarif. Bei diesem Kurs sind noch einige Plätze frei. Drum lohnt es sich, schnell zu sein bei der Anmeldung. Die ist telefonisch möglich bei der AWO unter der Nummer 08631/ 40 99.
Im heutigen „Mühldorfer Anzeiger“ wird auf die Telefonseelsorge Mühldorf hingewiesen. Diese sucht nämlich neue ehrenamtliche Mitarbeiter.
Der Dienst der Telefonseelsorge ist lebenswichtig. Nicht immer geht es um Leben und Tod, oft geht es darum, dem Anrufer zuzuhören mit offenem Ohr und offenem Herz. Mit Einfühlungsvermögen und Empathie für die Sorgen und Nöte des Anrufenden. Oft spielt Einsamkeit eine Rolle, man sucht jemanden, der vorurteilsfrei und anonym zuhört bei dem, was man sonst niemandem sagen kann.
Die – übrigens kostenlose -Telefonseelsorge ist rund um die Uhr besetzt und erreichbar. Das erfordert jedoch eine Menge ehrenamtlicher und gut qualifizierter Mitarbeiter. Deshalb bietet die Telefonseelsorge Mühldorf ab Januar 2025 einen sehr ausführlichen Kurs an. Auch der ist kostenfrei, aber man muss dann auch bereit sein, etwa 15 Stunden im Monat und alle 2 Monate eine Nachtschicht zu übernehmen.
Wer sich das jetzt vorstellen kann (etwa als Rentner auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung), kann sich informieren bei einem Info-Abend am 16. Oktober um 18:30 Uhr im Pfarrsaal von St. Peter und Paul in Mühldorf.
Es ist eine Anmeldung nötig bei der Leiterin der Telefonseelsorge Mühldorf, Frau Andrea Fürnrohr, unter der Nummer: 089/ 213774142 oder afuernrohr@eomuc.de
Falls Sie die Telefonseelsorge benötigen, können Sie unter den folgenden Nummern anrufen:
Es gibt Situationen , da ist man/ frau über Verhaltensweisen eines vertrauten Menschen irritiert. Er/ sie reagiert nicht wie gewohnt, nicht wie erwartet. Emotionen werden weniger oder bieten einen Überraschungseffekt. Manchmal zeigt sich urplötzlich eine Wut. Es tauchen bestimmte Themenwörter häufiger auf. Auch körperliche Aktivitäten verändern sich.
Der/ die Angehörige ist irritiert, verunsichert. Wie kann er/sie das einordnen? Und mehr: wie drauf reagieren?
Natürlich wird man/ frau das erst einmal beobachten. War dieses Verhalten einmalig? Kommt es öfter vor? Dann versucht man/ frau zaghaft ein Gespräch miteinander.
Und dann? Wenn sich nichts klärt oder verändert? Dann taucht eine Sprachlosigkeit auf. Und eine Ratlosigkeit. Und eine Hilflosigkeit.
Mit wem kann man/ frau sich austauschen? Ohne die Privatsphäre zu verletzen. Ohne den anderen bloßzustellen. Man denkt ja nicht gleich an eine Fachstelle, etwa für Demenzerkrankungen.
Vielleicht gibt es eine gute Freundin? Wo man/ frau sich zumindest Mal aussprechen kann. Die eigene Verunsicherung ansprechen kann.
Vielleicht auch – neutraler – eine/n Seelsorger/in.
Wichtig scheint mir, sich zu informieren über mögliche Erkrankungen, etwa die unterschiedlichen Formen von Demenz. Hier möchte ich auf die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft verweisen mit ihrem Angebot an Infomaterial. (Siehe rechts bei den Links)
Ich möchte ermutigen zum Reden. Die Sprachlosigkeit zu überwinden. Vielleicht eröffnet sich dadurch ein Weg.