Die Gottesfrage im Angesicht von Leid und Tod

Viele Menschen fragen sich, wie Gott das Leiden und den Tod zulassen kann. Dahinter steht eine Vorstellung von einem prinzipiell menschenfreundlichen Gott, dem eigentlich das Wohl der Menschen am Herzen liegen müsste. Wenn dem aber so ist, ist das Leiden, die Katastrophen, Gewalterfahrung und letztlich der Tod unverstehbar. Das passt nicht zusammen. Aber wie können wir dieses Dilemma lösen?

Es gibt  zwei gegensätzliche Wege aus dem Dilemma. Der eine verneint Gott und sagt sich von ihm los. Wenn es das Leid gibt (und das ist unabweisbar), dann kann es keinen (menschenfreundlichen) Gott geben. Und an einen, der dem Menschen übel gesonnen ist oder wegschaut oder abwesend ist, an einen solchen Gott können viele nicht glauben. Dieser Gott stellt keine Hilfe für den Alltag dar.

Der zweite Weg besteht darin, im Unheil das Lebensförderliche zu suchen. Etwa die Hilfsbereitschaft der Menschen zu entdecken im Erdbeben oder Hochwasser. Oder das tatkräftige Einschreiten, um Gewalt abzuwehren. Oder den lauten Protest, wenn Unrecht geschieht. Das Lebensförderliche wäre dann die Form, in der sich der menschenfreundliche Gott zeigt, indem er die leidempfindsamen Menschen ermutigt und befähigt ud ermächtigt, sich zu engagieren.

Ich bin auf einen dritten Weg gestoßen – zum einen durch ein Buch, zum anderen durch ein paar Gespräche, zum dritten durch eigenes Erleben. Das Buch heißt: „Der Schrecken Gottes“ von Navid Kermani. Er stellt darin sowohl das jüdische wie das christliche und auch das islamische Ringen mit Gott im Angesicht des Leides vor. Der dritte Weg besteht in der Klage oder schärfer: Anklage Gottes. Wenn Gott wirklich menschenfreundlich ist (wovon alle diese drei Religionen ausgehen), dann muss man ihn auch für das Leiden belangen können. Dann muss er wenigstens sich dieser Klage stellen. Dann muss er sich wenigstens den Klagenden und Anklagenden zuwenden.

In unserer katholischen Kirche ist die Gebetstraditon der Klage und der Anklage ziemlich verstummt. Wir erschöpfen uns in Dank, Lob und Bitte. Dabei könnten wir – gerade im Gottesdienst – das Leben und das heißt auch: das Leiden der Menschen zur Sprache bringen und zu Gott tragen. Wenn wir schon nicht viel vermögen, das jedoch können wir. Dazu haben wir biblische Vorbilder, man denke nur an Hiob, die Klagelieder, Jesus im Ölberg und am Kreuz. Sie alle haben immer am Glauben an Gott festgehalten – auch dann, als dieser Gott gar nicht sichtbar war und sich verhüllt hatte im Leiden und in der Zumutung.

Ich will unsere Seelsorger ermutigen, sich zum Sprachrohr vor Gott zu machen für die Leidgeprüften, für die Zweifelnden, für die Verbitterten, für die, die mit Gott kämpfen und ringen und  rechten.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Die Einsamkeit von Senioren

Immer wieder werde ich mit der Einsamkeit von Senioren konfrontiert – sei es im Seniorenheim, wo manche Menschen sehr nach einem freundlichen Wort, einem kurzen Ratsch oder auch nach einem intensiveren Gespräch lechzen. Oder sei es auch mit Menschen, die daheim leben und dort vereinsamen. Aber: nicht jeder Alleinlebende ist auch einsam wie umgekehrt auch nicht jeder, der einsam ist, allein lebt. Einsamkeit  bedeutet eher, dass ich nicht in dem Maße und in der Intensität Kontakte habe, wie ich sie mir wünsche oder wie ich sie brauche. Die Einsamen sind statistisch gesehen wenige, aber ihre Not ist groß, zumal sie nur selten Wege aus der Einsamkeit heraus finden.

Ich sehe manchmal Menschen, die zum Einkaufen gehen und zwar nicht, weil sie etwas – eine Ware – brauchen, sondern weil sie Kontakt brauchen. So gehen sie täglich, manchmal auch mehrmals am Tage, zum Einkaufen, um wenigstens an der Kasse ein menschliches Wort zu wechseln oder um gesehen zu werden. Manche Senioren sind unter der Woche gut beschäftigt, haben viele Aktivitäten und Aufgaben, aber am Wochenende fehlt dann doch der Partner. Manche gehen regelmäßig in ein Cafe oder in Veranstaltungen, wo sie unter Leuten sind. Aber ein innigerer Kontakt, gar eine Beziehung, mag nicht aufkommen.

Einschnitte, die in die Einsamkeit führen, sind der Auszug der erwachsenen Kinder oder dann auch der Tod des Partners. Männer gehen danach allerdings schneller wieder eine Bindung ein als Frauen. Auch der Freundeskreis verkleinert sich durch Immobilität, Pflegebedürftigkeit oder Tod. Manche früheren Hobbies kann man nicht mehr so gut ausüben, manchmal fehlt der rechte Schwung dazu. Dann braucht es vielleicht eine Anstoß von außen – den Nachbarn, den Freund, jemand aus dem Dorf.

Ich glaube, es wird zunehmend notwendig im wahrsten Sinn des Wortes werden, einen geschärften Blick für Menschen zu entwickeln, die vereinsamen. Etwa wenn sie nicht mehr in den Seniorenclub kommen, wenn sie nicht mehr am Sonntag in der Kirche auftauchen, wenn sie sich zurückziehen und auch an den Vereinen oder Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen. Das ist eine Aufgabe für jeden Menschen, vielleicht besonders aber für eine Kirchen- oder politische Gemeinde.

Ich glaube auch, dass es manchmal nur kleiner Anstöße braucht: „Kommst du mit zu …“ – „Wollen wir was miteinander tun?“ – „Ich habe Lust zu …. Machst Du mit?“ Ich glaube auch, dass die Vereinsamenden eigene Initiative ergreifen können wie etwa die Frau, die die Vergissmeinnichtaktion angeregt hat (siehe Mühldorfer Anzeiger). Ich möchte eine Wandergruppe von Männern erwähnen, die sich vor Jahren zusammengefunden hat. Ich möchte eine Telefonkette erwähnen, wo sich acht Senioren täglich zur festgesetzten Zeit reihum anrufen, bis der letzte wieder den ersten spricht. So wissen alle acht, dass es jedem gut geht und jeder hat die Möglichkeit zum Gespräch.

Schön wäre es, wenn es insgesamt eine größere Sensibilität  für diese versteckten Lebenssituationen gibt.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Seniorenbeauftragte im Landkreis Mühldorf

Wir haben für den nächsten Informationsabend für die Seniorenbeauftragten der Pfarreien und der Kommunen einen Termin gefunden:

Montag, 12. Oktober 2015 um 19.30 Uhr in Ampfing.

Eine detaillierte Einladung mit der Tagesordnung ergeht noch rechtzeitig.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Fachtag: Übergänge gestalten

Das Erzbischöfliche Ordinariat München veranstaltet einen Fachtag im Bildungshaus in Freising. Er trägt den Titel: Übergänge – am Beispiel des 3. und 4. Lebensalters und richtet sich an alle, die in Seelsorge oder Bildung mit Menschen in diesen Lebensphasen zu tun haben. Das können etwa Seniorenclubleiterinnen sein oder auch Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen. In der Ausschreibung heißt es:

Alle haben sie plötzlich im Blick: Psychologie, Soziologie und Erwachsenenbildung haben die Übergänge neu entdeckt. Lebensübergänge sind im wahrsten Sinne des Wortes Wendezeiten: oft radikal, buchstäblich an die Wurzel gehend, manchmal befreiend und manchmal beängstigend. Für die Pastoral, speziell für Seelsorge und Bildung, sind Übergänge eine Chance, denn an ihnen sind Menschen offen für Begleitung.
Konkret wird die Frage nach pastoralen Angeboten beim Übergang ins 3. und 4. Lebensalter.
Jetzt ist noch einmal Gelegenheit, die Weichen zu den zentralen Lebensthemen zu bedenken und möglichst zu stellen:
· Wo werde ich leben?
· Mit wem werde ich leben?
· Wovon kann ich leben?
· Wofür will ich leben?
Haltungen müssen überprüft und Entscheidungen getroffen werden zu den Themen Selbstständigkeit bzw. Hilfe annehmen, in eigener Wohnung leben bzw. in eine gemeinschaftliche Wohnform umziehen, in Partnerschaft bzw. allein leben, ein Engagement eingehen oder die späte Ungebundenheit genießen.
Wie Menschen an diesen Übergängen pastoral begleitet werden können, welches lebensstärkende Potential der Glaube (bzw. Religiosität) bieten kann, ist Thema des Fachtags.
Referent: Prof. Dr. Andreas Wittrahm
Ort: Bildungszentrum Kardinal-Döpfner-Haus, Freising
Teilnahmebeitrag: € 30,- / Tagesverpflegung: € 20,-
Beginn: 9.30 Uhr mit Ankommenskaffee – Ende: 17.00 Uhr
Anmeldung bis 1.10.15: hmair@bildungszentrum-freising.de oder telefonisch unter:  08161 1812177

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Zur 37°-Sendung: Die Pflege macht uns arm

Die Sendung „Die Pflege macht uns arm“ aus der Reihe 37° des ZDF hat sehr eindrücklich geschildert, was Angehörige auf sich nehmen, um einem Pflegebedürftigen das Leben daheim zu ermöglichen. Gut war es, dass es dabei nicht nur um alte Menschen ging, sondern dass auch eine Familie mit einem behinderten Kind gezeigt wurde. Die Angehörigen mussten ihr eigenes Leben stark umstellen, auch wenn das immer mehr Einschränkungen bedeutete. Dass sie es dennoch tun, zeigt die liebevolle Verbundenheit mit dem auf Pflege Angewiesenen. Die Kehrseite ist die Aufgabe des eigenen Lebens.

Schade, dass sich der Film im Wesentlichen auf die finanzielle Seite beschränkt hat und die emotionale und soziale Belastung nur am Rande dokumentiert hat. So kamen auch Unterstützungssysteme nur indirekt (wenn überhaupt) zum Zuge, etwa durch den Sportverein, der das Vereinsheim als Wohnraum überlassen und einen Minijob ermöglicht hatte.

Die Chance des Filmes wäre gewesen, Hilfe als legitim und verfügbar darzustellen. Damit meine ich all das, was ich z. B. in meiner Liste des Hilfenetzwerks aufgelistet habe und was es sicher auch andernorts gibt. Ich meine auch die nachbarschaftlichen Initiativen, die es oft gibt, weil Menschen das Schicksal von pflegenden Angehörigen erkennen und es sich zu Herzen gehen lassen.

 

 

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Die Priscus-liste von Medikamenten für Ältere

Viele Senioren benötigen eine ganze Reihe von Medikamenten. Neben den erwünschten Wirkungen haben sie jedoch häufig unerwünschte Nebenwirkungen und oftmals auch Wechselwirkungen. Daraus können sich Komplikationen ergeben. Dies zu erforschen, hat sich ein Projekt mit Namen „Priscus“ (aus dem lateinischen Wort für „der Alte“) zum Ziel gesetzt. Herausgekommen ist eine Liste von Wirkstoffen, die in ihren unerwünschten Wirkungen beschrieben werden und für die auch Alternativen aufgezeigt werden. Die „Priscus-liste“ ist immerhin 33 Seiten stark. Sie ist zu finden unter www.priscus.net.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Zu den Bedürfnissen älterer Menschen

In einer Studie zu den Bedürfnissen älterer Menschen wurde als wichtigster Wunsch der nach innerem Frieden und nach einem guten Verhältnis zu den anderen Familienmitgliedern genannt. Das war für mich noch wenig überraschend.

Neu war für mich jedoch, dass auch Hochbetagte – ja sogar noch Sterbende – als zweites den Wunsch hatten, anderen etwas zu geben, für andere da zu sein, anderen helfen zu können, für jemanden Bedeutung zu haben. Erst danach kamen die religiösen Bedürfnisse und der Wunsch nach entlastenden Gesprächen oder Klärung. Diese letzten Bereiche werden wohl schon gut abgedeckt, sei es durch Angehörige, Besucher, Pflegende oder Seelsorger.

In der Konsequenz vor allem des zweiten Punktes müssten wir also fragen: worin sind die Hochbetagten und die Sterbenden Experten?  Welches Potenzial hat jemand auch noch am Ende seines Lebens? Wobei kann uns ein Sterbender helfen, was kann er uns geben?

Eine Antwort habe ich im Gespräch mit Hinterbliebenen herausgefunden. Sie hatten den Eindruck, völlig hilflos zu sein und nichts mehr für den Sterbenden tun zu können. In Wahrheit konnten sie sehr viel tun im Dasein, im Reden, im Körperkontakt, im Aushalten des Sterbens. Aber auch umgekehrt haben sie vom Sterbenden den Trost erfahren, dass auch sie (die Angehörigen) nicht im Sterben allein sind, sondern eben liebevoll verbunden mit dem sterbenden Freund oder Familienmitglied. Dies hat ihnen Schuldgefühle erspart, mit denen sich andere dann doch herumschlagen (müssen). Die Sterbenden konnten vermitteln, dass auch der Tod einem Menschen nicht die Würde nehmen kann. So konnten sie auch ein Stück weit Vorbild sein für das eigene Sterben und die Angst davor nehmen.

Das Gesagte gilt vielleicht nicht für jeden Tod und ganz bestimmt nicht für einen plötzlichen, unvorhergesehenen. Aber es ist für mich auch eine Aufgabe, dem Sterbenden diese Erfahrung zu ermöglichen (wo immer es geht), dass er auch im Tod noch gebraucht wird und für andere Bedeutung hat.

 

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Zur Arbeit des Pflegepersonals in den Seniorenheimen

Als Seniorenseelsorger komme ich auch immer wieder in Kontakt zum Personal in den Seniorenheimen. Ich merke da, wie vielfältig und anstrengend diese Arbeit ist, wie stark das Pflegepersonal gefordert ist, fachlich korrekt zu handeln und darüber hinaus auch freundlich zu sein. Eine Alltagsbegegnung in ganz anderem Zusammenhang hat mir in dieser Woche vor Augen geführt, wie nervtötend und anspruchsvoll der Umgang mit an Demenz Erkrankten sein kann, etwa wenn jede Minute dieselbe Frage gestellt wird und die Antwort sofort wieder vergessen ist. Vom Personal in den Pflegeheimen wird aber selbstverständlich erwartet, dass sie dies „professionell“ behandeln. Dabei sind die Pflegerinnen und Pflegehelferinnen (natürlich auch die Männer) auch „nur“ Menschen mit Gefühlen, Belastungen, Freuden … Meist stecken sie diese Beanspruchungen gut weg. Aber in Zeiten des Urlaubs oder bei Erkrankungen von Kolleginnen wird die ohnehin häufig dünne Personaldecke noch mehr strapaziert. Das geht manchmal zu Lasten der Gesundheit – nicht nur des Personals, sondern auch der Bewohner.

Ich denke, es ist gut, diese Situation im Bewusstsein zu haben – und auch zu sehen, mit wieviel Freude und Engagement die Pflegenden trotz und in aller Belastung ihre Arbeit tun – oft mit viel Einfühlungsvermögen für die Würde der Bewohner. Ich möchte an dieser Stelle sehr dafür werben, den Pflegenden dafür auch mal „Danke“ und „Vergelt´s Gott“ zu sagen, denn leider geschieht das wohl nicht sehr oft. Aber wir Menschen leben eben nicht nur vom Lohn, sondern auch von der Anerkennung.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Bevölkerungsprognose der Bertelsmannstiftung

Die Bertelsmannstiftung hat heute eine Bevölkerungsprognose veröffentlicht unter dem Titel „Demographischer Wandel verstärkt Unterschiede zwischen Stadt und Land“. Darin wurde die zahlenmäßige Entwicklung der Städte und Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern sowie aller Landkreise berechnet. Trotz hoher Zuwanderung (die wir wirtschaftlich auch brauchen) wird die Bevölkerung Deutschlands zahlenmäßig schrumpfen auf unter 80 Millionen. Allerdings werden große Städte eher wachsen, der ländliche Raum verliert z. T. dramatisch um bis zu einem Viertel der Bevölkerung. Diese Regionen sehen sich vor große Herausforderungen gestellt: Mobilitätsangebote, schnelles Internet und eine Gesundheitsversorgung in erreichbarer Nähe nennt die Studie.

Die zunehmende Alterung bedeutet einen erhöhten Pflegebedarf. Die Zahl der Hochbetagten über 80 Jahre steigt bundesweit um 47,2 % auf über 6,3 Millionen. Dem gilt es jetzt schon vorzubeugen durch den Aufbau einer funktionierenden Pflegestrukur. (So weit die Studie der Bertelsmannstiftung, zu finden unter: www.bertelsmann-stiftung.de/de/presse)

Viele Experten empfehlen dafür einen Mix aus Pflegeheimen, ambulanten Diensten und häuslicher Versorgung, in die auch Ehrenamtliche eingebunden sind, um die Angehörigen zu entlasten. Diese tragen jetzt schon die Hauptlast der Pflege und werden durch die Zunahme der Pflegebedürftigen, die erhöhte Frauenerwerbsquote, die größere räumliche Distanz zu den Pflegebedürftigen u. ä. immer mehr belastet werden. Ich meine, das ist eine Aufgabe, der sich Kommunen und auch Pfarreien gemeinsam stellen müssen.

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Seniorentag in Frankfurt

In der letzten Woche fand in Frankfurt a. M. der 11. Deutsche Seniorentag statt. In den Meldungen der veranstaltenden BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) wird vor allem das große Interesse und die aktive Teilnahme der Senioren betont. Besonderen Anklang fand wohl eine Podiumsdiskussion zwischen Alt und Jung.  Die BAGSO schreibt darüber:

Alt und Jung – zwei Welten?

Ein wahrer Publikumsmagnet war das Publikumsgespräch mit Franz Müntefering, Bundesminister a.D. und Dr. h.c. Petra Roth, Oberbürgermeisterin a.D., sowie Schülerinnen und Schülern des Lessing Gymnasiums. Die Diskussion zwischen den Generationen, moderiert von der Chefredakteurin des Senioren Ratgebers Claudia Röttger, zeigte schnell, dass das gegenseitige Interesse sehr groß ist: „Wir profitieren von den Erfahrungen und dem Wissen der Älteren“, so das Ergebnis einer Studie, die von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe im Rahmen eines Schulprojektes durchgeführt wurde. Auch auf dem Deutschen Seniorentag trafen die Schüler auf sehr aufgeschlossene und aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Gymnasiasten gern Rede und Antwort standen. Es zeigte sich, dass Jung und Alt in ihren Wertevorstellungen gar nicht so weit auseinander lagen. Müntefering appellierte an die Jugend: „Sorgt dafür, dass die Welt morgen so ist, wie Ihr sie wollt, mischt Euch ein!“ Dem schloss sich die ehemalige Oberbürgermeisterin an: „Ihr seid die Zukunft von morgen, gestaltet sie entsprechend.“

Die Erfahrung, dass Werte die Menschen verschiedener Generationen verbinden, habe ich früher schon bei Firmelternabenden gemacht. Manchmal werden freilich dieselben Werte anders gelebt – etwa: Gemeinschaft oder Verlässlichkeit oder Treue (die einen meinen: in der Familie, die anderen: mit Freunden). Aber es ist gut, wenn diese gemeinsame Basis immer wieder ins Bewusstsein kommt. Auch dass die Erfahrung der Senioren einen Schatz für die Jungen darstellt, ist eine große Wertschätzung und zeugt von Achtung. Umgekehrt sind die Älteren auch auf die Solidarität und die Tatkraft der Jüngeren angewiesen – sei es gesellschaftlich, sei es persönlich. Vielleicht könnten solche Podiumsdiskussionen öfter und im kleineren Rahmen statfinden?

Leave a Comment

Filed under Allgemein