Das Bundesfamilienministerium hat ein neues „Familienbarometer“ herausgegeben. Es zeigt auf, unter welchen Belastungen Familien heutzutage leben – nicht nur, aber auch im Seniorenbereich (etwa in der häuslichen Pflege). Vor allem auch, welche Unterstützung für die Familien nötig ist. Im Newsletter der bagso heißt es dazu:
Familienbarometer: Mehrheit wünscht sich Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige
Bundesseniorenministerin Lisa Paus hat das Familienbarometer vorgestellt: Darin werden zentrale Trends zum Familienleben in Deutschland analysiert und Optionen für die Weiterentwicklung familienpolitischer Leistungen aufgezeigt. Der Fokus des Familienbarometers liegt unter anderem auf den Handlungsfeldern: „Finanzielle Sicherheit für Familien erhöhen“ und „Zeitautonomie in herausfordernden Familienphasen erhöhen“. Ein wichtiges Ergebnis ist: Zwei Drittel der Bevölkerung können sich grundsätzlich vorstellen, Angehörige zu pflegen. Die Mehrheit (75 Prozent) wünscht sich eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige.
Beten heißt: mit Gott reden. So habe ich es am Aschermittwoch gesagt. In der Fastenzeit haben wir dann verschiedene Arten dieses Redens in den Blick genommen. Aber wie steht es mit der Rede Gottes, mit seinem Wort, seiner Antwort?
Ich taste mich mit meiner persönlichen Antwort mal langsam vorwärts. Ich beginne mit dem Schweigen. Oder genauer mit dem Wort, das „in die Stille verschwebt“. Gottes Wort ist wohl eher leise als laut. Eher sanft als bedrohlich. Eher lebensförderlich als zerstörerisch.
Gottes Antwort kommt in menschlicher Sprache und Gebärde, im Gefühl, im menschlich Erfahrbaren. Gottes Antwort kommt in vielfältiger Weise:
wenn ein Moment des Wunderbaren auftaucht
wenn es ein Staunen gibt
wenn es Innigkeit und Zuneigung gibt
wenn Menschen zu ihrer Wahrheit vorstoßen.
wenn Hilfe erfahren wird (in Krisen, im Unglück, im Leiden)
wenn sich eine Perspektive eröffnet.
Gottes Antwort zeigt sich in der konkreten Hilfe. Ich erinnere mich an das Oderhochwasser 1997, als viele Menschen sehr viel verloren haben in dieser Katastrophe. Wo war da Gottes Antwort? Sie kam aus dem fernen Bangladesh, einem der ärmsten Länder der Welt. Die Menschen dort wissen, was Überschwemmung bedeutet und sie haben Geld gesammelt für die Flutopfer in Deutschland.
Ergriffenheit und Stille sind für mich Hinweise. Das habe ich immer wieder in der Fachklinik Annabrunn bei Suchtkranken erlebt. Wenn jemand zu seiner Lebenswahrheit durchgedrungen ist, wurde es für einige Zeit ganz still und die gefühlte Raumtemperatur ist ein wenig gefallen. Ergriffenheit zeigt sich, wenn Menschen Nähe erfahren und auf Resonanz stoßen. Wenn wir eine Verbundenheit, Vertrautheit spüren und Innigkeit. Das Göttliche zeigt sich, wenn sich ein kleiner Moment, ein Augenblick dehnt und Ewigkeit erahnen lässt. Wenn eine Erfahrung in die Stille verschwebt.
Marianne Lüdicke: Zwiegespräch
Foto: Michael Tress
Gottes Antwort zeigt sich, wenn sich eine neue Perspektive eröffnet. Wenn Menschen (vielleicht durch schlimme Erfahrungen) einen neuen Blick auf sich selber, ihre Werte, ihr Leben gewinnen. Wenn eine Änderung nötig und möglich wird.
Gottes Antwort zeigt sich darin, dass sich Erfahrungenverdichten zu einem Lebensgefühl von Getragensein, von Zuversicht, von Lebensbejahung, von Akzeptanz, zu einem Einverständnis mit dem eigenen Leben und Gewordensein. Einer Überzeugung von Segen, d.h. dass Gott es in seiner Güte und Menschenfreundlichkeit gut macht.
Eine sehr besondere Art des Betens ist das Schweigen. Die Stille.
Was passiert, wenn ich still werde, schweige? Bei mir tauchen dann erst einmal eine ganze Menge Gedanken auf. Was muss ich tun? Was steht an? Was habe ich erlebt? Es tauchen Menschen auf vor meinem inneren Auge, in meiner Erinnerung. Manchmal mit Freude, manchmal mit Sorge. Nachrichten, die mich beschäftigen. Wenn ich still werde, ist es fast nie ganz still – schon gar nicht in meinem Inneren.
Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf das Gehör lenke, nehme ich den Verkehr wahr, die Vögel, Arbeitsgeräusche, den Krankenwagen …
Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem richte, höre ich das Ausatmen und das Einatmen. Mir fällt der Satz von Wilhelm Bruners ein: „Das Wort Gottes ist ein Atemholen.“ Mir fällt der Prophet Elija ein, der vor der Höhle Gott begegnet – nicht im Sturm, nicht im Feuer, nicht im Erdbeben, sondern in der „zarten, leise verstummenden Stimme“ des säuselnden Windes. Das ist die eigentliche Bedeutung des hebräischen Wortes „qol dmamah deqah“. Gottes Antwort im Wort, das in die Stille verschwebt.
Das war eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse auf meiner Chilereise: hoch über einer Schlucht die völlige Stille. Kein menschlicher oder tierischer Laut, kein Wind, kein Verkehr. Nur Stille.
Foto: Michael Tress
Gott schweigt (wenigstens scheinbar) – und ich darf das auch. Ich muss nicht immer reden. Es genügt, schweigend vor Gott zu sein. Einfach mich in das Atemholen Gottes einzuklinken. Luft holen, Kraft schöpfen, nur da sein vor Gott.
Der Dichter Roberto Juarroz (Vertikale Poesie) schreibt :
Die Abwesenheit Gottes bestärkt mich,
ich kann seine Abwesenheit besser anrufen als seine Anwesenheit.
Die Stille Gottes lässt mich sprechen.
Ohne seine Stummheit hätte ich überhaupt nicht sprechen gelernt.
Stattdessen stelle ich jedes Wort in eine kleine Pause der Stille Gottes,
auf ein Fragment seiner Abwesenheit.
Mein Impuls für die kommende Woche: für eine Minute schweigen und darauf achten, was im Inneren passiert.
Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen zur Altersarmut herausgegeben. Zwar ist das Thema der Altersarmut nicht neu – und auch, dass davon sehr viel mehr Frauen betroffen sind als Männer. Die Gründe für die schlechte Versorgung der heutigen Seniorinnen liegen zum einen in der Kinderbetreuung (dem damaligen Familien- und Frauenbild folgend), zum anderen in der dadurch unterbrochenen Erwerbstätigkeit (auch in Teilzeit).
So ist jetzt jede 5. Frau von Armut bedroht. Außerdem sind 15,4 % der Frauen von Wohnkosten mit mehr als 40% des Einkommens belastet. Auch das Geld für Heizung oder Kleidung oder Lebensmittel ist äußerst knapp.
Was mich aber auch mit dem Blick auf die Zukunft bedrückt, ist, dass sich das jetzt schon absehbar in der Zukunft fortsetzen wird. Viele Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Berufen, viele sind in Teilzeit erwerbstätig. Damit haben sie auch kaum Chancen auf einen beruflichen Aufstieg. Auch innerhalb einer Familie wird dann wohl wenig für eine höhere Rente der Frau getan, etwa indem der Mann in die Rentenversicherung der Frau einzahlt und so honoriert, dass die Frau wegen der Kinder daheim bleibt (immer noch sehr viel mehr als die Männer; natürlich dem unterschiedlichen Gehalt geschuldet).
Ich denke, gerade bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf lässt sich sehr viel mehr tun: mehr Kinderbetreuung (vor allem für ärmere Familie, die da schon abgehängt werden), flexiblere Arbeitszeiten, auch in der Unterstützung im Bereich der Bildung.
Wer die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts lesen will (und noch viel mehr), findet sie unter folgendem Link:
Die Seelsorger für Senioren im Landkreis Mühldorf Marianne Kaltner und Georg Stürzl bieten in Zusammenarbeit mit der Caritas einen Kurs für Angehörige von Demenzkranken an. Der IKS-Kurs ist informativ, kommunikativ und spirituell. Es gibt also Basisinformationen über diese Erkrankung, Hinweise zu einem adäquaten Umgang mit den Erkrankten und zu Unterstützungsmöglichkeiten. Außerdem werden auch die spirituellen Ressourcen zum Tragen gebracht. Für die Teilnehmenden als sehr wichtig hat sich der Austausch untereinander herausgestellt.
Der Kurs findet ab 26. April fünf Mal immer am Mittwoch Nachmittag statt. In dieser Zeit gibt es auch die Möglichkeit zur Betreuung der Demenzerkrankten.
Marianne Kaltner und Georg Stürzl bitten um eine Anmeldung bis zum 19. April.
Vor vielen Jahren habe ich eine Frau im Krankenhaus besucht. Sie hatte große Schmerzen und Angst. Unser Gespräch war sehr kurz. Oft nur ein Stöhnen durch zusammengebissene Zähne. Ich konnte da nicht viel sagen (auch nicht beten), aber meine paar Minuten der Anwesenheit waren für sie gut (hilfreich oder tröstend oder beruhigend?). Ihr Atem hatte sich beruhigt – trotz meiner Hilflosigkeit. Diese Frau hat mich etwas gelehrt:
Manchmal besteht das Gebet nur aus einem einzigen Laut oder einem Stöhnen. Wenn man Schmerzen hat, wenn einen die Trauer überfällt, wenn man in einer Depression steckt, dann ist man wohl nicht zu einem langen Gespräch mit Gott in der Lage, sondern nur zu einem einzigen Laut. Aber auch das ist Gebet, weil es die menschliche Lebenssituation ausdrückt und Gott hinhält.
In der Literatur, etwa den Psalmen, wird dieser eine Laut in die Länge gezogen und ausformuliert. Als Dichtung bringt sie in die Sprache, was sonst nur gestöhnt, gelitten, geklagt werden kann. Am eindrücklichsten ist dabei wohl Psalm 22, den wir am Karfreitag aus dem Mund Jesu hören: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?“
Aber auch das ganze Buch Ijob stellt ein sehr beredtes Zeugnis für die Klage eines Menschen dar, der fast alles verloren hat.
„Hiob“ von Gerhard Marcks vor der Klarakirche in Nürnberg
Leider hat die Klage in unserer westlichen Tradition keinen großen Stellenwert. Klagen war verpönt als Zeichen von Schwäche. Stärke zu zeigen ist angesagt. So wurde aber auch der Zugang zur Klage als Gebetsform verbaut. Welch großer Verlust!
Klagen kann man nicht nur über die eigene Situation. Unsere Welt bietet vielfältigen Anlass zur Klage: über Corona (und andere Krankheiten) – über den Ukrainekrieg (und andere Kriege) – über die Erdbebenopfer in Syrien und der Türkei (und andere Naturkatastrophen) – über Ungerechtigkeiten in der Bildung oder in der Gleichberechtigung von Frau und Mann usw.
Klage gegenüber Gott könnte auch zur An-klage gegenüber Gott werden. Dass wir dazu ermutigt werden, ist eine der wichtigsten Botschaften des Buches Hiob und auch des sterbenden Jesus.
Mein Impuls für die kommende Woche: wo sehen Sie Anlass zur Klage? Und wie können Sie diese Klage ausdrücken?
Ich habe heute eine zum Nachdenken inspirierende Predigt über „das Wasser des Lebens“ gehört und die Sehnsucht danach.
Die Sehnsucht nach dem „Wasser des Lebens“ kann viel sein: Frieden, Gesundheit, erfüllende Beziehungen, Sicherheit, Vertrauen, Angenommensein …
Die Sehnsucht zeigt uns, was wir dringend brauchen. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor 7 Jahren. Eine Ordensschwester hat damals zu mir gesagt: „Die Sehnsucht ist die Kraft von der andern Seite, die uns anzieht.“ Das, wonach ich mich sehne, weckt in mir Kräfte, es zu erlangen. Die Sehnsucht nach Angenommensein bewirkt, dass ich mich (vielleicht erst einmal vorsichtig und tastend) öffne. Die Sehnsucht nach Heilung lässt mich den suchen, der mich heil machen kann. Die Sehnsucht nach Kontakt lässt mich aktiv werden.
Bild: Michael Tress
Man kann sich dieser „Anziehungskraft“ freilich auch widersetzen. Dann wird man wohl resignieren oder verbittern. So viele alte Menschen haben Schwieriges erlebt und dabei das Gespür für ihre Sehnsucht verloren oder begraben. Aber vielleicht muss sie auch nur wieder abgetippt werden. Vielleicht ist ein Seniorenkreis dafür geeignet mit einem Austausch über vergangene und aktuelle Sehnsucht.
In meiner Kindheit wurde besonders Wert auf das Danken gelegt. Nicht nur den Eltern gegenüber, sondern jedem, der uns einen Gefallen getan oder eine Freude gemacht hatte. Möglichst noch mit einem „Diener“ dazu oder bei den Mädchen mit einem Knicks. So ist ins Bewusstsein gekommen, wie sehr wir vieles anderen verdanken.
Es gibt ein wunderbares Lied (komponiert von Violeta Parra, gesungen u.a. von Mercedes Sosa), das für alles Mögliche dankt: „gracias a la vida“. Es sagt „Danke“ u.a. für die Sterne, das Gehör, das Alphabet, für die Sprache, das Lachen und das Weinen, vor allem – und immer wiederkehrend – für die Liebe.
Auch Gott gegenüber wurde der Dank groß geschrieben: Danke für die schöne Welt – danke für das Leben – danke für die Erlösung in Jesus.
Im Dank drückt sich aus, dass wir so vieles nicht selbst machen und herstellen können. Dass sich da etwas zeigt, das unserer Verfügungsmacht ein Stück weit entzogen ist. Dass ein Vorhaben gelingt. Dass die Ernte gut wird. Wenn Beziehungen gelingen, wenn Versöhnung geschieht, wenn Heilung möglich ist, dass Rettung sich ereignet. Wenn Leben gelingt.
In der Zeit von Corona haben wir vieles entbehrt, was uns vertraut und lieb geworden war: Kontakt, Berührung, Nähe, Unmittelbarkeit, Gesundheit, Lockerheit, Ausgelassenheit, Feiern …. Und wir haben erfahren, wie sehr wir auf andere angewiesen sind in der Vereinzelung oder gar Vereinsamung, in der Gesundheitsfürsorge und Pflege, in der Versorgung mit Artikeln für das tägliche Leben …
Der Ukrainekrieg zeigt uns deutlicher als die vielen anderen Kriege weltweit, wie sehr Menschen leiden, wie brutal und grausam Menschen sein können.
„a Woman protects her son“ von Samuel Aranda, aufgenommen 2011 im Jemen
Gerade das Unvollkommene, das Leidvolle, das Friedlose kann den Blick schärfen auf das, was doch an Lebensfrohem, an Lebensförderlichem, an Leichtigkeit und Hoffnungsvollem in dieser unserer Welt – der kleinen wie der großen – vorhanden ist. Aber gerade das macht mir auch deutlich, dass Dankenkönnen keine Selbstverständlichkeit ist, dass man/ frau/mensch genauso gut in der Depression und in der Verzweiflung landen kann.
Mein Impuls für die kommende Woche: suchen und entdecken Sie an jedem Tag eine (einzige) Kleinigkeit, für die ein „Danke“ möglich ist. Ein „Danke“ einem Menschen, dem Leben, Gott gegenüber.
Initiative für eine demenzfreundliche Gesellschaft
In Töging gibt es die „Home Instead Region Inn-Salzach. Die bieten verschiedene Dienstleistungen rund um die häusliche Pflege an, etwa Betreuung und Pflege, Onlinepflegekurse, Verhinderungspflege etc.
Sie wollen die Gesellschaft gerne über das Thema „Demenz“ informieren. Auf ihrer Homepage schreibt Home Instead Region Inn-Salzach:
Um die Gesellschaft stärker für das Thema Demenz zu sensibilisieren, hat Home Instead die Initiative Demenz-freundlich ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es vor allem, Gemeinden, Unternehmen und Organisationen demenzfreundlicher zu machen. In einer demenzfreundlichen Gesellschaft werden Betroffene verstanden, respektiert und unterstützt, damit sie trotz ihrer Erkrankung am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Je besser die Gesellschaft über Demenz informiert ist, desto einfacher ist es, Verständnis zu zeigen und Betroffenen sowie deren Angehörigen das Gefühl zu geben, weiterhin anerkannt und integriert zu sein.
Zu diesem Zweck gibt es das Angebot für einen Film. Er findet am 19. April 2023 um 19:00 Uhr im Cinewood in Waldkraiburg statt. Anschließend gibt es eine Diskussions- und Fragerunde mit dem Regisseur Günter Roggenhofer, der seine an Demenz erkrankte Mutter sieben Jahre begleitet hat.
Der Film heißt: Diagnose Demenz– Schrecken ohne Gespenst
Der Eintritt beträgt 3 EUR und wird anschließend an die Alzheimer Gesellschaft gespendet.
Einer meiner Theologieprofessoren hat mal gesagt: „Jesus hat sich nie mit dem Danken aufgehalten, er hat immer nur gebeten.“
Die Bitte als Gebetsform ist bei uns sehr populär. Vor allem in der Form der Für-bitte. Also die Bitte für jemand anderen oder für eine bestimmte Lebenssituation. Sie greift vor allem dann, wenn unsere menschlichen Möglichkeiten begrenzt oder erschöpft sind. Etwa in einer Krankheit. Dabei ist nicht nur an den Kranken zu denken, sondern auch an die Angehörigen, die oft bis an die Grenzen der Erschöpfung gehen – und darüber hinaus.
Aus der Ausstellung: „…weil du mich berührst“ der Seniorenpastoral München
Bitte kann tatkräftige Hilfe und eigenen Einsatz nicht ersetzen, aber ergänzen. Bitte und Tat gehören wohl zusammen.
Jesus – an dem wir Christen uns orientieren – hat auch beides getan: er hat den Kranken geholfen und den Ausgegrenzten – und er hat gebeten. Auch seine Kräfte waren begrenzt und dann (und erst dann) hat er sich zum Gebet zurückgezogen. Ich vermute, zu einem Bittgebet und nicht zu Lob und Dank.
Im Ersten Testament bitten die Urväter, Mose und die Propheten, die Psalmen sind voll mit lauter Bitten: Herr, rette mich! – Reiß mich heraus aus den Fängen meiner Feinde! – Heile mich!
Auch die christlichen Kirchengeschichten sind voller Frauen und Männer, die tatkräftig und im Bitten die Welt im Großen und im Kleinen lebenswerter zu machen suchten.
Bittgebet will also eine Veränderung. Bittgebet gibt sich nicht zufrieden mit dem, was ist. Bittgebet hat nicht nur das eigene Leben im Blick, sondern auch das größere Ganze. Bittgebet hat auch die eigene Machtlosigkeit erfahren und sucht den Anschluss an Gottes Wirkmächtigkeit. Bittgebet ist erfüllt von einer Ahnung und einer Sehnsucht nach einem „besseren“ Leben, nach einem lebenswerteren, erfüllteren, gerechteren Leben. Ich wünsche mir, in den Fürbitten des Gottesdienstes sehr viel mehr von der Sehnsucht der Liturgen nach einer menschenfreundlichen Welt zu spüren.
Mein Impuls für diese Woche: Wie sieht Ihre Sehnsucht von einer besseren Welt, einem besseren Leben aus? Was können Sie selber tun – und wofür brauchen Sie die Unterstützung des Göttlichen? Um was könnten Sie also bitten?