Gestern wurde im Bundestag über die Neuregelung der Sterbehilfe debattiert. Diese ist wegen eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts notwendig.
Ich finde solche Debatten immer sehr hilfreich, kann dadurch doch der Blick auf die Thematik geschärft werden. In diesem Fall jedoch geht es – wie schon lange – um Hilfe zum Sterben und nicht um Hilfe beim Sterben.
Die Hilfe beim Sterben leisten etwa Hospizvereine ( in Mühldorf seit 25 Jahren der Anna-Hospiz-Verein), Palliativstationen, Palliativärzte und -Pflegende. Mit pflegerischer, medizinischer und medikamentöser Unterstützung kann der natürliche Sterbeprozess weitgehend angstfrei und schmerzfrei gestaltet werden bis zum Tod. Das Leben wird nicht verkürzt.
Diesen Aspekt habe ich schon häufig geäußert und möchte ihn auch jetzt wieder ins Bewusstsein heben als Hilfe, die im Fall des Falles gewusst werden soll.
Wer Informationen will: hier sind die Kontaktdaten des Anna-Hospiz-Vereins:
Am Pfingstfest feiern wir, dass Gottes guter Geist auf die Apostel und Jünger*innen herankam. Von ihnen sollte er in die Welt getragen werden. Mit Blick in die Kirchengeschichte können wir das Wohl und Wehe ermessen.
Heute, im Jahr 2022, blicken wir in unsere Welt, suchend nach dem Geist Gottes, dem lebendigen, friedensstiftenden, heilenden, versöhnenden, tröstenden … Geist Gottes. Wir sehen: Krieg (nicht nur in der Ukraine), Corona (weltweit), den Klimawandel. Wir sehen Ungerechtigkeit (strukturell zwischen Armen und Reichen und Superreichen), Chancenungleichheiten zwischen Gebildeten und Menschen ohne Ausbildung. Wir sehen (auch bei uns) Menschen, die sich auf Kosten anderer bereichern (manchmal legal und dennoch unanständig). Wir sehen den Missbrauch der Macht und den sexuellen Missbrauch – auch, aber nicht nur in den christlichen Kirchen. Und, und, und…
Wo ist da der Geist Gottes???
Eine sehr bedrängende Frage für mich. Ich mag sie nicht zu schnell beantworten mit dem Verweis auf all das Gute, das auch (oft im Kleinen) geschieht. Ich wünsche mir vielmehr, dass Gott sehr viel häufiger und spürbarer auftritt. Nicht unbedingt mit Feuer und Sturm, aber ein bisserl mehr als „nur“ das sanfte Säuseln des Elija darf es schon sein.
Und es regt sich mein Wunsch und meine Befürchtung, dass ich versucht bin, Verantwortung abzugeben. Verantwortung, die ich habe, die mir zukommt. Schließlich habe ich ja Geist Gottes bekommen in Taufe und Firmung. Also stellt sich die Frage: „Wie wirkt Gottes guter Geist durch mich?“ Und zwar ganz egal, ob bei den großen Themen unserer Welt oder in meinem ganz privaten Umfeld.
Am 12. Mai begehen wir den „Tag der Pflege“. Am Geburtstag von Florence Nightingale rücken – wie jedes Jahr – die Pflegeberufe in den Blickpunkt. Gerade durch die Coronapandemie wurde und wird die Belastung sichtbar, der die Pflegenden unterworfen sind. Und es wird auch spürbar, wie groß die Verantwortung ist, die sie für die Pflegebedürftigen tragen. Das sind Menschen, die verletzlich sind, die angewiesen sind auf die Unterstützung durch andere, die auch ein Stück weit ausgeliefert sind – etwa im Krankenhaus, im Pflegeheim oder auch durch ambulante Pflegedienste zuhause. Nicht zu vergessen, dass die allermeisten unbezahlt von ihren Angehörigen (vor allem Frauen!) gepflegt werden. Diese anspruchsvolle Aufgabe erfordert von den Pflegenden großen Respekt und Achtung vor der Würde der Menschen.
Das wird in den weitaus meisten Betreuungen gewährleistet (natürlich gibt es auch Ausnahmen und da ist es gut, wenn Missstände aufgedeckt werden). Die weitaus meisten Pflegenden nehmen ihre Aufgabe ernst und gewissenhaft wahr. Sie setzen sich ein – allzu oft auch über ihre zeitlichen, kräftemäßigen und sozialen Ressourcen hinaus. Dafür auch an dieser Stelle ein herzliches
„Dankeschön“.
Ich möchte aber (fast schon wie immer) auch dafür plädieren, endlich die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung zu verbessern. Gerade in Krankheitszeiten wie diesen wird sichtbar, wie unverzichtbar die Pflege ist. Auch eine Entlastung derjenigen, die als Angehörige eine Pflege leisten, ist mehr als dringend. Die Pflegenden haben denselben Anspruch auf Achtung ihrer Würde und Respekt vor ihrem Engagement, wie wir es von ihnen für die Pflegebedürftigen erwarten.
Weil sich in der guten Pflege auch die Qualität unseres Staates und unserer Solidargemeinschaft zeigt, weil sich in der guten Pflege auch das Wirken unseres Gottes zeigt, ist es möglich und nötig, dass wir alle uns für die Pflegenden einsetzen.
Ich bin in den letzten Tagen ein paar Mal mit dem Thema „Suchterkrankung im Alter“ berührt worden. Es ging darum, dass man die gewohnte Trinkmenge nicht mehr „so gut“ verträgt, es ging auch um Erlebnisse, welche mit Alkohol „leichter zu ertragen“ sind. Ich setze die Anführungszeichen, weil es subjektive Eindrücke sind und nicht objektive Bewältigungen. Sie markieren jedoch typische Veränderungen, die mit dem Alter gekoppelt sind: Verlusterfahrungen, körperliche Veränderungen etc.
Allerdings haben Bewältigungsstrategien mit Suchtmitteln (Alkohol, Nikotin, Medikamente) ihren Preis. Sie kosten die Gesundheit, die Lebensqualität, die sozialen Beziehungen, das spirituelle Erleben…
Aber es gibt Hilfe! Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen. Und Informationsmaterialien. Z. B. bei der „Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen“ dhs. Hier ist der Link dazu:
Und noch eine Erfahrung aus meiner früheren Tätigkeit in der Fachklinik Annabrunn: ein Ausstieg aus einer Suchterkrankung und ein Einstieg in die Abstinenz lohnen sich immer! Es führt zu größerer Lebenszufriedenheit, einer positiveren Lebensbilanz, zu erfüllenderen Beziehungen. Es braucht Mut und Konsequenz und gute Unterstützer.
Ich bitte Sie von Herzen, diese Schritte zu gehen bzw. zu begleiten!
Neulich habe ich in der Zeitung von einer Untersuchung der „Stiftung für Zukunftsfragen“ gelesen, nach der jüngere Menschen lieber in der Zukunft, ältere dagegen lieber in der Vergangenheit leben wollen. Ganz wenig nur wurde die Gegenwart gewählt. Die Studie selber konnte ich nicht finden, darum kann ich die Erkenntnisse nicht detaillierter beschreiben.
Aber ich finde den Gedanken anregend: in welcher Zeit wollte ich gerne leben – und warum?
In der Vergangenheit (zumindest der letzten Jahrzehnte) kenne ich mich aus. Da bin ich beheimatet und weiß um das Schöne und das Schwierige. Weiter zurück liegen die Kriege, das Leiden, der mühevolle Wiederaufbau. Und auch Chancen und vielleicht sogar Freiheiten, weil vieles noch nicht geregelt war. Aber auch eine eingeengte Moral, strengere Verhaltenskodizes, restriktivere Sanktionen.
Die Zukunft ist mit Unsicherheiten behaftet. Persönlich und gesellschaftlich. Klima, Kriege, Krankheiten, Corona, Ungerechtigkeiten, Chancenungleichheiten…. Aber auch neue Möglichkeiten, vor allem in der Technik oder der Kommunikation.
Ich selber lebe gerne im Hier und Jetzt. Zufrieden mit meinem bisherigen Leben, neugierig gespannt auf das, was kommt.
Vielleicht/ bestimmt ist aber diese Fragestellung ein interessantes Thema für so manche Gesprächsrunde – u. U. auch mit Hilfe von Bildern früherer Zeiten.
Und vielleicht auch ein Anlass, darüber nachzudenken, was leben bedeutet.
Ostern 2022 im Licht des Ukrainekriegs, von Corona, der Klimakrise, der sozialen Ungleichheit und Ungerechtigkeit … Diese Aufzählung ist lange nicht abgeschlossen. Die Beschreibung der aktuellen Zustände klingt eher nach Karfreitag als nach österlicher Auferstehung.
Aber die Auferstehung damals ereignete sich auch in schwierigen Zeiten. Die Auferstehung Jesu war nach den Evangelien kein Ereignis, das groß aufgefallen wäre. Alle haben friedlich (?) geschlafen, nichts hat die Welt bewegt oder gar erschüttert. Nur bei Matthäus hat die Erde einmal kurz gebebt, aber das war auch erst, als der Engel den Erdboden betrat, um am Morgen zwei Frauen die Auferstehung zu verkünden. Ansonsten: Stille, Ruhe, nichts an Veränderung. Schon gar keine große. Schon gar kein Spektakel. Schon gar nichts Gewaltiges und Mächtiges oder Siegreiches. (Übrigens alles Worte einer Kriegs- und Regierungssprache).
Die Auferstehung Jesu geschieht im Verborgenen. Die Auferstehung Jesu bleibt (zunächst) unbemerkt. Erst später erkennt man (besser: Frau), dass sich was getan hat.
Ostern 2022: keine große Veränderung in Sicht. Kein machtvolles, von „Sieg“ geprägtes Erscheinen Gottes. Es braucht vielleicht einen Blick in das Kleine, das Verborgene, das Unscheinbare. Wo ist das bei uns zu finden? Welche Vorstellungen von „Auferstehung“ müssen wir aufgeben, damit unser Blick frei wird? Die Erwartung von etwas Mächtigem, Großartigem, Herrlichem verstellt den Blick auf das Kreative, das Schöpferische, die Solidarität, die Zusammenhänge, bei denen die großen Veränderungen ganz winzig beginnen.
Ecce deus. Seht, Gott.
Wie ist Gott?
Der Lebendige. Die Liebe. Die Solidarität. Die Verbundenheit der Menschen untereinander und mit der Natur. Ein Da-sein für …., Anwalt der Kleinen und Bedrückten und Leidenden.
Das entdecke ich auch heute. Ostern 2022.
Ich wünsche allen ein gesegnetes Osterfest mit einem geschärften Blick und der Erfahrung, dass Gott stärker ist als der Tod.
Auf br24 gibt es eine Reportage über Senioren, die nach ihrer Rente weiter arbeiten. Am Beispiel zweier Rentner wird die unterschiedliche Motivation dazu beschrieben. Ich zitiere:
Tatsächlich hat sich die Zahl der Menschen über 65, die weiterarbeiten, in den vergangenen zwanzig Jahren ziemlich genau verdoppelt. Im Freistaat arbeitet laut einer Untersuchung des Statistischen Landesamts aus dem Jahr 2019 knapp jeder Zehnte über 65 weiter. Mit der Pandemie könnten noch einige dazugekommen sein. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind es vor allem zwei Gruppen, die im Alter noch arbeiten. Auf der einen Seite Menschen mit geringem Haushaltseinkommen wie Peter Treuter. Auf der anderen Seite Akademikerinnen und Akademiker, deren Fachwissen noch dringend benötigt wird.
Im Bericht wird deutlich, wie wichtig es ist, sich frühzeitig, d.h. schon in jungen Jahren, sich um seine Rente zu kümmern. Andererseits wird es für den Arbeitsmarkt wichtig sein, auf die Expertise der Älteren zurückgreifen zu können. Schließlich wird auch der Staat mit seinen exorbitanten Sonderausgaben (Corona, Energiewende, Ukrainehilfe und mehr) nicht auf die Steuereinnahmen verzichten können. Und schließlich kommt es zumindest manchen Senioren entgegen, wenn sie nach ihrem offiziellen Arbeitsleben weiter eine Beschäftigung haben. Aber das könnte natürlich auch etwas Ehrenamtliches sein
„Ecce homo“ – „Seht, der Mensch!“ ist der Satz, den Pontius Pilatus dem Volk sagt, als er den gefolterten Jesus vorführt. Sie sehen einen zerschundenen Körper, einen erniedrigten Menschen, seiner Würde beraubt.
Pressefoto des Jahres 2011 aus dem Krieg im Jemen. Das Bild des spanischen Fotografen Samuel Aranda
„Seht, der Mensch!“ Der Satz kommt mir, wenn ich die Bilder aus Butscha sehe, die hingerichteten Menschen, achtlos liegengelassen oder in Gullis gestopft, ihrer Kleidung beraubt und geschändet. Er kommt mir in den Sinn beim Blick auf die ausgebrannten Panzer, in denen sicher auch Soldaten waren. Ich sehe den Menschen, wenn Frauen von ihrer „Reise“ (wie sie sagen, „Flucht“, wie wir sagen) mit und ohne Kinder berichten. Pieta 2022.
All das zeigt: so ist der Mensch. Verletzlich, verwundbar, fragil. Aber auch das ist der Mensch: verletzend, verwundend, brutal, zerstörerisch, un-menschlich. Ich halte nichts davon, von „Monstern“ zu sprechen oder zu sagen, dass das „das Böse“ ist. Es sind Menschen, die das tun.
Karfreitag. Tag der Opfer. Tag der Konfrontation mit dem, wozu Menschen fähig sind, im Guten wie im Entsetzlichen. Tag der Nachdenklichkeit über das, was Menschsein ausmacht. Was „Menschlichkeit“ bedeutet und was Menschlichkeit bedeuten könnte.
Die Bagso hat in ihrem neuesten Newsletter auf eine Neuerscheinung hingewiesen, die viele gute Ideen enthält. Ich zitiere den Nesletter:
Buch-Neuerscheinung „44 Ideen für gute Nachbarschaft“: Werkzeugkoffer für Nachbarschafts-Initiativen
Die Autorin Katharina Kühnel-Cebeci stellt in ihrem Buch praxiserprobte Werkzeuge der Nachbarschaftsarbeit vor. Das Buch bietet auf 178 Seiten Anleitungen und Lösungsansätze für eine gelingende Nachbarschaft. Es beantwortet Fragen wie: Wie erreiche ich meine Nachbarinnen und Nachbarn? Wie bringe ich sie zusammen? Wann ist eine Nachbarschaft eine gute Nachbarschaft? Das Buch ist erschienen im Verlag der Stiftung Mitarbeit und kostet zwölf Euro.
Vielleicht haben Sie sich gefragt, warum wir uns in der Fastenzeit mit den Sinnen beschäftigen. Jetzt kommt die Auflösung:
Der Palmsonntag eröffnet die Karwoche. Die spricht alle Sinne an: wir sehen den Einzug Jesu in Jerusalem. Wir hören den Jubel der Menge, das „Hosianna“. Wir riechen den Duft von Frühling, vielleicht auch den Weihrauch in der Kirche. Wir schmecken das Abendmahl am Gründonnerstag. Was spüren wir, was fühlen wir, wenn wir am Karfreitag den Schrecken der Passion hören und den gefolterten Jesus sehen?
Foto: Michael Tress
Der ganze Mensch mit all seinen Sinnen ist angesprochen, um das Wirken Gottes und der Menschen zu erfassen, zu ergreifen, zu begreifen.
Wie sieht das in unserem Alltag aus? Welche Sinneserfahrungen bietet der? Welche Gotteserfahrungen hält der Alltag bereit? Wie entdecken wir Gott im Schönen – aber auch im Schrecklichen des Krieges (jüngst bei den wüsten Gräuel in Butscha) oder der Krankheit, der Verwundbarkeit und der Versehrheit menschlichen Lebens? Das fällt mir schwer, am ehesten noch in der Hilfsbereitschaft und Kreativität der Menschen.
Vielleicht bleibt in all dem auch Raum für die Unbegreiflichkeit Gottes, für die Unverfügbarkeit, für das Rätselhafte. Darin spüren wir, dass Gott größer und mehr ist als wir es uns vorstellen, dass er anders ist. Dass Gott anders ist als unsere Vorstellungen. Dass Gott anders ist als unsere Wünsche. Dass Gott auch immer anders ist als unsere Erfahrungen. In einem Gespräch mit einer Freundin haben wir uns darüber unterhalten, dass die Vorstellung vom liebenden Vatergott nicht vereinbar ist mit den Erfahrungen des Ukrainekrieges. Solcher Zwiespalt hält uns im besten Fall auf dem Weg der Frage und Suche – nämlich dann, wenn wir uns nicht zufriedengeben mit den wunderbaren, schönen, idyllischen Gottesbildern. Wenn wir nicht alles wegschieben aus unserem Glauben und unserem Leben, das mit einem „lieben Gott“ nicht kompatibel ist. Wenn wir berührbar bleiben durch das Quere, das Durchkreuzende, das Anstoßerregende.
Der Weg durch die Karwoche ist ein harter Weg, anstrengend, mühevoll, irritierend, verletzlich. Aber nur, wer diesen Weg geht und sich darauf einlässt, kommt zur Erfahrung von Ostern.
P.S. „Anders“ ist die ursprüngliche Bedeutung des hebräischen Wortes „qadosch“, das wir für gewöhnlich mit „heilig“ übersetzen.