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Gebet in Zeiten der Corona-erkrankungen

Ich habe ein Gebet übermittelt bekommen, das ich hier weitergebe als Anregung für eigenes Beten:

Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung.

Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.

Bitte tröste jene, die jetzt trauern.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie.

Allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.

Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.

Wir beten für alle, die in Panik sind und für alle, die von Angst überwältigt sind um Frieden inmitten des Sturms, um klare Sicht.

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen, niemanden umarmen können. Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.

Und ja, wir beten, dass diese Epidemie abschwillt, dass die Zahlen zurückgehen, dass Normalität wieder einkehren kann.

Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.

Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist.

Dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können.

Dass Du allein ewig bist.

Dass im Leben so vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt.

Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.

Wir vertrauen Dir. Danke!

von Johannes Hartl

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Gedanken zur Corona-Pandemie

Es gibt zur Zeit kein Gespräch, das nicht über kurz (meistens!) oder lang auf den Coronavirus kommt. Manche Gespräche kommen auch unvermutet zustande – etwa vor einem leergekauften Regal für Toilettenpapier. Andererseits gibt es natürlich (und berechtigt!) den Aufruf zur Abschottung und zur Wahrung größerer Distanz, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden.

Meine Befürchtung war und ist, dass diese Tendenz zum Rückzug und zur Abgrenzung sich verstetigt – vor allem, wenn die Pandemie lang andauert. Dass sich die Grenzziehungen und Ausgrenzungen. die wir seit einigen Jahren auf der politischen Bühne beobachten, jetzt ins gesellschaftliche und private Leben hinein fortsetzt. Dass nachbarschaftliche Beziehungen oder auch das Vereinsleben Schaden nimmt. Das hätte sehr weitreichende Folgen für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt; und damit spreche ich jetzt nicht von den wirtschaftlichen Folgen.

Jetzt haben sich aber fast gleichzeitig Initiativen entwickelt, die in die ganz entgegen gesetzte Richtung weisen: Jüngere Menschen bieten den älteren Nachbarn Hilfe an – etwa beim Einkaufen. Die Kommunikation über das Internet und auch wieder über das Telefon steigt an. Man entwickelt eine Besorgtheit über den Gesundheitszustand anderer. In China oder Italien singen die Menschen um 12 Uhr Mittags von Balkon zu Balkon, von Fenster zu Fenster – aber eben zusammen und zu Ehren der Kranken und deren Pflegende. Es gibt auch Einzelne und Gruppen, die für die Kranken und die Pflegenden beten. Und das sind nicht nur Katholiken, sondern etwa auch Moslems. So hat es mir letzte Woche eine Muslima erzählt. Vermutlich gilt das für viele Religionsgemeinschaften.

„Verlangsamung“ ist das Wort der Stunde. Die Ausbreitung des Virus soll verlangsamt werden. Dies will man durch Rückzug erreichen. Die Verlangsamung des eigenen wie auch des öffentlichen Lebens könnte zu größerer Bewusstheit führen. So haben wir es in der vergangenen Woche bei den „Exerzitien im Alltag“ durch eine Geh-übung erlebt. Dann wäre die Corona-Pandemie vielleicht auch eine Krise in des Wortes ursprünglicher Bedeutung, nämlich dass sich etwas unterscheiden lässt und zu neuer Entscheidung führt. Das allerdings können wir selber gestalten, dem sind wir nicht – wie dem Virus – ausgeliefert, das haben wir selber in der Hand.

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Biografischer Schreibkurs 50+ in Niederbergkirchen

Es gibt wieder einen biografischen Schreibkurs 50+. Er wird von der Biografie-Trainerin Inge Finauer geleitet, die schon seit vielen Jahren diverse Schreibgruppen durchgeführt hat. Daraus ist übrigens auch ein kleines Buch entstanden mit dem Titel: „Gelebtes Leben – 99 biografische Geschichten“.

In diesen Geschichten wird das Leben sehr plastisch und anschaulich. Für die Erzähler bedeutet es, das eigene Leben zu erinnnern und die Erinnerungen festzuhalten. Für die Leser und Hörer dieser Geschichten bedeutet es, in eine fremde/ vergangene Welt einzutauchen – und dann das eigene, oft jüngere Leben anzuschauen.

Der neue Schreibkurs findet im Haus der Begegnung in Niederbergkirchen statt. Er umfasst fünf Nachmittage von 14.00 – 16.00 Uhr. Start ist am 26. März 2020, die anschließenden Treffen sind immer am letzten Donnerstag im Monat. Die Kursgebühr beträgt 33,00 €. Die Anmeldung ist möglich beim Haus der Familie, Tel: 08639/ 5845 oder im Kath. Kreisbildungswerk unter 08631/ 3767-0 bzw. info@kreisbildungswerk-mdf.de

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Kleider machen Leute

Meine Kollegin Adelheid Lappy in Rosenheim hatte eine tolle Idee: Sie organisierte einen Kleiderbasar, in dem Senior*innen kostenlos einkaufen können. Zum „Verkauf“ angeboten wurden Kleidungsstücke, die zu schade waren zum Entsorgen, sei es im Müll oder im Kleidercontainer. Es kamen ziemlich viele Senior*innen, zum einen wohl, weil die Rente kaum reicht für neue Kleidung, zum anderen aber vielleicht auch wegen der Geselligkeit. Denn gleichzeitig haben Firmlinge Waffeln gebacken, auch gespendete Kuchen und Getränke wurden angeboten. So wurde das auch noch zu einer intergenerativen Aktion! Es wäre auch interessant zu erfahren, wie die Jugendlichen das erlebt haben.

In dem kleinen Film (Link unten) sieht man die Freude, die im ganzen Raum steht – sei es beim Aussuchen und Anprobieren, sei es beim „Verkaufsgespräch“ (das übrigens von ehemaligen Verkäuferinnen geführt wurde), sei es dabei, mal wieder bedient zu werden. Gerade diese Kombination von Geselligkeit und Shoppen macht in meinen Augen den Reiz aus – und das für eine Personengruppe, deren Leben nicht gerade reiz-voll ist!

Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Idee auch in anderen Pfarreien guten Anklang findet und auch begeisterte Aufnahme.

Weitere Informationen gibt es bei:

Adelheid Lappy
Pastoralreferentin in  der Seniorenpastoral
Stadtteilkirche Rosenheim-Am Zug
T: 0151-46363201
Email: ALappy@ebmuc.de

 

Hier der Link zum Film:
https://www.facebook.com/erzbistum.muenchen.freising/videos/241883673498954/

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4. Impuls zur Fastenzeit 2020

Für die Impulse zur Fastenzeit 2020 nehme ich die alttestamentlichen Lesungen des diesjährigen Lesejahres A her. Am 3. Fastensonntag ist das Ex 17, 3-7.

Wieder eine Wege-erzählung. Das Ziel ist eine Verheißung.        „Das Land, wo Milch und Honig fließen“. Wieder nichts Bestimmtes. Schon gar kein fester „Fahrplan“ mit exakter Ankunftszeit.

Schon nach sechs Wochen Wüste streikt das Volk. Ohne Lebensmittel, ohne Wasser ist die Wanderung eine Herausforderung. Hunger- und Durststrecke. Das Volk streikt und begehrt auf. Sehnt sich zurück an die Fleischtöpfe der Sklaverei.

Auch heute habe ich den Eindruck, dass sich so mancher zurücksehnt in eine Zeit der „Sklaverei“. Mit vermeintlicher Sicherheit. Aber das galt vor 80/ 90 Jahren auch nur für eine kleine Elite. Viele, die die damalige Zeit erlebt und überlebt haben, haben noch die Wüste der Häusertrümmer vor Augen und im Sinn.

Auch im spirituellen, religiösen Sinn erlebe ich bei einigen die Sehnsucht zurück in die Zeit der Enge, der klaren Maßgaben, der sicheren Rahmenbedingungen. Für sie ist die Zeit der Wüstenwanderung eine Herausforderung. Vor allem angesichts der „Anfechtungen“ der modernen Zeiten.

Die Wanderung des Volkes Israel wird viel länger dauern als nur sechs Wochen (die ja unserer Fastenzeit entsprechen). Unser Glaubensweg wird auch viel länger dauern, bis er zum Ziel kommt. Der Glaubensweg ist ein Lebensweg. Ein Weg, der Hunger- und Durststrecken kennt; ein Weg mit Entbehrungen; ein Weg, wo man manchmal sagt: „Jetzt glangt´s!“

Aber auch ein Weg, den Gott mitgeht. Der ab und zu eine Quelle auftut; ab und zu gibt´s mal ein „Manna“; ab und zu gibt´s ein aufmunterndes Wort. Jedenfalls nie Stillstand. Immer wieder ein Ringen; immer wieder ein Streiken; immer wieder ein Aufbegehren. Aber immer weiter.

Also ist die heutige Lesung ein Hoffnungstext etwa in der Mitte der Fastenzeit.

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Absage der Fortbildung für Seniorenclubleiter*innen

Die Fortbildung am morgigen Dienstag, die Angelika Kern vom Erzbischöfl. Ordinariat, Abt. Seniorenseelsorge, zum Thema „Baumgeschichten“ angeboten hatte, ist abgesagt worden.

Grund ist die Prävention vor dem Corona-Virus.

Ob diese Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird oder die Unterlagen lediglich verschickt werden, ist noch unklar.

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Biografischer Schreibkurs in Mühldorf

Am Samstag, den 14. März beginnt die Biografie-Trainerin Inge Finauer in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Kreisbildungswerk einen weiteren biografischen Schreibkurs. Er richtet sich vor allem an „Neueinsteiger und Geschichtensammler“, so Inge Finauer.

Bei einem derartigen Kurs tauchen die Erinnerungen an das eigene Leben wieder auf und werden als kleine Geschichten festgehalten. So erhält man die kleinen und großen Kostbarkeiten des Lebens lebendig und kann sich nochmals über das Erlebte freuen. Bei den eher schwierigen Erfahrungen kann sich auch die Freude und der Stolz darüber einstellen, dass man das alles geschafft und bewältigt hat.

Der Kurs umfasst fünf Vormittage (immer am 2. Samstag im Monat) von 10:00 – 12:00 Uhr im Pfarrheim St. Nikolaus in Mühldorf. Die Kursgebühr beträgt 33,00 €, die Anmeldung ist erbeten beim Katholischen Kreisbildungswerk unter 08631/ 37 67-0 oder per Mail unter info@kreisbildungswerk-mdf.de

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Die Scherben meines Lebens – Bericht vom besinnlichen Vormittag

Heute Vormittag haben wir uns in Niederbergkirchen mit den „Scherben meines Lebens“ beschäftigt. Schön war, dass es wieder eine gute Mischung aus Frauen aus dem Ort und Bewohnern des Seniorenheims „Birkenhof“ gegeben hat.

In einer schönen Schale haben wir zunächst gesammelt, was es an Kostbarkeiten und an Wertvollem im Leben gibt und gegeben hat. Da wurden scheinbare Kleinigkeiten genannt wie die Sonne oder warmes Wasser. Es kam aber auch, dass es gut ist, wenn man in der Frühe gesund aufstehen kann. Selbstverständlich auch die Liebe, die Familie, Zufriedenheit, Anerkennung, der Hochzeitstag, die Geburt der Kinder etc. Im Psalm 139 fanden wir eine biblische Entsprechung unserer Erfahrungen und Gefühle.

Dann habe ich die Schale fallen lassen und alle Teilnehmer*innen sind erschrocken. So etwas passiert auch im Leben mit den kostbaren Dingen: sie gehen zu Bruch – teils absichtlich, teils unabsichtlich, teils unbeeinflussbar. Krieg oder Unfall oder Naturkatastrophen sind solche unbeeinflussbaren Auslöser, auch Krankheiten ereilen uns „einfach so“. Anderes wie etwa das Zerbrechen von Beziehungen geschehen mit unserem Dazutun. Da bleiben manchmal auch Narben, oft ein ganzes Leben lang. Schon im Benennen solcher Erfahrungen zeigte sich, dass das jede/r schon mal durchgemacht hat. Auch biblische Erfahrungen kamen zur Sprache: Ps 22 etwa mit seinen kräftigen Bildern von den Scherben, dem hingegossenen Wasser und dem zerflossenen Wachs. Und Hiob natürlich!

Im Leben muss man manchmal damit leben, dass eine Ecke fehlt – und zwar dauerhaft. Die fehlende Elternliebe bleibt unersetzbar. Zerbrochene Lebensträume, gescheiterte Beziehungen hinterlassen eine Lücke. Ein gesundheitlicher Schaden ist vielleicht nicht wieder zur Gänze heilbar und manches, was man gerne gemacht hat, geht nicht mehr.

Eine zerbrochene Schale kann man wieder kleben. Aber die Bruchspuren bleiben sichtbar. Die japanische Kunst des Wabi Sabi vergoldet diese  Kanten, sie fallen sofort ins Auge. Damit wird die so behandelte Schale zu einer besonderen, die sich von all den anderen Schalen aus der selben Produktion unterscheidet. Unsere „Narben“ und“ Falten“ – auch die seelischen – machen uns einzigartig und erkennbar. Sie werden zu Zeichen unserer Individualität.

Aber was ist im Leben der „goldene Kitt“? Was hilft im Leben bei den Brüchen des Lebens? Aus der Runde kamen: die guten Freunde um uns herum, bei denen wir uns mit unserem „Elend“ (dem „Wabi“) und der Reife (dem „Sabi“) zeigen können. Und es ist das Gottvertrauen, sprich das Vertrauen darauf, dass Gott uns vollenden wird – spätestens im Tod.

So hat dieser Vormittag mit seinem schweren Thema sehr viel Heiterkeit ausgelöst, noch mehr Erinnerungen, im Gespräch viel Verbundenheit untereinander und zum Schluss eine versöhnliche Lebensperspektive geboten.

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3. Impuls zur Fastenzeit 2020

Für die Impulse zur Fastenzeit 2020 nehme ich die alttestamentlichen Lesungen des diesjährigen Lesejahres A her.

Heute steht Abram im Fokus. Noch heißt er Abram – und nicht Abraham (das bedeutet „Vater der Völker“). Die erste große Wanderung hat er schon hinter sich: von Ur in Chaldäa (das ist in der Nähe des heutigen Bagdad) nach Haran im Norden des heutigen Irak. Das sind ca. 1000 km Luftlinie! (Zur Vergrößerung auf die Karte klicken!) Er hat auch schon eine erste religiöse Wandlung durchlaufen – weg von der Mondgöttin Nanna hin zu einer anderen Mondgöttin, Sin. Beide flankiert von einer Reihe anderer Götter.

Jetzt ist er ein Senior von 75 Jahren. In diesem „biblischen“ Alter spricht ein ihm unbekannter Gott zu ihm. Es soll also wieder eine Veränderung im Glauben, im Leben, in der Heimat des Abram geben. Diesmal ins völlig Ungewisse, ohne festes Ziel. „Nix Genaues weiß man nicht!“

Ich glaube, man kann sich diesen Schritt nicht radikal genug vorstellen. Hinein ins Unbekannte heißt auch: hinein in eine fremde Kultur, hinein in eine fremde Sprache, hinein in fremde Gewohnheiten und Bräuche, hinein in ein fremdes Rechtssystem, hinein in einen fremden Glauben …

Das Ganze ohne richtige Sicherheit, volles Risiko, nicht mal eine vernünftige Perspektive. Nur ein reichlich vages Versprechen: „Ich werde dich zu einem Segen machen.“

Die Senioren, die vor 75 Jahren Vertreibung und Flucht erlebt haben, können das (vielleicht) nachempfinden, wie es ist, ins Ungewisse zu gehen. Für mich, der ich nach dem Krieg geboren bin, scheint das eine ziemliche Zumutung zu sein.

 

Der Bibeltext steht aber fast am Anfang einer Zeit, der Fastenzeit, die zu Neubesinnung und Aufbruch motivieren will. Vielleicht gilt es ja, auch im Glauben „Neuland“ zu entdecken, heraus aus dem Überkommenen, Altbekannten. Volles Risiko, ohne altbekannte „Sicherheiten“, die doch nicht mehr taugen zur Bewältigung der lebenswichtigen Fragen – lediglich orientiert an der Heiligen Schrift  und dem Hören auf die innere Stimme.

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Sterbehilfe im Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Gestern hat das Bundesverfassungsgericht die Sterbehilfe für verfassungsgemäß beurteilt und sich dabei auf das Selbstbestimmungsrecht des Menschen berufen. Ich persönlich halte eine Sterbebegleitung (wie sie etwa die Palliativmedizin oder auch wir Seelsorger praktizieren) für sehr viel angemessener und hilfreicher. Vielleicht muss das noch sehr viel mehr ins Bewusstsein der Menschen gelangen, damit sie die zur Verfügung stehenden Alternativen zum Suizid erkennen.

Im Folgenden zitiere ich Stellungnahmen der christlichen Kirchen:

„Mit großer Sorge“ haben die katholische und evangelische Kirche in Deutschland die Entscheidung wahrgenommen. In einer gemeinsamen Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, heißt es außerdem: „Dieses Urteil stellt einen Einschnitt in unsere auf Bejahung und Förderung des Lebens ausgerichtete Kultur dar.“ Sie befürchten, dass „die Zulassung organisierter Angebote der Selbsttötung alte oder kranke Menschen auf subtile Weise unter Druck setzen kann, von derartigen Angeboten Gebrauch zu machen.“

Aus Sicht der Kirchen entscheiden sich an der Weise des Umgangs mit Krankheit und Tod grundlegende Fragen des Menschseins und des ethischen Fundaments der Gesellschaft. „Die Würde und der Wert eines Menschen dürfen sich nicht nach seiner Leistungsfähigkeit, seinem Nutzen für andere, seiner Gesundheit oder seinem Alter bemessen.“

Mit Bestürzung reagierte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). „Dieses Urteil ist ein tiefer Einschnitt für den Schutz des Lebens in unserem Land“, erklärte Präsident Thomas Sternberg. „Hier droht vielen Menschen statt der verheißenen Selbstbestimmung eine wachsende Fremdbestimmung am Lebensende.“ Dass die Selbsttötung als Dienstleistung verfügbar werde, habe nichts mit der Achtung der Menschenwürde zu tun. Sternberg verwies auf Entwicklungen in europäischen Nachbarländern mit liberalen Sterbehilfegesetzen: Dort sei der Zugang zu ärztlicher Suizidassistenz und aktiver Sterbehilfe kontinuierlich ausgeweitet worden.

Auch der Deutsche Caritasverband bedauerte das Urteil. „Sterbenskranke Menschen brauchen eine Begleitung, die ihre Ängste und Nöte und die ihrer Angehörigen ernst nimmt. Sie müssen alle mögliche Unterstützung erfahren, um würdevoll sterben zu können“, erklärte Präsident Peter Neher. „Sterbehilfe verstößt gegen die Menschwürde und gegen das christliche Menschenbild.“

Heftige Kritik an der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe übt auch die Deutsche PalliativStiftung. Karlsruhe setze die Selbstbestimmung der ohnehin Starken über den Schutz der Schwächsten, erklärte der Vorstandsvorsitzende Thomas Sitte am Mittwoch in Fulda. „Jetzt wird die Erleichterung der Selbsttötung für Kranke und Lebensmüde zur normalen Dienstleistung.“

 

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