Bei einer Demenzerkrankung gehen viele Fähigkeiten verloren. Das Gedächtnis lässt nach, die Sprache verliert ihre Worte, die Artikulation wird undeutlich, Bewegung wird schwerer, Essen und Trinken müssen erinnert werden, auch die Emotionalität schränkt sich ein etc. Freilich ist das je nach der Art der Demenzerkrankung unterschiedlich. Aber dass es zu einer Reduzierung von ehemals selbstverständlichen Fähigkeiten kommt, ist die Begleiterscheinung von Demenz.
Dieser Verlust fällt dem Umfeld von Angehörigen, Freunden und Nachbarn als erstes auf. Das unterscheidet ja den Demenzkranken von den Gesunden. Die nachlassenden und verschwindenden Fähigkeiten verunsichern und irritieren. Sie rufen Besorgnis hervor und manchmal auch Angst und Scham. Oder eine erhöhte Wachsamkeit und Aufmerksamkeit.
Diese Fokussierung auf die Defizite hat allerdings eine fatale Kehrseite. Sie lässt übersehen, was ein an Demenz erkrankter Mensch noch alles kann. Es ist ja keineswegs so, als ob man alles vergessen und verlernen würde. Schon gar nicht sofort und schnell. Mancher Verlust kommt erst spät oder auch gar nicht. Auch wenn die Sprache schon verschwunden ist und sie sich nicht mehr äußern können, so können die Demenzerkrankten doch noch empfinden und fühlen. „Der Kopf vergisst. Aber das Herz erinnert sich immer.“ So hat es Dr. Maria Kotulek aus der Abteilung Seniorenpastoral im Erzbischöflichen Ordinariat in München und dort zuständig für Demenzkranke einmal gesagt.
Der Blick auf die weiterhin vorhandenen Kompetenzen ist schwer. Es ist eine starke Leistung von An- und Zugehörigen, wenn sie die bestehenden Fähigkeiten bemerken. Manchmal braucht man dazu einen Perspektivenwechsel. Manchmal hilft da Humor. Etwa dann, wenn sich Menschen nicht mehr an vorgegebene Konventionen halten und etwas tun, was man eher von Kindern erwarten würde.
Eine noch größere Herausforderung ist es, das zu würdigen und den an Demenz erkrankten Menschen dafür zu loben. Es erscheint uns eben so selbstverständlich, dass man dieses oder jenes kann. Für einen Kranken ist es das aber vielleicht nicht mehr.
Ein Lob, eine Anerkennung tut jedem Menschen gut. Immer. Aber für jemanden, der immer und immer wieder auf seine Unfähigkeit und seine Ungeschicklichkeit und sein Unvermögen reduziert und angesprochen wird, ist das existentiell wichtig.