Ich möchte nochmal den „IKS-Kurs für Angehörige von Demenzkranken“ in Erinnerung rufen. Die Teilnehmer*innen bekommen Informationen über die Demenzerkrankung, können sich austauschen und auch die spirituellen Aspekte werden angesprochen.
Der Kurs findet ab 26. April fünf Mal immer am Mittwoch Nachmittag statt. In dieser Zeit gibt es auch die Möglichkeit zur Betreuung der Demenzerkrankten.
Leiter des Kurses sind die Seniorenseelsorger Marianne Kaltner und Georg Stürzl. Sie bitten um eine Anmeldung bis zum 19. April.
Wir Christen feiern Ostern. Die Auferstehung Jesu vom Tod ins Leben hinein. Ein Ereignis, das niemand bemerkt, als es passiert. Das aber doch die Menschen ergreift, angefangen bei Maria von Magdala bis hin zu uns heute.
Auferstehung: das ist für viele die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod bei Gott, in seiner liebevollen Güte, Barmherzigkeit, Menschenfreundlichkeit und Freude.
Vielleicht aber gibt’s Auferstehung auch schon jetzt. Natürlich in kleinerem Maßstab, aber doch eine Art „neues Leben“. Ich denke an ein Unfallopfer, das nach Monaten im Gips wieder den ersten eigenen Schritt tun kann, mühselig zwar – und dennoch der erste, winzig kleine ohne Krücken. Ich denke an eine Frau, die sich völlig „aufgeopfert“ und „hingegeben“ hat an ihre pflegebedürftige Mutter und die irgendwann Mal den Mut aufbrachte, ein klein wenig auf sich selbst zu achten. Ich denke an die alkoholkranken Männer, die einen Neuanfang in der Abstinenz wagen nach viel Leiden für alle Beteiligten, vor allem die Frauen und Kinder. Ich denke an Menschen mit Angst, die allmählich Zuversicht und Lebensmut entwickeln.
Diese heutigen Auferstehungserfahrungen haben eines gemeinsam: sie geschehen nie allein. Immer sind andere beteiligt – begleitend, unterstützend, korrigierend. Immer braucht es Beziehung. Immer ist Menschenfreundlichkeit , Liebe im Spiel. Immer ist Beharrlichkeit und Geduld nötig. Es geht nie schnell.
Bild: Michael Tress
Und diese Erfahrungen zeigen mir, dass da auch Gott mitwirkt und das Göttliche erfahrbar wird. Das Göttliche, das Leben fördert. Das neue Dimensionen aufstößt, Perspektiven eröffnet, Beziehung ermöglicht. Wege zeigt, die gemeinsam gangbar werden.
Heute begehen wir den Karfreitag, den Tag, an dem Jesus gefoltert und hingerichtet worden ist. Seine Botschaft, seine Überzeugung, sein Einsatz für andere Menschen und eine lebenswertere, göttliche Welt haben ihn so weit gebracht.
Ich habe heute aber auch Menschen vor Augen, die heute wegen ihrer Überzeugung und ihrem Einsatz gefoltert und sogar hingerichtet werden. Durchaus auch unter fragwürdiger Anklage und ohne Beistand. Diese Menschen tauchen nur dann in unseren Nachrichten auf, wenn sie prominent sind. Viele sind das nicht. Etwa die Frauen im Iran oder Afghanistan. Oder Menschen in Afrika und China. Oder die Opfer von Bandenkriegen in Süd- und Mittelamerika.
Gewalt gibt es auch ohne Folter und aus anderen Gründen. Auch in unserer bürgerlichen Gesellschaft wurden und werden Menschen gequält: Frauen, Kinder, Schwächere.
Foto: Michael Tress
In der Karfreitagsliturgie gibt es die sog. „Kreuzverehrung“. Ein verhülltes Kreuz wird in die Kirche gebracht und dabei schrittweise enthüllt. Dann tritt jede/r Gläubige vor das Kreuz mit einer Verneigung, einer Kniebeuge oder einer Berührung.
Dabei könnte man auch an die vielen heutigen Menschen denken, die unter Gewalt zu leiden haben und für sie beten.
Oder umgekehrt: heute Abend bei den Nachrichten die Opfer sehen und dabei an Jesus am Karfreitag denken.
Das Bundesfamilienministerium hat ein neues „Familienbarometer“ herausgegeben. Es zeigt auf, unter welchen Belastungen Familien heutzutage leben – nicht nur, aber auch im Seniorenbereich (etwa in der häuslichen Pflege). Vor allem auch, welche Unterstützung für die Familien nötig ist. Im Newsletter der bagso heißt es dazu:
Familienbarometer: Mehrheit wünscht sich Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige
Bundesseniorenministerin Lisa Paus hat das Familienbarometer vorgestellt: Darin werden zentrale Trends zum Familienleben in Deutschland analysiert und Optionen für die Weiterentwicklung familienpolitischer Leistungen aufgezeigt. Der Fokus des Familienbarometers liegt unter anderem auf den Handlungsfeldern: „Finanzielle Sicherheit für Familien erhöhen“ und „Zeitautonomie in herausfordernden Familienphasen erhöhen“. Ein wichtiges Ergebnis ist: Zwei Drittel der Bevölkerung können sich grundsätzlich vorstellen, Angehörige zu pflegen. Die Mehrheit (75 Prozent) wünscht sich eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige.
Beten heißt: mit Gott reden. So habe ich es am Aschermittwoch gesagt. In der Fastenzeit haben wir dann verschiedene Arten dieses Redens in den Blick genommen. Aber wie steht es mit der Rede Gottes, mit seinem Wort, seiner Antwort?
Ich taste mich mit meiner persönlichen Antwort mal langsam vorwärts. Ich beginne mit dem Schweigen. Oder genauer mit dem Wort, das „in die Stille verschwebt“. Gottes Wort ist wohl eher leise als laut. Eher sanft als bedrohlich. Eher lebensförderlich als zerstörerisch.
Gottes Antwort kommt in menschlicher Sprache und Gebärde, im Gefühl, im menschlich Erfahrbaren. Gottes Antwort kommt in vielfältiger Weise:
wenn ein Moment des Wunderbaren auftaucht
wenn es ein Staunen gibt
wenn es Innigkeit und Zuneigung gibt
wenn Menschen zu ihrer Wahrheit vorstoßen.
wenn Hilfe erfahren wird (in Krisen, im Unglück, im Leiden)
wenn sich eine Perspektive eröffnet.
Gottes Antwort zeigt sich in der konkreten Hilfe. Ich erinnere mich an das Oderhochwasser 1997, als viele Menschen sehr viel verloren haben in dieser Katastrophe. Wo war da Gottes Antwort? Sie kam aus dem fernen Bangladesh, einem der ärmsten Länder der Welt. Die Menschen dort wissen, was Überschwemmung bedeutet und sie haben Geld gesammelt für die Flutopfer in Deutschland.
Ergriffenheit und Stille sind für mich Hinweise. Das habe ich immer wieder in der Fachklinik Annabrunn bei Suchtkranken erlebt. Wenn jemand zu seiner Lebenswahrheit durchgedrungen ist, wurde es für einige Zeit ganz still und die gefühlte Raumtemperatur ist ein wenig gefallen. Ergriffenheit zeigt sich, wenn Menschen Nähe erfahren und auf Resonanz stoßen. Wenn wir eine Verbundenheit, Vertrautheit spüren und Innigkeit. Das Göttliche zeigt sich, wenn sich ein kleiner Moment, ein Augenblick dehnt und Ewigkeit erahnen lässt. Wenn eine Erfahrung in die Stille verschwebt.
Marianne Lüdicke: Zwiegespräch
Foto: Michael Tress
Gottes Antwort zeigt sich, wenn sich eine neue Perspektive eröffnet. Wenn Menschen (vielleicht durch schlimme Erfahrungen) einen neuen Blick auf sich selber, ihre Werte, ihr Leben gewinnen. Wenn eine Änderung nötig und möglich wird.
Gottes Antwort zeigt sich darin, dass sich Erfahrungenverdichten zu einem Lebensgefühl von Getragensein, von Zuversicht, von Lebensbejahung, von Akzeptanz, zu einem Einverständnis mit dem eigenen Leben und Gewordensein. Einer Überzeugung von Segen, d.h. dass Gott es in seiner Güte und Menschenfreundlichkeit gut macht.
Eine sehr besondere Art des Betens ist das Schweigen. Die Stille.
Was passiert, wenn ich still werde, schweige? Bei mir tauchen dann erst einmal eine ganze Menge Gedanken auf. Was muss ich tun? Was steht an? Was habe ich erlebt? Es tauchen Menschen auf vor meinem inneren Auge, in meiner Erinnerung. Manchmal mit Freude, manchmal mit Sorge. Nachrichten, die mich beschäftigen. Wenn ich still werde, ist es fast nie ganz still – schon gar nicht in meinem Inneren.
Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf das Gehör lenke, nehme ich den Verkehr wahr, die Vögel, Arbeitsgeräusche, den Krankenwagen …
Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem richte, höre ich das Ausatmen und das Einatmen. Mir fällt der Satz von Wilhelm Bruners ein: „Das Wort Gottes ist ein Atemholen.“ Mir fällt der Prophet Elija ein, der vor der Höhle Gott begegnet – nicht im Sturm, nicht im Feuer, nicht im Erdbeben, sondern in der „zarten, leise verstummenden Stimme“ des säuselnden Windes. Das ist die eigentliche Bedeutung des hebräischen Wortes „qol dmamah deqah“. Gottes Antwort im Wort, das in die Stille verschwebt.
Das war eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse auf meiner Chilereise: hoch über einer Schlucht die völlige Stille. Kein menschlicher oder tierischer Laut, kein Wind, kein Verkehr. Nur Stille.
Foto: Michael Tress
Gott schweigt (wenigstens scheinbar) – und ich darf das auch. Ich muss nicht immer reden. Es genügt, schweigend vor Gott zu sein. Einfach mich in das Atemholen Gottes einzuklinken. Luft holen, Kraft schöpfen, nur da sein vor Gott.
Der Dichter Roberto Juarroz (Vertikale Poesie) schreibt :
Die Abwesenheit Gottes bestärkt mich,
ich kann seine Abwesenheit besser anrufen als seine Anwesenheit.
Die Stille Gottes lässt mich sprechen.
Ohne seine Stummheit hätte ich überhaupt nicht sprechen gelernt.
Stattdessen stelle ich jedes Wort in eine kleine Pause der Stille Gottes,
auf ein Fragment seiner Abwesenheit.
Mein Impuls für die kommende Woche: für eine Minute schweigen und darauf achten, was im Inneren passiert.
Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen zur Altersarmut herausgegeben. Zwar ist das Thema der Altersarmut nicht neu – und auch, dass davon sehr viel mehr Frauen betroffen sind als Männer. Die Gründe für die schlechte Versorgung der heutigen Seniorinnen liegen zum einen in der Kinderbetreuung (dem damaligen Familien- und Frauenbild folgend), zum anderen in der dadurch unterbrochenen Erwerbstätigkeit (auch in Teilzeit).
So ist jetzt jede 5. Frau von Armut bedroht. Außerdem sind 15,4 % der Frauen von Wohnkosten mit mehr als 40% des Einkommens belastet. Auch das Geld für Heizung oder Kleidung oder Lebensmittel ist äußerst knapp.
Was mich aber auch mit dem Blick auf die Zukunft bedrückt, ist, dass sich das jetzt schon absehbar in der Zukunft fortsetzen wird. Viele Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Berufen, viele sind in Teilzeit erwerbstätig. Damit haben sie auch kaum Chancen auf einen beruflichen Aufstieg. Auch innerhalb einer Familie wird dann wohl wenig für eine höhere Rente der Frau getan, etwa indem der Mann in die Rentenversicherung der Frau einzahlt und so honoriert, dass die Frau wegen der Kinder daheim bleibt (immer noch sehr viel mehr als die Männer; natürlich dem unterschiedlichen Gehalt geschuldet).
Ich denke, gerade bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf lässt sich sehr viel mehr tun: mehr Kinderbetreuung (vor allem für ärmere Familie, die da schon abgehängt werden), flexiblere Arbeitszeiten, auch in der Unterstützung im Bereich der Bildung.
Wer die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts lesen will (und noch viel mehr), findet sie unter folgendem Link:
Die Seelsorger für Senioren im Landkreis Mühldorf Marianne Kaltner und Georg Stürzl bieten in Zusammenarbeit mit der Caritas einen Kurs für Angehörige von Demenzkranken an. Der IKS-Kurs ist informativ, kommunikativ und spirituell. Es gibt also Basisinformationen über diese Erkrankung, Hinweise zu einem adäquaten Umgang mit den Erkrankten und zu Unterstützungsmöglichkeiten. Außerdem werden auch die spirituellen Ressourcen zum Tragen gebracht. Für die Teilnehmenden als sehr wichtig hat sich der Austausch untereinander herausgestellt.
Der Kurs findet ab 26. April fünf Mal immer am Mittwoch Nachmittag statt. In dieser Zeit gibt es auch die Möglichkeit zur Betreuung der Demenzerkrankten.
Marianne Kaltner und Georg Stürzl bitten um eine Anmeldung bis zum 19. April.
Vor vielen Jahren habe ich eine Frau im Krankenhaus besucht. Sie hatte große Schmerzen und Angst. Unser Gespräch war sehr kurz. Oft nur ein Stöhnen durch zusammengebissene Zähne. Ich konnte da nicht viel sagen (auch nicht beten), aber meine paar Minuten der Anwesenheit waren für sie gut (hilfreich oder tröstend oder beruhigend?). Ihr Atem hatte sich beruhigt – trotz meiner Hilflosigkeit. Diese Frau hat mich etwas gelehrt:
Manchmal besteht das Gebet nur aus einem einzigen Laut oder einem Stöhnen. Wenn man Schmerzen hat, wenn einen die Trauer überfällt, wenn man in einer Depression steckt, dann ist man wohl nicht zu einem langen Gespräch mit Gott in der Lage, sondern nur zu einem einzigen Laut. Aber auch das ist Gebet, weil es die menschliche Lebenssituation ausdrückt und Gott hinhält.
In der Literatur, etwa den Psalmen, wird dieser eine Laut in die Länge gezogen und ausformuliert. Als Dichtung bringt sie in die Sprache, was sonst nur gestöhnt, gelitten, geklagt werden kann. Am eindrücklichsten ist dabei wohl Psalm 22, den wir am Karfreitag aus dem Mund Jesu hören: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?“
Aber auch das ganze Buch Ijob stellt ein sehr beredtes Zeugnis für die Klage eines Menschen dar, der fast alles verloren hat.
„Hiob“ von Gerhard Marcks vor der Klarakirche in Nürnberg
Leider hat die Klage in unserer westlichen Tradition keinen großen Stellenwert. Klagen war verpönt als Zeichen von Schwäche. Stärke zu zeigen ist angesagt. So wurde aber auch der Zugang zur Klage als Gebetsform verbaut. Welch großer Verlust!
Klagen kann man nicht nur über die eigene Situation. Unsere Welt bietet vielfältigen Anlass zur Klage: über Corona (und andere Krankheiten) – über den Ukrainekrieg (und andere Kriege) – über die Erdbebenopfer in Syrien und der Türkei (und andere Naturkatastrophen) – über Ungerechtigkeiten in der Bildung oder in der Gleichberechtigung von Frau und Mann usw.
Klage gegenüber Gott könnte auch zur An-klage gegenüber Gott werden. Dass wir dazu ermutigt werden, ist eine der wichtigsten Botschaften des Buches Hiob und auch des sterbenden Jesus.
Mein Impuls für die kommende Woche: wo sehen Sie Anlass zur Klage? Und wie können Sie diese Klage ausdrücken?
Ich habe heute eine zum Nachdenken inspirierende Predigt über „das Wasser des Lebens“ gehört und die Sehnsucht danach.
Die Sehnsucht nach dem „Wasser des Lebens“ kann viel sein: Frieden, Gesundheit, erfüllende Beziehungen, Sicherheit, Vertrauen, Angenommensein …
Die Sehnsucht zeigt uns, was wir dringend brauchen. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor 7 Jahren. Eine Ordensschwester hat damals zu mir gesagt: „Die Sehnsucht ist die Kraft von der andern Seite, die uns anzieht.“ Das, wonach ich mich sehne, weckt in mir Kräfte, es zu erlangen. Die Sehnsucht nach Angenommensein bewirkt, dass ich mich (vielleicht erst einmal vorsichtig und tastend) öffne. Die Sehnsucht nach Heilung lässt mich den suchen, der mich heil machen kann. Die Sehnsucht nach Kontakt lässt mich aktiv werden.
Bild: Michael Tress
Man kann sich dieser „Anziehungskraft“ freilich auch widersetzen. Dann wird man wohl resignieren oder verbittern. So viele alte Menschen haben Schwieriges erlebt und dabei das Gespür für ihre Sehnsucht verloren oder begraben. Aber vielleicht muss sie auch nur wieder abgetippt werden. Vielleicht ist ein Seniorenkreis dafür geeignet mit einem Austausch über vergangene und aktuelle Sehnsucht.